Mit den ersten warmen Tagen zieht es viele Wienerinnen und Wiener wieder in den Garten. Rasen mähen, Hecken schneiden oder Beete anlegen – was nach harmloser Freizeitbeschäftigung klingt, birgt jedoch ein nicht zu unterschätzendes Risiko. Laut aktuellen Zahlen der Präventionsinstitution KFV kommt es jedes Jahr zu tausenden Gartenunfällen – und ein Großteil davon passiert ausgerechnet am Nachmittag.

Viele Verletzungen trotz Routine

Rund 72 Prozent der Österreicher*innen arbeiten regelmäßig im Garten. Dabei kommt es allerdings häufig zu Unfällen: Allein im vergangenen Jahr mussten etwa 18.600 Menschen nach Gartenarbeiten im Spital behandelt werden.

Besonders betroffen sind ältere Personen: Rund 62 Prozent der Verletzten sind über 65 Jahre alt. Die häufigsten Verletzungen sind Knochenbrüche (54 Prozent), gefolgt von offenen Wunden (24 Prozent) sowie Sehnen- und Muskelverletzungen.

Am häufigsten erwischt es Hände (31 Prozent) und Füße (18 Prozent) – also genau jene Körperteile, die bei der Gartenarbeit am meisten im Einsatz sind.

Stürze sind Unfallursache Nummer eins

Die meisten Gartenunfälle passieren durch scheinbar banale Ursachen. Mit rund 67 Prozent sind Stürze die häufigste Unfallart – etwa durch herumliegende Gartengeräte, Schläuche oder unebene Böden.

An zweiter Stelle folgen Schnitt- und Stichverletzungen (18 Prozent), beispielsweise beim Heckenschneiden oder beim Umgang mit scharfen Werkzeugen.

Ein zentrales Problem: Viele Tätigkeiten werden im „Autopilot“ erledigt. Dadurch werden Gefahren oft unterschätzt oder gar nicht wahrgenommen.

60 Sekunden, die Leben retten können

Expertinnen und Experten raten daher zu einer einfachen, aber effektiven Maßnahme: Vor Arbeitsbeginn kurz innehalten und mögliche Gefahren bewusst durchgehen.

Eine gedankliche Checkliste kann helfen:

  • Gibt es Stolperfallen?
  • Ist die Leiter stabil?
  • Bestehen Risiken durch Strom oder Maschinen?
  • Gibt es gesundheitliche Belastungen durch Hitze oder Staub?

Doch genau hier hapert es: Rund 36 Prozent nehmen sich nicht einmal eine Minute Zeit für diesen Sicherheitscheck.

Riskante Arbeiten werden unterschätzt

Knapp 30 Prozent der Befragten geben an, regelmäßig Tätigkeiten auszuführen, die sie selbst als riskant einschätzen – etwa Arbeiten auf Leitern oder mit Motorsägen. Trotzdem zieht nur etwa die Hälfte professionelle Hilfe in Betracht.

Gerade bei motorisierten Geräten gilt: Unfälle sind zwar seltener, aber meist deutlich schwerwiegender.

Unfall-Hotspot: 15 bis 17 Uhr

Besonders auffällig: Die meisten Gartenunfälle passieren am Nachmittag. Zwischen 15:00 und 17:00 Uhr ereignen sich rund 37 Prozent aller Unfälle – mehr als zu jeder anderen Tageszeit.

Die Gründe liegen auf der Hand: Nach einem langen Tag lässt die Konzentration nach, gleichzeitig erreichen die Temperaturen oft ihren Höhepunkt. Das belastet den Körper zusätzlich und erhöht die Unfallgefahr.

Sicherheitstipps für Hobbygärtner

Mit einfachen Maßnahmen lässt sich das Risiko deutlich reduzieren:

  • Stolperfallen beseitigen: Werkzeuge und Schläuche ordentlich verstauen
  • Leitern sichern: Fester Untergrund und richtige Position sind entscheidend
  • Schutzausrüstung tragen: Handschuhe, festes Schuhwerk und Schutzbrille verwenden
  • Geräte ausschalten: Vor Wartung immer stromlos machen
  • Pausen einlegen: Ausreichend trinken und Erholung gönnen
  • Hilfe holen: Bei schweren Arbeiten Unterstützung organisieren
  • Erste Hilfe bereithalten: Für den Notfall gerüstet sein

 

Dr. Johanna Trauner-Karner

Dr. Johanna Trauner Karner, Leiterin des Bereichs Sport- und Freizeitsicherheit im KFV. | ©KFV/APA Fotoservice_Krisztian Juhasz