Wien fördert spezielle Projekte für lebendige Erinnerungskultur

Für den Bürgermeister und Historiker Michael Ludwig und Kulturstadträtin Veronica Kaup-Hasler ist Erinnerungskultur von essenzieller Bedeutung. Für die beiden sind dabei historische Bücher, etwa die Bestände und Nachlässe der Wienbibliothek, wichtige Quellen. Aber die Gedenkkultur braucht auch neue Impulse; ein Projekt-Call fragt daher nach „Geschichte(n) Wiens“ @ Stadt Wien / Christian Jobst

Im Rahmen des Projekt-Calls „Geschichte(n) Wiens“ hat die Stadt Wien neun wissenschaftlich fundierte Projekte zur Förderung einer lebendigen Erinnerungskultur ausgewählt. Diese Projekte sollen dazu beitragen, die Erinnerung an die Geschichte Wiens zu bewahren und gleichzeitig den Dialog und die Auseinandersetzung mit der Vergangenheit zu fördern. 

Der Projekt-Call „Geschichte(n) Wiens“ wurde angestoßen, um sich mit den Herausforderungen der Erinnerungskultur in der heutigen Zeit auseinanderzusetzen. Die Stadt Wien sieht die kritische Reflexion der Vergangenheit als eine aus der Geschichte erwachsende Verantwortung und möchte mit diesem Programm neue Formate und Ansätze der Vermittlung entwickeln.

Die Projekte sollen nicht nur wissenschaftlich fundiert, sondern auch kreativ und innovativ sein. Ziel ist es, die Relevanz der Geschichte für die Gegenwart zu vermitteln und insbesondere den Dialog innerhalb einer immer diverser werdenden Gesellschaft zu fördern.

Die ausgewählten Projekte
  1. Baustelle Antisemitismus – Module für erinnerungspolitische Lernprozesse in der Migrationsgesellschaft
    Dieses Projekt entwickelt mobile Lernmodule, die sich mit der Geschichte und Gegenwart des Antisemitismus in Wien auseinandersetzen und als dynamisches, partizipatives Lernwerkzeug dienen.
  2. Wien. Krankensaal 1945
    Ein Projekt der Österreichischen Akademie der Wissenschaften, das sich mit Patient*innenakten aus dem Jahr 1945 in der Psychiatrischen Klinik des Wiener AKH beschäftigt und eine künstlerische Auseinandersetzung mit dieser Geschichte bietet
  3. ARCHIV DES ZUHÖRENS: Ein audiographisches Denkmal für Wien Ottakring
    Im Sandleitenhof in Ottakring wird eine Geschichte des Hauses und seiner multikulturellen Gemeinschaft durch Gespräche und Erzählungen dokumentiert, die verschiedene Perspektiven auf die Vergangenheit einfangen.
  4. Erinnerung, sprich
    Ein Live-Casting-Projekt, das biografische Erinnerungen der nach 1945 nach Wien Zugewanderten in einem Gedächtnistheater hervorbringt, das von Wissenschaftler*innen historisch kontextualisiert wird.
  5. Resonanz & Widerstand: Dem Klang der Wiener Gegenkultur auf der Spur
    Dieses Projekt widmet sich der Geschichte der sogenannten „Schlurfs“, die in der Zeit des Nationalsozialismus als Jazzliebhaber*innen in Konflikt mit dem Regime gerieten.
  6. Wienerbørn. Die internationale Hilfe für die Wiener Kinder nach 1945
    Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden viele Kinder aus Wien zur Pflege ins Ausland vermittelt. Das Projekt stellt diese Geschichte durch Zeitzeug*inneninterviews und digitale Formate dar.
  7. Mutig Demokratie WIDERSTÄNDIG machen
    Ein partizipatives Theaterprojekt, das sich mit dem Widerstand gegen den Austrofaschismus beschäftigt und in Form von interaktiven Aufführungen in Wiener Stadtteilen umgesetzt wird.</span
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  8. Zweifelhafte Vergnügungen – Vielfalt und Kritik in der Leopoldstadt
    Auseinandersetzung mit den „Völkerschauen“ im Wiener Prater der Jahrhundertwende und bis in die 1930er Jahre, die Themen wie Rassismus und Widerstand thematisieren.</span
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  9. Ruth Klüger und Ceija Stojka – Auf dem Galgenplatz blüht jetzt der Flieder
    Eine Ausstellung, die sich mit den Gemeinsamkeiten in den lyrischen Werken von Ruth Klüger und Ceija Stojka auseinandersetzt, die beide das Trauma des Nationalsozialismus in ihren Texten verarbeiteten.</span
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Verantwortung für die Zukunft

Veronica Kaup-Hasler, Wiens Stadträtin für Kultur und Wissenschaft, unterstreicht, wie wichtig es ist, die Erinnerung an die Vergangenheit lebendig zu halten. Sie betont, dass die Projekte des Calls „Geschichte(n) Wiens“ vielfältige Impulse geben, die zur kollektiven Verantwortung und zum Widerstand gegen Unrecht beitragen.</span>

Matti Bunzl, künstlerisch-wissenschaftlicher Direktor des Wien Museums, hebt hervor, dass Erinnerungskultur ein sich wandelnder Prozess ist. Mit kreativen, wissenschaftlich fundierten Ansätzen wird die Relevanz der Vergangenheit für die Gegenwart verdeutlicht.

Zukunftsperspektiven

Die Projekte starten im Frühjahr 2025 und werden eine Laufzeit von sechs bis 18 Monaten haben. Sie sollen dabei helfen, das Verständnis für die historischen Ereignisse Wiens zu vertiefen und eine differenzierte Gedenk- und Erinnerungskultur zu fördern.</span>