Ein kostenloser Rundgang im 16. Bezirk rückt am 5. November die systematische Vertreibung jüdischer Mieter sowie den politischen Widerstand während der NS-Zeit ins Bewusstsein.
Das Erinnerungsprojekt „Der Gemeindebau in der NS-Zeit“ von Wiener Wohnen basiert auf Forschungsarbeiten des Dokumentationsarchivs des österreichischen Widerstandes. Nach dem großen Interesse im Vorjahr führt die neue Route ab 17:00 Uhr vom Karl-Volkert-Hof über den Wilhelmine-Moik-Hof und den Siegelhof bis zur Wohnhausanlage Sandleiten. Die Tour beleuchtet die Schicksale jener Menschen, die ab Juni 1938 von der nationalsozialistischen Stadtverwaltung systematisch aus ihren Wohnungen vertrieben wurden.
„Die Rundgänge machen Geschichte an jenen Orten sichtbar, an denen sie tatsächlich stattgefunden hat. Hinter jeder Delogierung standen Menschen und Familien, die ihre Wohnung, ihre Nachbarschaft und oftmals auch ihre Heimat verloren. Indem wir ihre Geschichten erzählen, geben wir ihnen einen festen Platz in der Erinnerung unserer Stadt“, betont Wohnbaustadträtin Elke Hanel-Torsch.
Hintergründe und Einblicke
Als erste Station erinnert der Karl-Volkert-Hof an Alois und Erna Kuhn, die nach ihrer Delogierung 1942 nach Riga deportiert und ermordet wurden. Weiter führt der Weg zum Wilhelmine-Moik-Hof, wo das Leben der namensgebenden Gewerkschafterin und Politikerin im Zentrum steht, die wegen ihres Widerstands im Zuchthaus saß. Den Abschluss bildet der geschichtsträchtige Sandleitenhof, die größte Wohnhausanlage des Roten Wiens.
„Die grausamen Schicksale der jüdischen Familien sowie die des mutigen Widerstands sind prägnante Kapitel unserer Bezirksgeschichte. Es ist unsere Verantwortung, dafür zu sorgen, dass die Erinnerung an sie auch für kommende Generationen lebendig bleibt und dass Menschlichkeit, ein klares Eintreten gegen Antisemitismus und Ausgrenzung sowie die Erinnerung an die Opfer in unserem Bezirk gelebt werden“, unterstreicht Ottakrings Bezirksvorsteherin Stefanie Lamp.
Die rund eineinhalb- bis zweistündige, barrierefreie Führung wird von der Buchautorin Evelyn Steinthaler geleitet. Die Teilnehmerzahl ist auf 20 Personen begrenzt, weshalb eine Anmeldung bis spätestens eine Woche vor dem Termin über die Wiener Wohnen Service-Nummer 05 75 75 75 oder per E-Mail an veranstaltungen@wienerwohnen.at erforderlich ist.

