Thomas Steinhart im großen WBB-Interview

(C) Diesner: Thomas Steinhart ist seit November 2020 Bezirksvorsteher in Simmering.
(C) Diesner: Thomas Steinhart ist seit November 2020 Bezirksvorsteher in Simmering.

Zum 130. Geburtstag von Simmering spricht der Bezirksvorsteher über den typischen Bewohner, bunte Vielfalt und seine Vorhaben, den Elften noch lebenswerter zu machen …

Sehr geehrter Herr Steinhart, das heurige Jahr steht ganz im Zeichen des 130-jährigen Jubiläums des Bezirks. Sie sind mittler- weile seit knapp 1,5 Jahren Bezirksvorsteher, davor waren Sie BV-Stellvertreter. Sie kennen den Bezirk also gut. Was macht Ihrer Meinung nach Simmering so lebenswert?

Thomas Steinhart: Wir haben in unserem Bezirk die Vielfalt, also sowohl das städtische Gebiet, z.B. auf der Simmeringer Hauptstraße und beim Geiselberg, bis hin zum landwirtschaftlichen Gebiet auf der Simmeringer Haide. Und auch den dörflichen Charakter, den wir in Albern Richtung Donau finden. Das macht Simmering so einzigartig.

Gibt es die/den typische/n SimmeringerIn? Wie ist sie/er?

Ich glaube nicht, dass es den heute noch gibt. Außer natürlich die Bewohner, die hier aufgewachsen sind. Die sind sehr direkt und sagen, was sie denken. Die kommen aus Kaiserebersdorf, aus Hasenleiten … Aber wir haben auch viele junge Studenten, die zugezogen sind und jetzt beim Gasometer oder auf den Mautner-Markhof-Gründen wohnen. Simmering ist im vergangenen Jahr der jüngste Bezirk gewesen. Dadurch gibt es neue Herausforderungen, da die Wünsche des jungen Publikums ganz anders sind als die der Alteingesessenen. Wir versuchen, die Umgebung umzugestalten und das zu beachten. Das ist ein Prozess, der natürlich dauert. Infrastrukturtechnisch können wir da mithelfen, was Lokale betrifft, aber nur begrenzt was tun. Ich glaube jedoch, dass sich das noch weiter in die richtige Richtung entwickeln wird, z.B. durch Bürgerbeteiligung und Engagement.

Was hat sich in den letzten Jahren in Simmering verändert, worauf sind Sie besonders stolz? Welche Meilensteine haben Sie mitgeprägt?

Der neue Bildungscampus in der Rappachgasse liegt mir besonders am Herzen. Da war voriges Jahr der Spatenstich. Bildung ist ein ganz wichtiges Thema für unsere Kinder und Jugendlichen. Das ist ganz was Tolles, was dort entsteht – ein modernes Schulzentrum für mehrere Altersstufen mit sehr viel Grünraum und Parkmöglich­keiten für die Freizeit.

Kultur ist ja auch ein Fokus von Ihnen …!

Ja, Kultur ist ganz wichtig. Kultur verbindet sehr viele Menschen, egal welcher Herkunft sie sind. Sie werden mittels Tanz, Gesang und Sport miteinander verbunden. Wir haben tolle Vereine, die das Zusammenleben fördern. Das war ja gerade in den ver­gangenen Monaten nicht so möglich. Der 1. Simmeringer Sportclub bietet z.B. Sport­training und Lerngruppen an.

Simmering ist auch ein Vorzeigebezirk, was Nachhaltigkeit und Klima betrifft. Was gibt es da aktuell?

Wir sind Teil des Wiener Klimateams, eines innovati­ven Beteiligungsprojekts der Stadt, das gerade in Simme­ring, Margareten und Otta­kring gestartet ist. Ab jetzt können alle Wiener mitma­chen und ihre „1er Ideen“ fürs Klima einreichen.Von klimafreundlicher Mobilität und erneuerbaren Energien, nachhaltiger Ernährung und Kreislaufwirtschaft bis zu klimafitten Grätzeln und mehr Klimabewusstsein: Bei sechs Handlungsfeldern ist für alle etwas dabei.

