Bezirksvorsteher Erich Hohenberger erklärt, wie die Landstraße trotz Budget-Einfrierungen Kernprojekte vorantreibt, Straßen, Parks und Mobilität 2026 modernisiert und für eine weiterhin lebenswerte Zukunft im Bezirk gestaltet.
Viele Bezirke sind durch die „Budgeteinfrierungen“ stark betroffen. Wie sieht das in der Landstraße aus?
Erich Hohenberger: Natürlich ist es eine Herausforderung, zusätzliche Mittel zu mobilisieren. Aber dank umsichtiger Planung, solider Rücklagen und eines sparsamen Umgangs ändert sich für unsere Kernprojekte nicht dramatisch viel. Es gibt keinen Kahlschlag, sondern eher ein gezieltes Feintuning. Im Bezirk müssen sich die Menschen keine Sorgen machen, wichtig ist, Doppelgleisigkeiten zu vermeiden, dann sind weiterhin intelligente Investitionen in der Landstraße möglich.

Die erste Etappe, die umgestaltet wird, ist der Abschnitt von der Juchgasse bis zur Schlachthausgasse. © Zoomvp.at
Höhere Aufenthaltsqualität bei „Straße des Südens“
Die Umgestaltung der Landstraßer Hauptstraße ist eines der großen Vorhaben. Was passiert 2026?
Erich Hohenberger: Ab Frühling 2026 beginnen wir mit dem ersten Abschnitt zwischen Juchgasse und Schlachthausgasse. Hier entstehen baulich getrennte Radwege, mehr Grünraum und Aufenthaltsflächen, genau so, wie es aus dem Beteiligungsprozess hervorgegangen ist. Gleichzeitig bereiten wir die Detailplanung für die Begegnungszonen weiter nördlich vor, etwa beim Rochusmarkt oder Richtung Rennweg. Die Zeitpläne sind ehrgeizig, aber realistisch: Der erste Abschnitt soll bis Herbst 2027 fertig sein, die weiteren Abschnitte folgen gestaffelt. Entscheidend ist, alle Partner eng einzubinden, um im Zeitplan zu bleiben.
Der Bezirk trägt dabei auch einen Teil der Kosten.
Das Projekt ist mit rund 20 Millionen Euro veranschlagt und davon stemmt der Bezirk etwa 2,2 Millionen aus eigenen Rücklagen. Diese sorgfältig angesparten Mittel nutzen wir genau für solche Projekte – ohne neue Schulden zu machen. Das ist ein Prinzip, das ich seit Jahrzehnten verfolge: Wir investieren, aber wir überfordern den Bezirkshaushalt nicht.
Wie war das Feedback der lokalen Geschäftstreibenden?
Die Rückmeldungen der Landstraßer Betriebe und Geschäfte nehme ich sehr ernst. Viele schätzen eine Verbesserung der Aufenthaltsqualität, wollen aber verständlicherweise gesicherte Zulieferwege und ausreichende Ladezonen. Das Grätzel soll ja lebendig bleiben, Händler und Kunden sollen gut zusammenfinden. Die Lieferverkehre und die wirtschaftliche Funktionalität müssen trotz Umgestaltung garantiert bleiben. Das habe ich von Anfang an klar gesagt und dafür setze ich mich auch ein.
Im Hinblick auf die Zukunft wünsche ich mir, dass sich soziale Ausgewogenheit und wirtschaftliche Stärke im Bezirk die Balance halten.”
Erich Hohenberger

Die Landstraßer Bewohner wurden aufgerufen, Ideen für die Umgestaltung des beliebten Arenbergparks einzubringen. © Creative Commons/Von Kasa Fue/ Ausschnitt: Christoph Waghubinger (Lewenstein), CC BY-SA 4.0 commons.wikimedia.org
Arenbergpark: Erholungsoase für das Grätzel
Was steht 2026 noch an?
Erich Hohenberger: Neben der Landstraßer Hauptstraße rückt jetzt auch die Umgestaltung des Arenbergparks näher. Unter Berücksichtigung von Wünschen und Ideen der Landstraßer Bevölkerung, die 2025 dazu befragt wurde, soll der Park als grüner Erholungsraum und lebendiger Treffpunkt mit hoher Aufenthaltsqualität weiterentwickelt werden. Darüber hinaus setzen wir einen starken Schwerpunkt auf die Sicherung der guten Gesundheitsversorgung in der Landstraße, die für alle Generationen wichtig ist.

Das Life Science Center Vienna wird den dritten Bezirk zum Mittelpunkt internationalen Interesses machen. © Wirtschaftsagentur Wien/Kronaus Mitterer Architekten
Mobilität & Innovation: Aufbruch Richtung Zukunft
Ein weiteres Mega-Projekt ist die Sanierung der S-Bahn-Stammstrecke, die 2026 auch in der Landstraße starke Auswirkungen hat. Wie bleibt Mobilität gewährleistet?
Erich Hohenberger: Vorab möchte ich einmal sagen, dass die ÖBB hier wirklich eine hervorragende Informationsarbeit leistet, zum Beispiel durch Info-Veranstaltungen bis in die Grätzel. ÖBB und Wiener Linien arbeiten eng zusammen und sorgen für alternative Verbindungen und schnellere Intervalle, damit die Landstraßerinnen und Landstraßer und die Pendlerinnen und Pendler weiterhin öffentlich mobil bleiben können, auch wenn es Sperren gibt. Ich rede dazu mit den Menschen im Bezirk und bringe ihre Anliegen mit ein, damit die Auswirkungen auf den Grätzel-Alltag gering gehalten werden.
Entstehung des Vienna Life Science Center, des Aithyra-Instituts für KI am Vienna BioCenter Campus und der neue AI:AT Coworking Hub: Wird die Landstraße der neue „Hotspot“ für Innovation?
Das St. Marxer Grätzel entwickelt sich immer mehr zu einer Drehscheibe für Zukunftstechnologie. Das schafft langfristig hochwertige Arbeitsplätze im Bezirk. Man darf aber niemals die Menschen dabei vergessen. Als wichtig für die Landstraße sehe ich eine Verbindung von Tradition und Hightech – sozial ausgewogen und wirtschaftlich stark.