Obdachlosen-Morde: Täter stellte sich in Penzing

Das sichergestellte Messer des Tatverdächtigen für die Obdachlosen-Morde (Bild: Polizei).

Vor zweieinhalb Monaten wurde das Fahndungsbild veröffentlicht – auch im Wiener Bezirksblatt. Jetzt stellte sich der Täter der Polizei in der Polizeiinspektion Leyserstraße (Penzing): Der 17-Jährige könne mit der Schuld nicht mehr leben …

Wie berichtet gab es heuer eine einmalige Gewaltserie an Obdachlosen: Ein 56-Jähriger am 12.7. am Handelskai (tot), eine 51-Jährige am 22.7. in der Venediger Au (schwer verletzt) und ein 55-Jähriger am 9.8. am Hernalser Gürtel (tot) wurden in der Nacht mit hinterhältigen Messerstichen angegriffen. Aufgrund der ähnlichen Verletzungsmuster und der Tatzeiten ging das Landeskriminalamt (LKA) Wien stets vom gleichen Täter aus – richtigerweise, wie sich jetzt bei der Vernehmung herausstellte.

Nächtliches Geständnis

Laut Polizeibericht stellte sich der 17-Jährige gestern Nachmittag und war durchgehend geständig. Erst wurde er von der ermittelnden Kriminalpolizei, danach von der Staatsanwaltschaft vernommen. Nach seinen Aussagen hätte er sich seit der Veröffentlichung des Fahndungsfotos von seinem dritten Überfall am Hernalser Gürtel unter Druck gesetzt gefühlt. Immer weniger hätte er mit der Schuld leben können. Als Motiv hat er laut Polizeibericht „psychische Probleme, die durch den Drogenkonsum verstärkt werden“ angegeben. Gründe dafür wären seit seiner Kindheit auf einen zerrütteten Familienverband zurückzuführen. Zu den Tatzeiten war er 16 Jahre alt, mittlerweile wurde auch die Tatwaffe, ein Messer, sichergestellt.

Fahndung nun widerrufen

Die Täterbeschreibung der Polizei war sehr nahe am mutmaßlichen Täter dran. Im Oktober hieß es: „Er ist männlich, schlank, nach videoanalytischem Gutachten ca. 1,85 bis 1,92 Meter groß, bekleidet mit dunkler Jacke oder dunklem Pullover mit Kapuze, dunkler Baseball-Kappe, dunklen Hosen und dunklen Schuhen.“ Die Öffentlichkeitsfahndung im Zusammenhang mit diesen Fällen wurde widerrufen.

Drogen im Spiel

Mehr Details gab es am Vormittag bei einer Polizei-Pressekonferenz mit Oberst Gerhard Winkler sowie zwei Ermittlern. Demnach soll er Tatverdächtige seit seinem 16. Lebensjahr Drogen genommen haben. Für die Auswahl der Obdachlosen sollen drei Kriterien ausschlaggebend gewesen sein: Leicht verfügbare Opfer, ungestörtes Handeln und eine Wehrlosigkeit der Zielpersonen. Die Taten dürfte er gezielt geplant haben, zumal er sich vermummt und eine Kappe tief ins Gesicht gezogen hatte. Alle drei Messerangriffe wurden in der Nacht durchgeführt: Um 6:20 Uhr (Handelskai), um 3:40 Uhr (Venediger Au-Park) und um 2 Uhr (Hernalser Gürtel 22).

Bild unten: Das Fahndungsfoto der Polizei, das den Täter nervös machte.

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