Sonnenstrom für die Stadthalle

(C) Wiener Stadthalle / Skylight Popelka: Unterm Dach wird gerockt obenauf bald Strom erzeugt.

Wien wird bis 2040 klimaneutral: Daher ist es wichtig, schon jetzt Maßnahmen zur Treibhausgasreduktion zu identifizieren und zu setzen, um das Ziel zu erreichen. Auch die Wiener Stadthalle, ein Unternehmen der Wien Holding, leistet dazu ihren Beitrag. Auf dem Dach Österreichs wichtigster Event-Halle wird eine riesige Photovoltaikanlage montiert, die umweltfreundlichen, grünen Strom erzeugen wird.

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Photovoltaik-Offensive

Am Mittwoch, den 15. Juni 2022, präsentierten Wirtschaftsstadtrat Peter Hanke, Wien Holding-Chef Kurt Gollowitzer und Stadthallen-Geschäftsführer Matthäus Zelenka die Pläne dazu. „Vor etwas mehr als einem Jahr hat die Stadt Wien den Startschuss für die Wiener Photovoltaik (PV)-Offensive gegeben – dem größten Sonnenstromausbau-Programm, das die Stadt je gesehen hat. Bis 2030 soll sechzehn Mal so viel Strom aus der Sonne gewonnen werden wie 2020, so lautet das Ziel. Die Wien Holding und ihre Betriebe sind dabei ein wichtiger Partner, um diese Energiewende Schritt für Schritt herbeizuführen. Deshalb freut es mich ganz besonders, dass die Wiener Stadthalle nun ihr riesiges Dach zur Verfügung stellt, um hier eine der größten innerstädtischen Photovoltaikanlagen zu realisieren“, so Wiens Wirtschafts­stadtrat Peter Hanke.

Ein Dach so groß wie 21 Tennisplätze

(C) David Bohmann: Wien Holding-Geschäftsführer Kurt Gollowitzer, Stadtrat Peter Hanke und Stadthallen-Geschäftsführer Matthäus Zelenka mit einem der geplanten Photovoltaikmodule für das Dach der Stadthalle.

Das riesige Dach der Wiener Stadthalle befindet sich auf einer Höhe von 25 Metern. Keine anderen Häuser werfen einen Schatten darauf und es ist mit fast fünfeinhalbtausend Quadratmeter so groß wie 21 Tennisplätze. Auf den Punkt gebracht: Es liegt komplett in der prallen Sonne und das den ganzen Tag. Das sind beste Voraussetzungen dafür, mit Hilfe von Photovoltaik-Paneelen möglichst viel Sonnenstrom zu gewinnen. Kein Wunder also, dass das Hauptdach der Wiener Stadthalle, unter dem sich die große Halle D befindet, auch im Solarkataster der Stadt Wien für Photovoltaikanlagen als besonders geeignet eingestuft wird.

„Für uns ist es Verantwortung und Verpflichtung zugleich, mit unseren Unternehmen zur Erreichung der städtischen Klimaziele beizutragen. So arbeiten wir aktuell an der bereits vierten Photovoltaikanlange im Hafen Wien und mit dem Badewasser der Therme Wien erzeugen wir Fernwärme, um nur einige Beispiele für klimarelevante Projekte zu nennen. Mit dem Sonnenstrom-Dach auf der Wiener Stadthalle setzen wir nun einen nächsten Schritt und erzeugen dort grünen Strom, den wir einerseits zu zwanzig Prozent selber in der Wiener Stadthalle verwenden und andererseits den Überschuss in das Netz von Wien Strom einspeisen“, erklärt Wien Holding-Chef Kurt Gollowitzer.

