Dieter Chmelar über … das jähe Ende seiner Karriere als „Millionenshow“-Telefonjoker. Nachdem ich mich bei Polster & Herzog blamierte, gehe ich als Oberg’scheiter in Pension.
Wie begannen doch stets die herrlichen Humoresken vom „Heiteren Bezirksgericht“, eine über Jahrzehnte funkelnde Perle in der „Krone“? – „Alsdann, Herr Rat, die G’schicht’ war a so.“ Diese Zeile borge ich mir für ein eigenes sträfliches Versagen aus – mein insgesamt fünftes Scheitern anlässlich des 21. Anrufs von Armin Assinger in der „Millionenshow“.
Die Frage, die mir die Kicker-Legenden Andi Herzog und Toni Polster im Promi-Special für die „Sporthilfe“ stellten, lautete: Eine Wiener Kaisersemmel zeigt einen fünfteiligen Stern – mit der Handkante eingeschlagen werden die sogenannten … A. Basen, B. Laugen, C. Säuren, D. Solen. Es ging um 35.000 Euro für die gute Sache. Ich wusste es nicht und riet, in der irrigen Annahme, es handele sich um „Sohlen“, zu Antwort D. Auch mit „h“ übrigens goldfalsch. 30 Sekunden am Telefon sind bei Weitem kürzer als etwa auf dem Zahnarztstuhl, wenn auch, wie in diesem Fall, ähnlich schmerzhaft. Richtig war B. Meine berechtigte Unsicherheit versuchte ich noch mit einem altbackenen Scherz zu beschönigen: „Bei DER Frage krach’ ich wie a Kaiserse mmerl.“ Und als die Verbindung abbrach, klingelte es bei mir: „Nix wie Bröseln! Warum fragen die bei so einem Thema net den Boris Becker?“
Sie lachen bis heute
Am späteren Abend schrieb ich an beide Herren eine knappe, reumütige Nachricht: „Sorry. Jetzt trete ich zurück.“ Toni Polster antwortete unverzüglich: „Rücktritt? Zu spät.“ Unmerklich tröstlicher die Antwort von Andi Herzog: drei Smileys und „Alles gut“. Da ging ich in mich und blieb dort eine ganze Weile. Ich erinnerte mich an meine sportjournalistischen Anfänge und formte lautlos das Wörtchen „Karma“: „Jede Handlung zieht Konsequenzen nach sich“ oder auf gut Wienerisch: „G’schieht da scho recht!“ Denn: Hatte ich nicht als Jungreporter mit Lust und Leidenschaft auf die Schreibmaschine in Salzsäure getaucht, ehe ich in Matchberichten dem Toni gnadenlos die „Deck’n“ gab (einmal: „Ein Polster und zehn Schlafmützen“) oder nicht minder herzlos über den Andi herzog? Wir alle, die wir uns nun dem 60er nähern – Polster und ich bereits von der falschen Seite –, sehen das in der milde verklärenden Rückblende wohl nicht mehr so eng. Im Gegenteil: „Wir lachen noch heute!“
Gras von gestern
Resümee meines Joker-Desasters? „Da KARMA halt nix machen“ oder „Es kummt olles zruck im Leben“. Dabei hatte ich schon die erfrischendsten Erlebnisse als „Oberg’scheiter der Nation“. Erst vor Kurzem stieg in meinem Ottakring ein Herr aus seinem Lieferwagen mit NÖ-Kennzeichen, erkannte mich und strahlte: „Hearn S’, Sie wissen doch oiweu so vü!“ Blitzartig hielt er mir einen Bestellschein unter die Nase und fragte: „Na, Herr Joker, wo is’n do da Familienplatz Nummer 4?“ Ich wusste es tatsächlich! So wie ich in fast 25 Jahren als Millionenshow-Sidekick Hilfesuchenden wie Ingrid Thurnher, Joesi Prokopetz, Dolly Buster, Petra Morzé, Brigitte Kren, Susi Stach, Alfons Haider und Leonhard Stock zur Seite stand. Sogar Toni Faber rief nicht den Herrn, sondern einen seiner Hirten an. Nach einem langen Erfolgslauf nahm mich meine Frau zur Brust und empfahl mir eindringlich: „Bitte, weiß einmal was NICHT! Mir waren schon die Streber in der Schule, die immer alles wussten, unsympathisch. Fehler machen menschlich!“ An dieser Stelle sei an einen herrlich verrutschten Satz Herzogs erinnert, der einst in einem Interview einen handgreiflichen Konflikt mit Tormann-Titan Oliver Kahn elegant vom Tisch wischte: „Aber geh, da ist inzwischen Schnee über die Sache gewachsen.“ Gras von gestern …
Witz und Wahrheit
Polster und Herzog sind mit ihren hinreißenden Anekdoten und ihrem tändlerischen Geplänkel auch live und in Farbe zu erleben: das nächste Mal am Dienstag, dem 19. November, 19.30 Uhr, in der Halle F der Stadthalle. Dort werden Andi & Toni durchaus auch ernst. Herzog: „Den Text von ‚Für immer jung‘ von Heller und Ambros hab ich mir in ein Bücherl rausgeschrieben: Wannst dei Glück gerecht behandelst, dann verlasst’s di nie!“ Polster: „Familie ist der Hafen, wo du nicht der Verlierer oder Gewinner bist, nur der Mensch!“


