BGM Ludwig: „Wien ist die Stadt der Kultur“

(C) Schedl: Bürgermeister Michael Ludwig mit Ehefrau Irmtraud im Konzerthaus.
(C) Schedl: Bürgermeister Michael Ludwig mit Ehefrau Irmtraud im Konzerthaus.

Wiens Kulturhäuser leiden nach Covid und in der Inflation unter Besucherschwund und höheren Kosten. Der Wiener Bürgermeister verspricht Hilfe und betont die Wichtigkeit von Kultur & Bildung.

WIENER BEZIRKSBLATT: Wie bedeutend ist ein funktionierender Kulturbetrieb für unsere Stadt?

Bürgermeister Michael Ludwig: Wien ist eine der großen Kulturhauptstädte mit einem sehr dichten Netz an Kultureinrichtungen. Das wird von der Bevölkerung, aber auch von den vielen Gästen, die zu uns kommen, sehr geschätzt. Daher ist es wichtig, dass man in schwierigen Zeiten diese Institutionen unterstützt. Das haben wir in Wien auch gleich zu Beginn der Corona-Krise gemacht. Und jetzt, wo die Energiepreise hoch sind und die steigende Inflation insbesondere Klein- und Mittelbetriebe in der Kunstszene wirtschaftlich sehr stark fordert, versuchen wir mit einer ganzen Reihe von Maßnahmen, die Rahmenbedingungen für Kultur zu verbessern.

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Momentan stehen viele vor dem Dilemma: Heizen muss ich, ins Theater gehen muss ich nicht. Gleichzeitig haben die Kulturhäuser auch höhere Kosten – was tun?

Wir haben in Wien ein sehr dichtes Angebot an kostenfreien Kunst- und Kulturveranstaltungen – vom Kultursommer bis hin zu Freizeitangeboten mit künstlerischen Darbietungen aus den verschiedensten Sparten wie beim Donauinselfest. Wichtig ist aber auch, mit einem Unterstützungspaket Kunstinstitutionen bei den stark steigenden Energiepreisen zu unterstützen.

(C) Jobst: Hunderte Gratis-Kulturveranstaltungen als Hilfe für Künstlerinnen & Künstler.

Corona war eine Katastrophe für den Bildungsbereich. Haben Sie Angst, dass schwache Schülerinnen und Schüler zurückbleiben?

Nein, ich bin überzeugt, dass das abgewendet werden kann. Es gibt natürlich negative Entwicklungen, aber Krisen haben auch positive Auswirkungen – eine davon ist sicher, dass die Digitalisierung im Lehrbetrieb stärker Fuß gefasst hat und dass man jetzt schon sehr früh Kinder auf die Herausforderungen des technischen Wandels vorbereitet. Klar ist aber auch, dass sozialer Kontakt durch nichts ersetzt werden kann – das Lernen in einer Gruppe, einer Schulklasse und vorher schon im Kindergarten ist etwas ganz Wichtiges. Das ist auch der Grund, warum wir in Wien seit mehr als 10 Jahren als erstes Bundesland überhaupt einen kostenfreien Kindergarten anbieten.

Wien soll ja auch eine Stadt der Studentinnen und Studenten sein …

Ja, wir sind der größte Universitätsstandort im deutschsprachigen Raum. Bei uns gibt es etwa 200.000 Studierende in 9 Universitäten, 6 Privatuniversitäten und 5 Fachhochschulen. Das macht sicher auch das besondere Flair unserer Stadt aus – wenn man bedenkt, dass 10 Prozent der gesamten Bevölkerung aus Studentinnen und Studenten besteht.

Die Kulturtechniken wie Lesen sind für alle wichtig – es gibt aber noch immer trotz Schulpflicht viele Analphabeten. Was tut die Stadt?

Das ist ein ganz wichtiges Thema – auch, weil es immer noch stigmatisiert ist. Die Wiener Volkshochschulen bemühen sich bereits seit Jahrzehnten mit einem sehr niederschwelligen Angebot um diese Zielgruppe. Aber auch die großartige Aktion „Eine STADT. Ein BUCH.“ weckt – indem 100.000 Gratisbücher verteilt werden – das Interesse am Lesen.

Gelingt es Ihnen als Bürgermeister noch, zu Kulturveranstaltungen zu gehen?

Ich würde mir natürlich wünschen, zeitlich mehr Möglichkeiten zu haben, aber zuletzt war ich bei der Buch Wien und ich nutze jede Gelegenheit, um mit Autorinnen und Autoren in Kontakt zu sein. Zuletzt konnte ich bei „Christmas in Vienna“ sowie bei der ersten Aufführung der Wiener Symphoniker und den Wiener Sängerknaben im Stephansdom dabei sein.