Zum 80er: Dieter Chmelars „Rappsodie“ des Respekts

Die beiden Schlauwiener und Kolumnenbrüder (Bild: Johannes Zinner).

WBB-Kolumnist Dieter Chmelar über den runden Geburtstag einer kantigen Koryphäe: Am 14. Februar wird der Marathonmann der Mattscheibe – mit 7000 Sendungen in 60 Dienstjahren – zum 80er. Für Dieter Chmelar steht das R in ORF längst für Rapp. 

Zur Feier des Tages gibt es zwei Sondersendungen seiner jahrzehntelangen beruflichen Heimat: Am 10. Februar im ORF 2 (von und mit Johannes Hoppe) und am 17. Februar im ORF III (von und mit Georg Schütz). Das „widerlegt“ ein von Rapps Standardpointen, wonach er am Zentralfriedhof mehr Freunde hat als am Küniglberg. Naturgemäß sind ihm Heerscharen von Wegbegleitern seit seinem allerersten TV-Auftritt 1963 abhandengekommen. Aber auch der vierten Generation an Bewunderern bleibt der berühmteste Bart des Bildschirms ein Begriff. Dass er dereinst ausgerechnet mit einem Countryhit namens „Go, Man, Go“ debütierte, darf retrospektiv wohl als Kennmelodie seiner sagenhaften Karriere gelten. Dabei hätte er, wie sein Vater, Beamter werden sollen. Doch von der Mutter, einer Marketenderin und „goscherten Heurigensängerin“, erbte der schmalpickte Bua den wunderbar-wehrhaften Witz – es heißt ja „Mutterwitz“.   

Überlebenskünstler

Die „Urwiener Hausgeburt“ aus der „Rotenturmstraße 19, 1. Stiege, 3. Stock, Tür 38, Schlafzimmer“ ist von klein auf ein Musterbeispiel für die Kunst des Durchwurschtelns in kargen Nachkriegstagen. Zu den Sängerknaben geht er, weil er sich dort die Zuteilung von Bananen erhofft, beim Bundesheer wird er Panzerfahrer, weil er nicht marschieren wollte und „weil ich links und rechts vom Steuer statt der Munition Bier und Frankfurter unterbrachte“. Ehe er als Korporal abrüstete, hatte er schon – frei nach einem Spruch Napoleons – den Marschallstab als Musiker und Moderator im Tornister. Er sang, spielte etwas Gitarre, trat beim Brückenwirt in Bruck an der Leitha und zuletzt sogar beim Brigadeball auf. Als Statist bei der Hollywood-Produktion „Der Kardinal“ (1963) tanzte er in einer großen Szene im Erzbischöflichen Palais als einziger Rechts- statt Linkswalzer, worauf Kultregisseur Otto Preminger wütend abbrach, „die Menge teilte wie Moses das Meer und mich wortlos des Saales verwies“.         

Comeback-Champion

Aber der Peter hat sich immer wieder „derrappelt“, wie offenbar schon sein Name verlangte. Obwohl es heißt „Wer nach allen Seiten offen ist, kann nicht ganz dicht sein“, blieb er zeitlebens einem treu – seiner Professionalität als „Unterhalter für alle“. Okay, er war zwar Ministrant in St. Stephan und bei der Katholischen Jugend, aber auch bei den Roten Falken „wegen der Zeltlager und der Tischtennisturniere“ und sogar bei den „Kummerln“ (Kommunisten), „weil es dort kostenlose Kinovorführungen gab“. Er ist für sämtliche Parteien aufgetreten, ein einziges Mal auch „irrtümlich“ für die FPÖ. Rapp lapidar: „Ein Installateur fragt ja auch keinen Kunden, was er wählt, bevor er ihm hilft.“ Alles in seinem Leben, sagt er, sei ihm einfach so passiert – Karriere, Kinder (drei aus drei Ehen) und Konkurs (1997). Zu Glanzzeiten moderiert er drei Hauptabende pro Woche (Champion, Hoppala, Starlight), erreichte in den 1980ern oft mehr als drei Millionen Zuschauer – „so viel wie eine Bildstörung in China“ – und feiert den 80er ganz still im kleinsten Kreis. Angst vor dem Tod hat er gar keine: „Man hat mich ja bei der Geburt auch nicht gefragt, ob ich Angst vor dem Leben habe.“

Oben: Die zwei WBB-Starkolumnisten hatten viele gemeinsame Auftritte: Hier bei der WBB-Aktion „Schlauwiener“ (Bild: Johannes Zinner).

Unten: „Dieter der Lustige“ und „Peter der Große“ bei der Schmähparade auf der Summerstage anlässlich des WBB-Buches mit ihren gesammelten Kolumnen (Bild: Burghart).

Bild: Burghart/WBB
Hans Steiner
Chefredakteur