Sanieren statt neu bauen

Wiener Wohnbau: Mehr bauen oder Bestand besser nutzen?

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Leistbare Wohnungen sind in Wien heiß begehrt. Doch braucht es mehr Neubauten oder muss vorhandener Wohnraum besser genutzt werden?

Beim zweiten NIBRA Zukunftsgespräch am 2. November in der Vienna Grand Gallery diskutierten Fachleute aus Immobilienwirtschaft, Recht und Politik über Lösungen. Dabei zeigte sich: Schon bei der Frage, wie viele Wohnungen fehlen, gehen die Meinungen auseinander.

Wohnungssuche unter Druck

Karina Schunker, Geschäftsführerin von EHL Wohnen, berichtete von Engpässen am Wiener Mietwohnungsmarkt. Weniger fertiggestellte Wohnungen und immer mehr Einpersonenhaushalte würden die Suche nach einem passenden Zuhause erschweren.

Clemens Berger, Wohnrechtsexperte der Arbeiterkammer Wien, stellte einen allgemeinen Wohnungsmangel hingegen infrage. Österreichweit sei zeitweise zu viel gebaut worden. Entscheidend sei, dass Wohnungen auch langfristig leistbar bleiben. Dafür brauche es mehr gemeinnützigen Wohnbau. Die beiden Einschätzungen bezogen sich allerdings auf unterschiedliche Märkte: Wien einerseits und ganz Österreich andererseits.

Bestehendes besser nutzen

Potenzial sah Andreas Köttl, CEO von nxt real estate und Präsident der Vereinigung Österreichischer Projektentwickler (VÖPE), in bestehenden Gebäuden. Sanieren und Umnutzen könnten zusätzlichen Wohnraum schaffen und bereits verbaute Ressourcen erhalten. Gleichzeitig forderte er schnellere Widmungs- und Bewilligungsverfahren, damit Projekte zügiger umgesetzt werden können.

Rechtsanwalt Benedikt Stockert von FSM Rechtsanwälte verwies auf rechtliche Hürden, etwa bei Nachbareinwendungen und notwendigen Zustimmungen. Die Wiener Gemeinderätin Heidi Sequenz setzte auf Nachverdichtung und geförderten Wohnbau. Auch eine Leerstandsabgabe brachte sie ins Gespräch.

Wer zahlt die Sanierung?

Kontrovers wurde es bei den Kosten klimafreundlicher Sanierungen. Während Köttl deren langfristigen Nutzen betonte, warnte Berger davor, die Ausgaben einseitig auf Mieterinnen und Mieter abzuwälzen. Im Wohnungseigentum brauche es durchdachte Sanierungskonzepte und ausreichende Rücklagen. Stockert pochte auf praktikable rechtliche Regeln.

Einen Einblick in die Marktlage gab Valentin Bauer, COO von IMMOunited: Nach einem stärkeren ersten Halbjahr 2026 habe sich die Erholung bei den österreichischen Immobilientransaktionen im dritten Quartal verhaltener fortgesetzt. Zugleich steige bei proaktiven Kundenanfragen das Interesse kapitalstarker Investoren.

Gemeinsam Lösungen suchen

Gastgeber Nikolaus Brada, Eigentümer und Geschäftsführer des Wiener Aufzugsunternehmens NIBRA, will mit der Gesprächsreihe unterschiedliche Interessen zusammenbringen. Gemeinsam mit Bauer lud er zum Austausch, moderiert von VÖPE-Geschäftsführer Alexander Pawkowicz.

Eine gemeinsame Antwort auf den Wohnraumbedarf oder die Verteilung der Sanierungskosten gab es an diesem Abend nicht. Deutlich wurde aber: Leistbarkeit, Wohnraumschaffung und der langfristige Betrieb von Gebäuden müssen gemeinsam betrachtet werden.

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