WBB-Kriminacht: Chmelar huldigt „Hofa“ von Prokopetz

Mit diesen Worten lädt Edelfeder und WBB-Autor Dieter Chmelar alle Leser zur Kriminacht am 10. Oktober ins Cafe Kreuzberg (7., Neustiftgasse 103) ein. Gratis, aber nicht umsonst.

Schau, da liegt a Leich’ im Rinnsal / ’s Bluat rinnt in Kanäu / Hearst, des is makaber / do liegt jo a Kadaver“ – vor mehr als 50 Jahren gelang dem gebürtigen Ottakringer Josef Prokopetz ein mittlerweile Halbes-Jahrhundert-Wurf. Das seinerzeit schmalpickte und blasse Bürscherl, das sich zu einem bunt schillernden Schwergewicht der österreichischen Populärkultur auswachsen würde, sollte an der Grafischen Lehr- und Versuchsanstalt seine Ausbildung zum Reprofotografen absolvieren, um einmal in die -väterliche Druckerei einzutreten. Doch er trat lieber in die Türen der verrauchten Cafés und schumm-rigen „Nachthütten“ – stets begleitet vom Gitarre zupfenden, ebenso langhaarigen und nachlässig gekleideten „Habschi“ Wolfgang Ambros.

An einem der ganz wenigen Tage seines Lebens, an dem der Joesi einer geregelten, bürgerlichen Arbeit nachging, kam ihm just beim Bodenlegen „aus dem Nichts“ jener Einfall, der quasi die Decke sprengte. Das Gedicht über Vorurteil und Schuldzuweisung, das sich in einer Dreiviertelstunde wie von selbst in seinem damals oft verflüssigten Hirn verfestigte („es heißt ja Einfall, weil es über einen hereinfällt“), entstieg wie eine Geistersichtung den Nebelschwaden der gern genommenen „lustigen Zigaretten“. Hasch mich, wer ist der Mörder? Oder besser gesagt: Wer ist das Opfer? Denn das Einzige, was fehlte, war der Name des in einem Wiener Außenbezirk grausam Hingemetzelten mit dem „zerschnitt’nen G’sicht“.

TRIUMPH DER GAMMLER

Prokopetz fand Name und Titel, indem er „blind das Telefonbuch“ aufschlug: „Der Finger blieb bei Hofer stecken, genauso gut hätte es Berger, Bauer, Müller oder Maier werden können.“ Nach ein paar Wochen voller Selbstzweifel über sein Surf-Kunststück auf der Dialektwelle – bis dorthin hatte Joesi nur „spätpubertäre Lyrik voller Pathos“ auf Hochdeutsch verfasst – zeigte er die Zeilen dem Woiferl aus dem Wienerwald, der genau damit erst zur Nummer 1 nicht nur der Gegend seiner Kindheit wurde. Nach demütigendem Klinkenputzen bei großen Musikverlagen wagte es das Mini-Label „Atom“, ihr Werk auf Vinyl zu pressen. Die Unterzeichnung des ersten Plattenvertrags wurde von den radikalen Amateuren mit reichlich Cognac begossen. Ambros war skeptisch, Prokopetz zuversichtlich: „20.000 Stück sind schnell -verkauft.“ Es wurde sofort das Doppelte, historisch gesehen das Zehnfache. Der Triumph der „Gammler“, wie man in den 1970ern „leistungsfeindliche“ Erscheinungen wie sie nannte. Seither hat Joesi nie mehr einen Boden verlegt, sondern immer freiberuflich nach dem Plafond gegriffen. Seine zwei Millionen Mal verkauften Hits – „Zentralfriedhof“, „Wintersunn“, „Taxi“, „Sind Sie Single?“, „Codo“, „Watzmann“ – werfen heute noch „a poa Netsch“ pro Jahr als Tantiemen ab. Aber er schreibt noch immer. Und wie!

KRAFT DES AUSDRUCKS

Der Krimi, den Prokopetz nun vorlegt, heißt sinnfällig „Hofer“ und glückt ihm als amüsante -Autopsie einer eher düsteren Epoche. Der Zeitreisebericht ist gespickt mit einem leider verklungenen Vokabular: Polizisten sind „Mistelbacher“, die knappe Kleidung der Hausmeisterin ist das „Negligé“, Unsinnigkeiten sind „Spompanadeln“, die -Brieftasche des Kellners ist der „Fleck“ und die angeschmachtete Schönheit, auf die man eine „Rutschn“ oder gar ein „Flugerl“ hat, ist im Fall der Zurückweisung postwendend „a Flitscherl“. Der literarische „Hofer“ ist grausam und lehrreich zugleich. Genau das werde ich bei der Kriminacht am 10.10. im Café Kreuzberg blutrünstig veranschaulichen.

HEISSER TIPP:
Dieter Chmelar & Peter Rapp präsentieren am
10.10. ab 18 Uhr im Rahmen der KRIMINACHT im Café Kreuzberg (1070, Neustiftgasse 103) „Hofer“ von Joesi Prokopetz.

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