Bei der 22. Kriminacht wurden die Kaffeehäuser der Stadt am 22. Oktober zu Treffpunkten für Krimifans. Mehr als 30 Lesungen, zahlreiche ausreservierte Veranstaltungen und ein frisch gekürter Preisträger sorgten für einen Abend voller Nervenkitzel.
Über den Wiener Krimipreis 2026 durfte sich Fabian Navarro für seinen Roman „Vienna Falling“ freuen.
Ausgezeichnet finster
Im Café Landtmann wurde Navarro der mit 5.000 Euro dotierte Literaturpreis überreicht. Heide Kunzelmann, Referatsleiterin für Literatur der Stadt Wien, und Benedikt Föger, Präsident des Hauptverbandes des Österreichischen Buchhandels, gratulierten dem Autor. Durch die Verleihung führte Helmut Schneider, die Laudatio hielt Vorjahressiegerin Petra Hartlieb.
Die Buchhändlerin und Autorin würdigte besonders Navarros Gespür für Wien: Mit dem aufmerksamen Blick eines Zugezogenen fange er die Eigenheiten der Stadt ein und spiele mit Augenmaß und Witz mit ihren Klischees. Auch Kulturstadträtin Veronica Kaup-Hasler gratulierte und hob die Verbindung von Spannung, schwarzem Humor und gesellschaftlichen Fragen hervor.
Navarro selbst zeigte sich bewegt:
„Ich bin selber nicht aus Wien und habe mir die Stadt durch dieses Buch quasi angeschrieben.“
Dass ihm dafür nun ein Preis verliehen werde, bedeute ihm sehr viel.
Wien spielt mit

In „Vienna Falling“, erschienen im Leykam Verlag, geraten deutsche Touristen während ihres Wien-Aufenthalts unvermittelt in einen Kriminalfall. Die Stadt wird dabei selbst zur Hauptdarstellerin: Ihre Schauplätze und Eigenheiten prägen den Roman ebenso wie Satire und fantastische Elemente.
Der 1990 im deutschen Warstein geborene Wahlwiener ist auch als Slam-Poet und Kulturveranstalter bekannt. Krimifans kennen ihn bereits durch seine Katzenkrimiserie „MIEZ MARPLE“. Mit „Vienna Falling“ wagte er sich erstmals an einen Kriminalroman mit menschlichen Hauptfiguren. Noch am Abend der Auszeichnung las er im Café Museum vor begeistertem Publikum daraus.
Auf der Shortlist standen außerdem Angelika Hager mit „Pardon, aber da schwimmt eine Leiche in der Schokolade“, Martina Parker mit „Miss Vergnügen“, Ursula Poznanski mit „Das Signal“ und Stefan Slupetzky mit „Nichts wie weg“. Der gemeinsam von der Stadt Wien Kultur und dem Hauptverband des Österreichischen Buchhandels gestiftete Preis hieß bisher Leo-Perutz-Preis und zeichnet literarisch anspruchsvolle, innovative Kriminalromane mit Wien-Bezug aus.
Kaffee mit Spannung
Wie gut Verbrechen und Kaffeehaus zusammenpassen, bewies die Kriminacht quer durch die Stadt. Gerade in der Innenstadt lag das nächste literarische Erlebnis oft nur einen kurzen Spaziergang entfernt. Zwischen Melange und Buchseiten begegneten die Besucher ihren Lieblingsautoren ganz persönlich.
Vielerorts waren die Plätze bereits im Vorfeld ausreserviert. Besonders groß war der Andrang im Café Frauenhuber: Vor der Lesung von Beate Maly bildete sich eine rund 15 Meter lange Warteschlange.
Anna Pöttler, Geschäftsführerin von echo event, freute sich neben den vollen Häusern besonders über das zunehmend junge Publikum. Die Kriminacht bringe Menschen unterschiedlicher Generationen zusammen und mache die Wiener Kaffeehäuser zu lebendigen Orten der Begegnung.
Morde auf der Karte
Auch das Programm hatte für jeden Krimigeschmack etwas zu bieten. ORF-Moderator und Autor Patrick Budgen präsentierte „Der Cicero-Coup“, in dem Bewohner einer Seniorenresidenz einen raffinierten Kunstraub planen. Angela Szivatz ließ in „Mörderisches Gspür“ die vermeintliche Idylle am Wolfgangsee durch zwei Morde zerbrechen.
Stefan Slupetzky erzählte in „Nichts wie weg“ von einer Wiener Zuckerbäckerin und einem finnischen Fälscher, die vor der albanischen Mafia flüchten. Auch Ursula Poznanski und Angelika Hager sorgten mit ihren Werken für reichlich Gesprächsstoff und literarischen Nervenkitzel.
Krimi trifft Klassik
Einen besonderen Akzent setzte das vormagazin mit Natasha Korsakova. Die international gefeierte Violinistin und Krimiautorin verband klassische Musik mit spannender Literatur. Ihr musikalisch-literarischer Beitrag zeigte, dass sich Gänsehaut auf ganz unterschiedliche Weise erzeugen lässt – mit einer packenden Geschichte ebenso wie mit dem Klang einer Geige.