Es ist mir eine Ehre, dass Simmering einer der drei Bezirke ist, in denen dieses Jahr die Klima­teams erstmalig an den Start gehen. Die Simmeringer wis­sen selbst am besten, was es in ihrem Grätzel – und damit auch im Bezirk – braucht, um ihre unmittelbare Lebensumgebung noch nachhaltiger und „klimafitter“ zu gestal ten. Und das von der EU geförderte Stadterneuerungs­projekt „Smarter Together“ hilft natürlich auch, der Kli­makrise entgegenzuwirken. Von smarten Haussanierungen, E­-Mobilität bis hin zu klimafreundlichen Schulen …

(C) BV 11: Bezirksvorsteher Thomas Steinhart ist froh, dass er wieder direkt mit den Simmeringern über ihre Anliegen sprechen kann.

Es gibt im Zuge des Jubiläums eine Ausschrei­bung hinsichtlich Kultur­förderung. Erzählen Sie bitte kurz darüber …?

Wir haben voriges Jahr die Kulturtreibenden im Bezirk zu einem Kulturstammtisch und zum Austausch eingeladen. Jetzt gibt es eine Kulturinitiative der Stadt Wien, wo junge Künstler gesucht werden. Zudem versuchen wir herauszufinden, welche Bedürfnisse diesbezüglich im Bezirk bestehen. Wir wissen, dass man sowohl Kirtage, Zeltfeste usw. in Simmering haben möchte, aber mittlerweile sprechen sich auch viele für Klassik und Modernes aus. Locations dafür gibt es, vor allem große, wie SimmCity und Gasometer.

Was Simmering noch brauchen würde, wären kleine Lokale, die Nachwuchskünstler sich auch leisten können bzw. wo man diese fördern kann. Und es wird auch wieder Kulturspaziergänge in Simmering geben.

Wo gibt’s noch Nachholbedarf im Bezirk? Was planen Sie in den kommenden Monaten?

Wir haben die Erfahrung gemacht, dass jeder hier gerne aufwächst, arbeitet usw., aber es fehlt das Freizeitangebot noch ein bisschen bei uns. Da fahren viele raus aus dem Bezirk. Wir werden das fördern, z.B. mit Kooperationen mit der VHS mittels Sport und Weiterbildung im Park, aber auch mit diversen Kultur- events. Das 130-jährige Jubiläum trägt da sicher auch dazu bei.

Was macht Ihrer Meinung nach einen guten Bezirksvorsteher aus?

Ich denke, dass ein guter Bezirksvorsteher für alle ein offenes Ohr hat. Man kann nicht immer populäre Entscheidungen treffen, das haben auch die vergangenen Monate gezeigt. Vor allem, wenn man Verantwortung hat. Natürlich versteht nicht jeder dann die Entscheidungen, aber man kann eben nicht nur beliebte Entscheidungen treffen, sondern muss auch an das allgemeine Wohl denken und mitbedenken, was momentan in der Welt passiert.

Viele wollen helfen, viele helfen auch, aber einige wollen das halt nicht in ihrer unmittelbaren Nähe. Da ist es ganz wichtig, zuzuhören und dass man auch sagt, wenn etwas nicht funktioniert. Ehrlichkeit hilft da weiter, das macht es aus. Die Menschen spüren ja auch, ob etwas ernst gemeint ist oder nicht.

Privat trifft man Sie wo in Simmering?

Ich kann das nicht genau festlegen, weil ich in Simmering viele Lokalitäten und Plätze schätze. Ich bin gerne zu Hause in der Gärtnerei, ich bin gerne zu Hause in meinem Garten, aber auch im Grünen spazieren mit meiner Familie oder in diversen Lokalen mit Freunden.

Wir haben so viele schöne Plätze in Simmering, natürlich kann man alles immer noch schöner machen … Jetzt wird das Wetter schöner, die Gastgärten öffnen auch wieder, und natürlich sitze ich da auch gerne …

Die Festivitäten zu „130 Jahre Simmering“ starten ja schon demnächst. Nennen Sie uns bitte ein paar Highlights, auf die wir uns da freuen dürfen?

Ganz genau, im April haben wir ein zweitägiges Fest am Enkplatz bei freiem Eintritt, u.a. mit Musik und Kulinarik. Es wird im Herbst/ Winter eine Ausstellung im Bezirksmuseum geben. Außerdem kommt es zu einer Kooperation von Bezirksmuseum und Huma Eleven. Zudem werden Veranstaltungen im Schloss Neugebäude und diverse andere Events stattfinden. Wir haben da momentan viele Anträge im Kulturbe- reich von den Kulturvereinen.

Es wird also ein spannendes und vielseitiges Jahr.

Hans Steiner
Chefredakteur