Manchmal geht das Granteln auf die Nerven

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Hans Steiner über … eine mäßig erfreuliche Begegnung in der 49er-Bim, über das typische Granteln der Wiener, das ja oft liebenswürdig sein kann. Aber eine allgemeine Negativstimmung kann doch nicht ganz verdrängt werden.

„Heans, weg da, lassen S’ mich gefälligst anhalten!“ Kein Bitte, kein Danke. Kein freundliches Nasenloch des glatzköpfigen, korpulenten, urwienerischen Herrn in der 49er-Bim auf der Hütteldorfer Straße. Wobei ich zugeben muss, dass ich als Ottakringer auch nicht auf den Mund gefallen bin: „Na was ist mit dir los? Ang’rennt?“ Der Glatzkopf hat’s verstanden, auch wenn er noch zehn Minuten dahingemurmelt hat.

Charmanter Grant

Ich hab nichts gegen charmante Grantler. Gegen den guten, alten „Mundl“, der als echter Wiener ja nicht untergeht. Gegen den legendären Helmut Qualtinger, der messerscharf, zynisch und direkt die Wahrheit rausschießt. Gegen einen Wolferl Ambros, Georg Danzer und Rainhard Fendrich, die den Wiener Grant musikalisch zelebriert haben. Oder gegen den Ober im Kaffeehaus, der einem das Gefühl gibt, man würde bei der Bestellung eines Einspänners stören. Sie alle gehören zu Wien dazu wie der Fiaker, der Heurige und der Schmäh.

Was mich aber sehr wohl unrund und nachdenklich macht, ist die merkbare Aggression des Mannes im 49er. Er hat körperlich halb am Stock zum Verstehen gegeben: „Die ganze Welt geht mir am Oasch, mein Leben ist nicht leiwand, alles ist grindig und teuer – und schuld sind die anderen!“ Das spiegelt ein bisschen die Grundstimmung seit zwei Jahren wider. Die Menschen scheinen immer unzufriedener, fühlen sich alleingelassen, geben allen anderen die Schuld an ihrem Schicksal. Und sind für leichte, allzu populistische, einseitige „Lösungen“ empfänglich.

Leider können wir alle frustrierten Motschgeranten nicht nach London oder New York schicken, wie es Minister Peter Hanke einmal im kleinen Kreis angeregt hat: „Wenn sie dann nach Wien zurückkommen, sind sie alle überglücklich mit ihrer Stadt.“ Geht nicht. Also müssen wir damit leben, wenn ein frustrierter Öffi-Fahrer selbst den Weg versperrt und dann auch noch laut herumschreit: „Na schleichen S’ Ihna, wos stehen S’ da sinnlos herum!“

Wien ist net deppert

Aber es bleibt die Hoffnung, dass Ex-Bürgermeister Michael Häupl recht behalten möge: „Mei Wien is ned deppert.“ Es soll grantig, windig, zynisch und schwierig bleiben – darf sich aber nicht zu sicher sein, dass der aktuelle Zustand ein Naturgesetz ist. Hören wir die Signale und verzeihen wir trotzdem dem Mann im 49er, gegen den meine Haarpracht ja eine wuchernde ist. Sei’s drum.

Wenn’s nicht ernst wär

Wenn’s nicht ein wenig ernst wäre, könnte man über den Witz laut lachen. Kommt ein Fremder nach Wien, setzt sich auf eine Parkbank und fragt einen älteren Anrainer: „Entschuldigen Sie mal, leben Sie eigentlich gerne hier in Wien?“ Verzieht der Wiener die Mundwinkel, schaut ihn müde an, zieht an seiner abgebrannten Tschick und antwortet: „Na jo … Es is eh ois schlecht – owa woanders is no vü schlechter.“ Dabei war der Suderanten-König nie zuvor in London.

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