Von den wendigen Mähnenrobben bis zu den gemächlichen Afrikanischen Schnabelbrustschildkröten – im Tiergarten Schönbrunn wurde wieder fleißig gezählt. Denn es war Zeit für die alljährliche Inventur. Diese ist wichtig, um Bilanz ziehen zu können, wie viele Tiere, Arten und Haustierrassen im Tiergarten leben. Das Zählen mit dem Klemmbrett ist dabei rein symbolisch. In den einzelnen Revieren werden das ganze Jahr über detaillierte Listen zum Tierbestand geführt. Für die Inventur werden diese Daten in einer speziellen Tierbestandliste, dem sogenannten Institutional Collection Plan (ICP), zusammengetragen und ausgewertet.
„Der ICP ist ein wichtiges Werkzeug jedes wissenschaftlich geführten Zoos. Jede Tierart erfüllt bestimmte Kriterien: Sie kann stark gefährdet sein, einen hohen edukativen Wert haben, mit Artenschutz- oder Forschungsprojekten verknüpft sein oder als Flaggschiffart einen ganzen Lebensraum repräsentieren. Der ICP hilft uns, unseren Tierbestand langfristig zu entwickeln“, erläutert Tiergartendirektor Dr. Stephan Hering-Hagenbeck. Im ICP ist außerdem festgehalten, ob es für die Tierart ein Erhaltungszuchtprogramm gibt und welchen Gefährdungsstatus sie laut der Roten Liste der Weltnaturschutzunion IUCN und laut der Roten Liste Österreich aufweist.
Lassen wir Zahlen sprechen
Die aktuelle Inventur zeigt: Im Tiergarten leben 6.239 Tiere aus 502 verschiedenen Arten und Haustierrassen. Darunter befinden sich mehrere Neuzugänge, etwa die von der Ausrottung bedrohten Onager, das Große Panda-Paar und die bedrohten Goldtakine. Neu hinzugekommen sind außerdem stark gefährdete Psychedelische Felsengeckos, die – wie manche andere Arten – für die wichtige Erhaltungszucht ausschließlich hinter den Kulissen gehalten werden.
„Unser Tierbestand ändert sich immer wieder, etwa, wenn Anlagen umgebaut oder neu konzipiert werden. Dabei kommen neue Arten dazu, andere werden abgegeben“, so Rupert Kainradl, MSc, zoologischer Abteilungsleiter. Ganz besonders dürfen Besucher auf das Regenwaldhaus gespannt sein, das mit neuem Konzept und neuen Arten für den bedrohten Regenwald sensibilisieren soll. Mit dem im Vorjahr eröffneten Artenschutzhaus wurden zahlreiche beschlagnahmte Arten erstmals vor den Vorhang geholt, die bis dahin hinter den Kulissen gehalten wurden. Hier machen besondere Zuchterfolge die Bemühungen des Tiergartens in der Erhaltungszucht sichtbar: Bei den Vosseler-Zweihornchamäleons, den Nguru-Zwergchamäleons und weiteren Chamäleonarten wurde mittlerweile die sogenannte F2-Generation erreicht. Das bedeutet, dass die erste Generation an Chamäleons, die im Tiergarten geschlüpft ist, selbst erfolgreich für Nachwuchs gesorgt hat – ein wichtiger Schritt für den langfristigen Erhalt dieser Arten.