Die mittlerweile nahezu unendliche Geschichte rund um den Aus- und Umbau der Verbindungsbahn ist um ein weiteres Kapitel reicher. Die Evaluierungen der letzten Monate nach der Erkenntnis aus dem 1.300 Tage dauernden Rechtsmittelverfahren sind abgeschlossen. Die behördliche Genehmigung für die Attraktivierung der Verbindungsbahn liegt vor. Das Ergebnis: Die Hauptarbeiten starten im September 2026 im Nordabschnitt zwischen Wien Hütteldorf und Schrutkagasse mit der Hochlage.
Die ÖBB (Österreichischen Bundesbahnen) und der VOR (Verkehrsverbund Ost-Region) gaben bekannt, dass die S80 damit künftig im Viertelstundentakt fahren wird. Außerdem werden zwei neue und eine modernisierte Haltestelle für mehr als 20.000 tägliche Ein- und Aussteiger pro Tag zur Verfügung stehen und eine optimal verknüpfte West-Ost-Verbindung bieten. Doch bis es soweit ist, kommt es zu gravierenden Einschränkungen. Die S80 fährt von 4. Juli bis 6. September nur im Abschnitt Wien Aspern – Wien Hauptbahnhof bzw. ab 7. September bis mindestens Ende 2027 im Abschnitt Wien Aspern – Wien Meidling. Ab Schulbeginn wird die S80 via Wien Meidling nach Süden als S3 bis Mödling weitergeführt.
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Stimmen aus dem 13. Bezirk
So sieht man das Projekt ” Attraktivierung der Verbindungsbahn” im 13. Bezirk:
Johanna Zinkl, Bezirksvorsteherin (ÖVP)

BV Johanna Zinkl tritt dafür ein, die Auswirkungen so gering als möglich zu halten © BV 13
„Für uns als Bezirk wird jetzt entscheidend sein, die Interessen der Menschen vor Ort konsequent einzubringen. Im Austausch mit den ÖBB und der Stadt Wien werde ich dafür eintreten, die Auswirkungen der Baustelle so gering wie möglich zu halten und die Rahmengestaltung und Begrünung einzufordern. Viele Hietzingerinnen und Hietzinger, besonders die unmittelbar betroffenen Anrainerinnen und Anrainer, wird dies in nächster Zeit beschäftigen. Ich kann daher gut nachvollziehen, dass diese Ankündigungen Enttäuschung und Sorgen auslöst.
Überraschend ist die Information, dass die S80 zwischen Hütteldorf und Meidling bis mindestens Ende 2027 eingestellt wird. Für viele wird das längere Wege und spürbare Umstellungen im Alltag bedeuten, auch, wenn ein Ersatzverkehr angekündigt wurde. Die ÖBB sind nun gefordert, transparente und laufende Informationen für die Bevölkerung, klare Kommunikation über die einzelnen Projektschritte sowie direkte Ansprechpartner für die Hietzingerinnen und Hietzinger bereitzustellen. Gleichzeitig nehmen wir die ÖBB in die Pflicht, alle Umwelt- und Anrainerschutzmaßnahmen laut Bescheid konsequent einzuhalten.“
Marcel Höckner, Bezirksvorsteherin-Stellvertreter Hietzing (SPÖ):

SPÖ Bezirksvize Marcel Höckner fordert “regelmäßigen Informationsaustausch zwischen Bezirkspolitik und ÖBB” © SPÖ Hietzing
“Der Baustart auf der Verbindungsbahn ist ein entscheidender Moment für die zukünftige Mobilität im Westen Wiens. Bei einem Projekt dieser Größe braucht es volle Information für die Bevölkerung durch die ÖBB und einen regelmäßigen Informationsaustausch zwischen Bezirkspolitik und ÖBB. Hier ist die ÖVP Hietzing gefordert die Arbeitsgruppen schnellstens wieder zu starten, da es notwendig ist eine inhaltliche Diskussion über die Gestaltung der Stationen, Plätze und über den Bereich unter der kommenden Hochtrasse, zu führen. Auch die Frage der Baumpflanzungen muss geklärt werden, da es wichtig ist möglichst viele Bäume in Hietzing im öffentlichen Raum zu pflanzen.”
Ombudsmann gefordert
Weiters führt Höckner aus: “In den nächsten Jahren werden wir mehrere große Bauprojekte im Bezirk haben, daher ist eine genaue Abstimmung mit sämtlichen Projektpartnern sehr wichtig. Die Totalsperre der S80 bis Ende 2027 macht es nicht einfacher, allerdings ist die Anbindung der Hietzinger Hauptstraße mit einer Station im Schienenersatzverkehr eine gute Lösung, da auch später dort eine neue S-Bahn-Station sein wird. Während der gesamten Bauzeit der Verbindungsbahn braucht es unbedingt umfassende Informationen für die Bevölkerung durch die ÖBB und einen Ombudsmann, an den man sich bei Anliegen und Unklarheiten wenden kann.
Michael Gorlitzer, Gemeinderat und Landtagsabgeordneter:

