Literatur, Wiener Schmäh und ein kräftiger Schuss „doderische“ Stimmung: Beim bereits sechsten D-Day für Heimito von Doderer kamen zahlreiche Freunde des großen Wiener Schriftstellers im Café Frauenhuber zusammen.
Der Extrabereich des traditionsreichen Kaffeehauses war bis auf den letzten Platz gefüllt.
Ein besonderer Gedenktag
Der D-Day findet jedes Jahr am 21. September statt – jenem schicksalhaften Datum, an dem Mary K. in Doderers berühmtem Roman „Die Strudlhofstiege“ von einer Straßenbahn erfasst wird. Diesmal begrüßte Initiator Helmut Schneider den Filmemacher, Schriftsteller und Musiker Max Gruber als Gast.
Gruber, der zuletzt mit seinem Dokumentarfilm über den Architekten Karl Schwanzer für Aufmerksamkeit sorgte, erzählte von seiner bereits bis in die Schulzeit zurückreichenden Beziehung zu Doderers Werk. Für beste Unterhaltung sorgte auch sein Wiener Rap „Doderers Nachtgebet“, gesungen von Walther Soyka. Mit Zeilen wie „mia brauchn unsa fettn, um uns fua dem lebm zu rettn“ führte das Lied direkt zum Thema des Abends: „Rausch und Raufhändel bei Doderer“.
Zwischen Rausch und Disziplin
Heimito von Doderer galt als großer Freund der Wiener Wirts- und Kaffeehauskultur und war auch dem Alkohol nicht abgeneigt. Gleichzeitig ist seine enorme Disziplin beim Schreiben legendär. Mit der rund 900 Seiten starken „Strudlhofstiege“ und den etwa 1.400 Seiten umfassenden „Dämonen“ hinterließ er ein gewaltiges literarisches Werk. Dazu führte er täglich Tagebuch – stets mit dem Anspruch, dass seine Aufzeichnungen auch veröffentlicht werden könnten.
Als großes Alterswerk plante Doderer den vierbändigen „Roman Nr. 7“, benannt nach Beethovens siebenter Symphonie. Vollenden konnte er lediglich den ersten Teil „Die Wasserfälle von Slunj“. „Der Grenzwald“ blieb unvollendet, als Doderer 1966 starb. Für eine heitere Abwechslung sorgte zwischendurch der Roman „Die Merowinger“, in dessen Mittelpunkt Zorn und Wut stehen. Auch darüber diskutierten Schneider und Gruber mit viel Sachkenntnis und Humor.
Stoff für eine Fernsehserie
Als Autor zahlreicher Drehbücher konnte Max Gruber zudem von den Schwierigkeiten erzählen, Doderers vielschichtiges Werk auf die Leinwand zu bringen. Der handlungsreiche Roman „Die Dämonen“ wäre zwar wie geschaffen für eine österreichische Fernsehserie. Die vielen Figuren und wechselnden Schauplätze würden eine Produktion allerdings rasch an ihre finanziellen Grenzen bringen.
Am Ende herrschte im Café Frauenhuber eine geradezu „doderische“ Stimmung. Die Gäste wurden bestens unterhalten und wohl auch mit großer Lust auf weitere Doderer-Lektüre in die Wiener Innenstadt entlassen.

