Wieden: Unterwegs im Freihausviertel

Schleifmühle, Heumühle, Bärenmühle. Heute erinnern nur mehr die Namen der Gassen an die zahlreichen Mühlen entlang des Mühlbachs, die schon vor Jahr­hunderten für blühendes Leben im sogenannten Frei­hausviertel rund um die Schleifmühlgasse sorgten. Das Viertel selbst hat seinen Namen vom Freihaus, der ersten sozialen Wohnanlage der Stadt. Bereits im 17. Jahrhundert wurde das Freihaus gegründet und prägte das Grätzel bis in die Anfangsjahre des 20. Jahrhunderts. Der Mühlbach wurde verschüttet und auch das Freihaus steht nicht mehr.
Doch das Viertel blüht mehr denn je vor Lebensfreude und Innovation.

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Shops und Lokale

Auf kurzer Distanz und in gemütlicher Atmosphäre finden sich zwischen Wienzeile und Wiedner Hauptstraße rund um die Schleifmühlgasse jede Menge Geschäfte und Lokale. „Am Kühnplatz gibt es seit letztem Sommer auch eine Bühne, die für ­diverse Veranstaltungen genutzt werden kann“, erzählt Bezirksvorsteherin Lea Halbwidl beim Spaziergang durch das historische Grätzel. Denn das legendäre Frei­hausviertel-Szenefest ist weit über die Wiedner Bezirksgrenzen bekannt. Gleich neben dem ältesten noch existierenden Lokal, dem Café Anzengruber (Schleifmühlgasse 19) mit seinen legendären Schnitzeln, befindet sich das „Vintage Flo“ (Schleifmühlgasse 15A) von Ingrid Raab. Seit Ende 1978 gibt es dort Mode aus 100 Jahren.

Ein paar Schritte weiter findet man mit der Vollpension (Schleifmühlgasse 16) ein Projekt der Sonderklasse, hier können sich Senioren etwas dazuverdienen. Doch auch für internationale Geschmäcker gibt es im Freihausviertel ein Menge zu entdecken. In Bobby’s Foodstore (Schleifmühlgasse 8) findet man ­Süßigkeiten, Saucen und Snacks aus den USA, dem Vereinigten Königreich und Irland. Stichwort Irland: Gleich zwei hervorragende irische Pubs haben ihre Heimat in der Schleifmühlgasse: Johnny’s (Schleifmühlgasse 11) und das Four Bells (Schleifmühlgasse 2). Dort gibt es auch die Möglichkeit, Sportereignisse zu verfolgen. „Wir haben hier einige Akzente ­gesetzt“, erzählt Bezirksvorsteherin Halbwidl. So wurden etwa Brunnen geöffnet oder Beete bepflanzt, um das Grätzel noch lebenswerter zu machen. Am Kühnplatz wurde ein Bücherschrank errichtet, bei dem man ­kostenlos Lektüre abgeben und mitnehmen kann.

Genie bei der Arbeit

Die einzigartige Atmosphäre im Freihausviertel zieht auch viele Künstler an. Einer, der schon vor über 230 Jahren hier tätig war, ist auf der ganzen Welt ein Superstar: Wolfgang Amadeus Mozart. Das Musikgenie schuf zeitlose Klassiker der Musikgeschichte, Symphonien, Klavierkonzerte und nicht zuletzt Opern, die bis heute auf der ganzen Welt gespielt werden. Seine wohl bekannteste Oper „Die Zauberflöte“ wurde 1791 urauf­geführt. Und hat einen Bezug zum Grätzel: Im Theater des Freihauses, direkt am Kühnplatz, soll ­Mozart in einer ­kleinen Holzhütte auch Teile des Werks komponiert haben.