Michael Gorlitzer kritisiert die Planung © privat
„Dieses Bahnprojekt widerspricht jeder modernen städtebaulichen Entwicklung. Es gibt keine europäische Hauptstadt, in der Bahntrassen in Hochlage praktisch durch die Wohnzimmer der Anrainer geführt werden. Zwischen Juli und September 2026 wird gleichzeitig auch die Stammstrecke gesperrt. Es ergibt daher wenig Sinn, mit dem Bus von Hütteldorf nach Meidling zu fahren, wenn dort mit der S-Bahn ohnehin keine Weiterfahrt möglich ist. Da kann man gleich direkt auf die U-Bahn umsteigen. Für die Hietzinger Bevölkerung bedeutet die Hochlage der Verbindungsbahn enorme Belastungen bei gleichzeitig nur überschaubarem Nutzen in der Zukunft. Bereits jetzt zeige sich, dass die Planungen vielfach konfus und unzureichend durchdacht seien.”
Alexandra Steiner, GRÜNE Hietzing

Alexandra Steiner setzt sich dafür ein, dass so viele Bäume wie möglich in Hietzing nachgepflanzt werden” @ Grüne Hietzing
“Grundsätzlich haben wir uns immer für eine Verdichtung der Intervalle eingesetzt und werden dafür eintreten, dass der geplante Schienenersatzverkehr mit Bussen im 15-Minuten-Takt garantiert werden soll, und auch laufend evaluiert werden soll, ob eine etwaige weitere Verdichtung erforderlich ist. Ein großes Manko ist, dass keine barrierefreien Unterführungen für Radfahrer und Radfahrerinnen geplant sind, bei den zwei Übergängen (Jagdschloßgasse/Veitigergasse) steht jeweils nur ein Lift zur Verfügung. Wir setzen uns weiterhin dafür ein, dass so viele Bäume wie möglich in Hietzing nachgepflanzt werden, nicht nur auf privatem Grund ! Daher ist es besonders wichtig, dass zwischen Auhofstraße und Hietzinger Hauptstraße ein Park entsteht anstatt einer Versiegelung für einen Supermarkt samt Parkplatz .”
Georg Heinreichsberger, FP-Bezirksparteiobmann

Georg Heinreichsberger sieht Hietzing “”technisch und optisch zerschnitten” @ FB Hietzing
“Das Bundesverwaltungsgericht (BVwG) hat am 22. Jänner 2026 entschieden, dass das umstrittene Projekt “Attraktivierung Verbindungsbahn” – der Ausbau der Bahnstrecke zwischen Wien-Hütteldorf und Wien-Meidling – unter Auflagen umgesetzt werden darf. Die FPÖ-Hietzing ist der Ansicht, dass der Bezirk durch die gegenwärtige Planung “technisch und optisch zerschnitten” werde und alternative Trassenführungen oder Tieflegung nicht berücksichtigt wurden. Die Folgen des Umbaus werden den ganzen Bezirk treffen. Die FPÖ bringt daher eine Anfrage im Gemeinderat ein, die sich mit der Verkehrsplanung und Rahmenbedingungen während Umbau, Lärm, Schmutz, Grünraumgestaltung, Auflagen oder Krisenmanagement befasst.”
Katharina Kainz, NEOS Hietzing

Katharina Kainz bedauert die massiven EInschränkungen © NEOS Hietzing
“Wir bedauern die massiven Einschränkungen der S80, die auf die Hietzinger Bevölkerung zukommen. Mit der Einrichtung des Schienenersatzverkehrs wird immerhin unserer Forderung entsprochen, sodass die in den letzten Jahren an Bedeutung gewonnene Strecke während der Bauzeit zumindest alternativ befahrbar bleibt.”
Dieser Artikel wird bei weiteren Stellungnahmen laufend erweitert