Die Kältewelle hat die Stadt voll im Griff. Das merkt man auch auf Wiens Gewässern. Bei den anhaltenden Minusgraden bilden sich nämlich in kürzester Zeit geschlossene Eisflächen – so auch in den Häfen Freudenau, Albern und Lobau, die derzeit innerhalb eines Tages großflächig zufrieren. Damit Schifffahrt, Infrastruktur und Versorgung auch im Winter reibungslos funktionieren, ist ein ganz besonderes Schiff im Einsatz: der Eisbrecher MS Eisvogel.

Eis ist im Hafen kein Winterromantik-Detail, sondern ein echtes Risiko. Frieren die Fahrrinnen zu, drohen Schäden an Schiffen, Stillstand im Betrieb und Probleme für die Versorgung. Genau hier übernimmt die MS Eisvogel ihre Schlüsselrolle: Sie hält die Hafenbecken eisfrei und schützt vor sogenannter Eispressung – also dem Druck, den sich verdichtende Eisschollen auf die Schiffsrümpfe ausüben.

Eisbrecher sind unverzichtbar

Der Hafen Wien ist ganzjährig in Betrieb. Rund ein Drittel der etwa 1.000 Frachtschiffe pro Jahr kommt auch im Winter, dazu überwintern im Hafen Freudenau rund 25 Donaukreuzfahrtschiffe. Sie alle sind darauf angewiesen, dass die Becken offen bleiben. Der Eisbrecher ist damit Teil der grundlegenden Sicherheits- und Versorgungsinfrastruktur der Stadt – gerade in Kälteperioden, die zwar selten, aber umso herausfordernder sind.

So arbeitet die MS Eisvogel

80 Tonnen schwer, 32 Meter lang und mit bis zu 12 Millimeter dickem Stahl geschützt, schiebt sich die MS Eisvogel im Schritttempo durchs Eis. Mit ihrem Löffelbug bricht sie die zur Zeit etwa15 Zentimeter dicke Eisdecke auf und drückt die Schollen zur Seite. Wird das Eis noch dicker, nimmt das Schiff zusätzlich bis zu 30 Tonnen Wasserballast auf, hebt sich auf die Eisfläche und bricht sie mit purem Gewicht. Bis zu 60 Zentimeter dickes Eis können wir so brechen“, erklärt Kapitän Michael Schopf. Bei extremer Kälte werde der Einsatz zur Kraftprobe – zuletzt im Winter 1985: „Dann vibriert im Kampf gegen die Eismassen der ganze Schiffskörper, Heckwasser schäumt auf und laut knirschend bricht das Eis in Stücke.“

Seit mittlerweile 70 Jahren setzt man auf die bewährte Technik der MS Eisvogel.

Garant für einen offenen Hafen

Als größter öffentlicher Donauhafen Österreichs muss der Hafen Wien auch im Winter nicht nur für Güter, die per Schiene und LKW hier umgeschlagen werden, sondern auch für die Schifffahrt offen sein. Zieht eine massive Kaltfront über Wien, ist die Eisvogel der Garant dafür, dass Frachtschiffe im Hafen Wien jederzeit ungehinderte Zufahrt zum Kai haben.

… betont Fritz Lehr, kaufmännischer Geschäftsführer des Hafen Wien.

Und auch abseits des Winters ist der Eisbrecher im Einsatz: Als Berge- und Feuerlöschschiff trägt die MS Eisvogel das ganze Jahr über zur Sicherheit im Hafen bei – einem der wichtigsten Logistikstandorte der Stadt mit rund 5.000 Arbeitsplätzen.