“weiter leben – eine Jugend” öffnet einen Raum, der Herz und Verstand gleichermaßen berührt. Das Stück nimmt das Publikum mit auf eine Reise zwischen Vergangenheit und Gegenwart. Erinnerungen, zwölf bis fünfzehn Jahre zurück, mischen sich mit dem Atem der Jetztzeit, erzählt von zwei Schauspielerinnen, die Ruth Klüger in unterschiedlichen Lebensphasen verkörpern. Kunstvoll, klar und ohne Pathos entsteht ein Moment des Innehaltens – zum Nachdenken, Mitfühlen und Erinnern.
Zwischen Leid und Leben
Ruth Klüger, 1931 in Wien geboren, erlebte als jüdisches Mädchen die brutale Realität des Nationalsozialismus. Ausschluss, Deportation, Lager – und doch Überleben. Ihr autobiografisches Buch “weiter leben. Eine Jugend” gilt als eines der eindrucksvollsten Zeugnisse der Holocaust-Literatur. Darin schildert Klüger nicht nur die Schrecken der Konzentrationslager Theresienstadt, Auschwitz-Birkenau und Christianstadt, sondern reflektiert, wie diese Erfahrungen ein Leben prägen und ein Weiterleben möglich bleibt.
Die Inszenierung des Jungen Theaters Wien bringt genau diese Perspektive auf die Bühne. Zwei Schauspielerinnen verkörpern Ruth in verschiedenen Altersstufen und lassen das Publikum an Momenten der Verzweiflung und der inneren Stärke teilhaben. Die Bühnenfassung von Pete Belcher und Hubertus Zorell geht über reine historische Rekonstruktion hinaus und schafft einen emotionalen Zugang, der wachrüttelt und verbindet.

2008 wurden im Rahmen von “Eine Stadt.Ein Buch” 100.000 Gratisbücher für Wiener Leser von Klügers Roman ‘weiter leben. Eine Jugend’ verteilt. © echo medienhaus/Christian Jobst
Premiere am Gedenktag
Die Wahl des 27. Jänner als Premierendatum ist bewusst angelegt. Dieser Tag markiert die Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz und steht weltweit für die Erinnerung an die Opfer des Nationalsozialismus. “weiter leben – eine Jugend” setzt genau hier an und öffnet einen Raum für Reflexion und Dialog zwischen Generationen.
Unter der Regie von Nika Marie Sommeregger und mit den Schauspielerinnen Linnea Jonasson und Katharina Pajenk entsteht ein intensives, poetisches Bühnenbild von Peter Ketturkat. Es lotet den Raum zwischen Erinnerung und Gegenwart kunstvoll aus. Die Klarinettistin Anja Kerbitz sorgt mit ihrer Musik für zusätzliche emotionale Tiefe, die das Publikum mitten ins Geschehen zieht.
Theater als Raum des Erinnerns
Ruth Klügers Lebenswerk ist ist ein Appell an das Gewissen. Nach dem Krieg emigrierte sie in die USA, lehrte als Literaturwissenschaftlerin und wurde international anerkannt. Klüger weigerte sich, in reine Opferrollen zu verfallen. Ihre Texte verbinden nüchterne Analyse mit persönlichem Erleben. Ein Stil, der weit über schulischen Pflichtstoff hinausgeht und echte Reflexion ermöglicht.
“weiter leben – eine Jugend” ist ein Abend für alle, die Kultur mit Tiefsinn lieben. Für junge Menschen, die Fragen nach Identität, Geschichte und Verantwortung stellen. Und für ältere Besucher, die wissen, wie zentral Erinnerung für jede freie Gesellschaft ist. Es ist ein Stück, das noch lange nachklingt.
Termine:
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27. Jänner, 19.30 Uhr (Premiere), Junges Theater Simmering, Schloss Neugebäude
- 20. Februar, 19.30 Uhr, Junges Theater Liesing, Kulturzentrum F23
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13. März, 19.30 Uhr, Junges Theater Floridsdorf, Das Hufnagl
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19. März, 19.30 Uhr, Junges Theater Favoriten, Kulturhaus Brotfabrik
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20. März, 19.30 Uhr, Junges Theater Donaustadt, Kulturgarage Seestadt
Tickets: www.jungetheaterwien.at