In Meidling haben die Arbeiten für das erste „Low Traffic Grätzl“ rund um die Wolfganggasse begonnen, das Wohngebiete kostengünstig und schnell vom Durchzugsverkehr entlasten soll. Bis Ende des Jahres wird das Pilotgebiet verkehrsberuhigt umgestaltet, begrünt und mit neuen Aufenthaltsbereichen für die Nachbarschaft aufgewertet.
In dieser Woche haben die ersten Arbeiten an Wiens erstem „Low Traffic Grätzl“ im Bezirk Meidling begonnen. Das Projekt fokussiert sich auf das dicht bebaute Gebiet rund um die Wolfganggasse und soll bis zum Ende des laufenden Jahres fertiggestellt sein. Ziel des Konzepts ist es, Wohngebiete mit einfachen, kostengünstigen und schnell umsetzbaren Maßnahmen vom Durchzugsverkehr zu befreien und gleichzeitig klimafit zu gestalten.
„In Meidling machen wir jetzt Platz fürs Grätzlleben. Rund um die Wolfganggasse nehmen wir den Durchzugsverkehr raus und schaffen neue Freiräume direkt vor der Haustür. Wie viel hier möglich ist, zeigt die Nachbarschaft längst mit ihren bepflanzten Beeten. Mit der neuen Fußgängerzone geben wir diesem Miteinander noch mehr Raum“, freut sich Wilfried Zankl, Bezirksvorsteher von Meidling.
Das Wiener Modell orientiert sich an den Londoner „Low Traffic Neighbourhoods“ und setzt auf das Prinzip des „Tactical Urbanism“, bei dem ohne große bauliche Eingriffe Veränderungen im öffentlichen Raum realisiert werden. Die Stadt Wien fördert die Umsetzung dieses Modells in den kommenden Jahren in weiteren Bezirken mit jeweils 50.000 Euro. Zu den Kernmaßnahmen zählen die Einrichtung von Fußgängerzonen, neue Begrünungselemente sowie die Neuorganisation von Verkehrsströmen.
Filter gegen den Durchzugsverkehr
Das Pilotgebiet in Meidling erstreckt sich über mehrere Straßenzüge zwischen Längenfeldgasse, Steinbauergasse, Siebertgasse und Arndtstraße. Als Herzstück verwandelt sich die Wolfganggasse ab der Hausnummer 14 bis zur Tichtelgasse in eine Fußgängerzone. Die bisherige Fahrbahn erhält bunte Bodenmarkierungen und wird vorrangig für den Fuß- und Radverkehr geöffnet. Neue Sitz- und Liegemöbel ergänzen die bereits bestehenden, vom Gartenverein Wolfganggasse gepflegten Beete.
An den umliegenden Kreuzungen wird der Durchzugsverkehr mittels sogenannter Diagonalfilter unterbunden. An den Kreuzungspunkten Tichtelgasse/Fockygasse sowie Tichtelgasse/Schallergasse kommen hierfür ehemalige Beton-Mistkübel von der Donauinsel als Pflanztröge zum Einsatz. Während das Zufahren für Anrainer, Lieferungen und Einsatzfahrzeuge weiterhin möglich bleibt, werden Einbahnregelungen angepasst und für den Radverkehr in beide Richtungen geöffnet. Gehsteigvorziehungen sollen zudem die Sichtbeziehungen und die Verkehrssicherheit erhöhen.
„Wir haben uns hier von London inspirieren lassen, wo mit den ‚Low Traffic Neighbourhoods‘ seit vielen Jahren kostengünstige Maßnahmen für verkehrsberuhigte Wohngebiete mit eingeschränktem Durchgangsverkehr umgesetzt werden. In Zeiten knapper Budgets ist das auch für Wien ein tolles Konzept, um mit einfachen Mitteln für mehr Begrünung, weniger Lärm, bessere Luft und mehr Sicherheit in den Grätzln zu sorgen. Und davon profitieren die Menschen ganz unmittelbar. Ich freue mich sehr, dass wir hier nun gemeinsam mit dem Bezirk in Meidling das erste Low Traffic Grätzl umsetzen und bin schon sehr gespannt auf das Ergebnis“, betont Planungsstadträtin Ulli Sima, die sich beim Bezirk für die gute Kooperation bedankt.
Weitere Bezirke werden folgen
Zur Steigerung der Aufenthaltsqualität im Meidlinger Pilotgebiet werden mobile Pflanztröge sowie neue Radbügel im Bereich Tichtelgasse/Malfattigasse aufgestellt. Ein Hydrant wird zudem mit einem Trinkaufsatz ausgestattet. Das Konzept basiert auf einem Baukastensystems, das eine schrittweise Entwicklung und die Nutzung von Synergien mit anderen Infrastrukturvorhaben erlaubt.
Nach dem Start in Meidling befinden sich bereits weitere Projekte in den Bezirken Mariahilf, Rudolfsheim-Fünfhaus und Alsergrund in Planung, während sieben weitere Bezirke aktuell geprüft werden.

