Hans Steiner über … eine gescheite Maß statt einer Melange. Oder einen großen frischen Sommer-Spritzer! Jedenfalls was Flüssiges zum Anstoßen, denn nicht nur die Bim auf der Ringstraße zeigt: Bald ist wieder Wiesn-Zeit!
Das Schunkel-, Gröl- und Anstoß-Fest auf der Kaiserwiese im Prater ist nicht jedermanns Sache. Muss es aber auch nicht: Manche gehen lieber in die Oper oder ins Theater, manche haben’s zu Hause gerne ruhig und beschaulich.
Junge Musik-Fans
Ein bisschen Hetz gehört für die meisten Wiener aber schon dazu. Und der geneigte, eher Wiesn-begeisterte WBB-Autor erinnert sich gut an eine Begegnung im Gösser-Zelt im Vorjahr: Faszinierenderweise war neben uns ein Achter-Tisch mit Teenagern, noch richtig jungen Leuten, die kaum Alkohol getrunken haben. Und sie haben auch nicht herumgegrölt. Sondern sie haben die Musik genossen, ein bisschen bei „Live is Life“, „Alice“ oder „Du, Entschuldige“ mitgesungen und den Abend genossen. Was sagt uns das? Die Wiener Kaiser Wiesn ist nicht nur Kult, sondern längst in der Breite angekommen.
Hirn aus?
Klar gibt es sie, die Unbelehrbaren, die vom Bier, egal um welchen Preis, nicht genug bekommen können. Die nach der Regel leben: „O’zapft is = Hirn aus!“ Wobei mir das in München vor drei Jahren weit dramatischer als in Wien vorgekommen ist. Dort haben schon „Bier-Leichen“ den Weg zur Wiesn gesäumt. Dort war ein Klo-Gang ein echtes Kabarett, weil Zielpinkeln. Und dort waren viele Maß-los glücklich.
Ja, Wien ist anders
Bei uns in good old Vienna geht’s zivilisierter und lauschiger zu. Das Wiesn-Dorf mit 30 Ständen ist echt gemütlich, die fünf Almen erinnern eher an einen Adventmarkt als an einen Rummelplatz. Und die drei großen Festzelte sind überschaubar, auch wenn am Abend die Post abgeht.
Jedenfalls mag ich den großen, feinen Unterschied. Die Wiener Kaiser Wiesn darf an die 400.000 Besucher begrüßen. Auf der Münchner Wiesn sind das 6.000.000 – entsprechend wird man durchgeschleust, wir Wiener nennen es „abgeschåßelt“.
Wiesn-Witzerln
Beides probiert, kein Vergleich. Ich bleib dahoam und singe lieber „Bussi Baby“ (Wanda) statt „Baby Blue“ (Münchner Freiheit) und „Skifoan“ statt „Skandal im Sperrbezirk“. Da wie dort gleich sind die Schmähs, die Wiesn-Witze. Ein paar darf ich mit scharfem Senf und Kren garnieren.
Etwa: „Auf der Wiesn zählt nicht, wer die meisten Maß trinkt – sondern wer am nächsten Tag noch weiß, wo sein Zelt steht.“ Oder: „Was ist der Unterschied zwischen einem Touristen und einem Stammgast? Der Tourist sucht am nächsten Morgen sein Hotel. Der Stammgast weiß immerhin noch, dass er eines hatte.“ Oder als dritter Gaudi-Spruch: „Ein Prosit“ ist das einzige Lied, bei dem der Text auch nach zehn Maß noch funktioniert.“
Bis bald im Nebel
Spritzig mein kleines Geheimnis: Ich bin froh, dass es mittlerweile auch Maß-G’spritzte gibt, denn so viel Bier bring ich nicht runter. Ein Riesen-Sommer-Spritzer passt. Also Prost, Sie treffen mich fix ein paar Mal bewaffnet mit der Lederhose.