Bis zu 1,1 Millionen Kilowattstunden

Insgesamt werden auf das Dach 2.956 Photovoltaik-Module geschraubt. Jedes Modul bringt eine Leistung von 380 Watt. Die gesamte Anlage kommt damit auf eine Gesamtleistung von 1.123 kWp. Pro Jahr können mit dieser Leistung rund 1,1 Millionen Kilowattstunden Strom erzeugt werden. Das ist so viel wie 580 Einpersonen-Haushalte in Wien jährlich verbrauchen. Laut Berechnungstool der Österreichischen Energieagentur können damit jährlich 486 Tonnen Kohlendioxid gespart werden. Bei einer Nutzungsdauer von 25 Jahren sind das insgesamt 12.161 Tonnen.

Und noch einen Vorteil bringt das Sonnendach: Die Photovoltaik-Module beschatten quasi zusätzlich eine Dachfläche von insgesamt 5.386 m². Und das reduziert in der warmen und heißen Jahreszeit die Raumtemperatur in der großen Halle D, die sich dadurch weniger aufheizt.

„Nachhaltigkeit ist zentraler Teil der Unternehmensstrategie der Wiener Stadthalle. Als wichtigstes Veranstaltungszentrum Österreichs ist es unser Ziel vorbildhaft und zukunftsweisend zu agieren und konkrete Schritte in Richtung mehr Nachhaltigkeit zu setzen. Wir sind überzeugt, dass künftiger Erfolg nur mit diesem Denken möglich ist und deshalb haben wir uns auch in unseren Umwelt-Leitlinien verpflichtet, unter anderem den Energie­verbrauch, das Abfallaufkommen sowie den Kohlendioxid-Ausstoß zu reduzieren, auf den Einsatz erneuerbarer Energieträger zu setzen und in dieser Hinsicht die Wiener Stadthalle konsequent zu optimieren“, so Matthäus Zelenka, Geschäftsführer der Wiener Stadthalle.

Vom Ticket als Fahrschein bis zur EMAS-Zertifizierung

Schon in den vergangenen Jahren hat die Wiener Stadthalle wichtige Maßnahmen im Sinne der Nachhaltigkeit gesetzt. So gilt bei Veranstaltungen in der Wiener Stadthalle, die auf der Eintrittskarte den Aufdruck „Gilt auch als Fahrschein“ aufweisen, das Ticket jeweils zwei Stunden vor Beginn bis sechs Stunden nach Beginn der gebuchten Veranstaltung als Fahrschein für die Wiener Linien in der Kernzone Wien. Dieses Angebot wurde gemeinsam mit den Wiener Linien Jahr für Jahr ausgeweitet. Das Ticket als Fahrschein gehört fast schon zur Regel und wird bereits bei rund 99 Prozent der jährlichen Veranstaltungen angeboten.

Gemeinsam mit gabarage upcycling design verlängert die Wiener Stadthalle den Lebenszyklus von Produkten. So wurden aus 300 Quadratmeter großen Werbetransparenten und der „alten“ Dienstkleidung der Wiener Stadthalle neue Produkte wie Taschen und ausgefallene Modestücke erzeugt.

Ein weiterer Meilenstein: Die Wiener Stadthalle übernimmt auch mit einer EMAS-Zertifizierung Verantwortung für einen bewussten Umgang mit Ressourcen und unserer Umwelt. Die Abkürzung EMAS steht für „Eco-Management and Audit Scheme“ und ist seit 1993 das freiwillige europäische Umweltmanagement, ein Instrument für eine nachhaltige Entwicklung in der Wirtschaft und in der Verwaltung. Ziel von EMAS ist die kontinuierliche Verbesserung des betrieblichen Umweltschutzes. Mit dem Umweltmanagementsystem EMAS können ökologische und ökonomische Schwachstellen in Organisationen beseitigt sowie Material, Energie und damit Kosten eingespart werden. EMAS nützt daher nicht nur der Umwelt, sondern auch den Unternehmen und der Verwaltung. Die Unterlagen für die EMAS-Zertifizierung wurden bereits eingereicht und von der zuständigen Umweltbegutachtung genehmigt. Die Eintragung im Register des Umweltbundesamts ist derzeit im Laufen.