Täglich sind mehr als 2,4 Millionen Menschen in Wiens Öffis unterwegs. Damit das Zusammenleben im Waggon funktioniert, braucht es klare Spielregeln. Neben humorvollen Sujets setzt die Offensive auch auf Social-Media-Beiträge, Durchsagen in Stationen sowie verstärkte Kontrollen durch das Personal.

Mehr Rücksicht im gemeinsamen Raum

„Wo täglich Millionen Menschen aufeinandertreffen, braucht es klare Spielregeln und gegenseitige Rücksichtnahme.“

…betont Öffi-Stadträtin Ulli Sima. Lautstarke Gespräche über Beziehungsprobleme, Einkaufsliste oder Wochenendpläne würden die meisten Mitfahrenden genauso wenig interessieren wie fremde Musik aus dem Handylautsprecher.

Die Wiener Linien verstehen ihre Verkehrsmittel als gemeinsamen Raum – und der erfordere Respekt. Rücksichtsloses Verhalten sei daher schlicht nicht akzeptabel. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Wiener Linien sollen künftig verstärkt auf die Einhaltung der Regeln achten und Fahrgäste bei Fehlverhalten ermahnen. Gleichzeitig möchte man auch die Zivilcourage stärken und Fahrgäste dazu ermutigen, höflich auf die Regeln hinzuweisen.

Auch Monika Unterholzner, stellvertretende Generaldirektorin der Wiener Stadtwerke, unterstreicht die Bedeutung der Kampagne:

„Rücksichtnahme ist kein Luxus, sondern die Basis für ein funktionierendes Miteinander – gerade in einem System, das täglich Millionen Menschen bewegt.“

Umfrage zeigt deutliche Wahrnehmungslücke

Dass die Kampagne einen Nerv trifft, zeigt auch eine aktuelle Umfrage der Wiener Linien mit rund 800 Teilnehmerinnen und Teilnehmern im Alter von 16 bis 75 Jahren.

Nur neun Prozent der Befragten geben an, selbst schon einmal laut über Lautsprecher telefoniert oder Videos ohne Kopfhörer geschaut zu haben. Gleichzeitig fühlen sich jedoch 86 Prozent genau durch dieses Verhalten gestört.

Noch deutlicher fällt das Ergebnis bei der grundsätzlichen Bewertung aus: 92 Prozent finden es wichtig, dass lautes Telefonieren oder Videos ohne Kopfhörer in den Öffis unterlassen werden.

Die Zahlen zeigen eine klare Wahrnehmungslücke: Viele Menschen empfinden ihr eigenes Verhalten als weniger störend, als es für ihr Umfeld tatsächlich ist.

Information und Ermahnungen als erster Schritt

Ähnlich wie beim Essverbot in der U-Bahn, das 2019 auf Wunsch vieler Fahrgäste eingeführt wurde, setzen die Wiener Linien zunächst auf Information und Sensibilisierung.

„Unsere Regeln sind klar und gelten für alle. Die meisten Fahrgäste halten sich daran“, erklärt Wiener-Linien-Geschäftsführerin Alexandra Reinagl. Die Kampagne solle vor allem jene erreichen, die sich der Wirkung ihres Verhaltens oft gar nicht bewusst seien. Schon kleine Gesten der Rücksichtnahme könnten den Alltag für alle angenehmer machen.

Plakate und ein musikalischer Appell

Ab 9. März sind die Kampagnenmotive im gesamten Stadtgebiet auf Plakaten zu sehen. Im Mittelpunkt stehen typische Situationen aus dem Öffi-Alltag – bewusst überzeichnet dargestellt: ein riesiges Smartphone, dessen Lautsprecher den ganzen Waggon beschallt, eine überdimensionierte Leberkäsesemmel oder ein Rucksack, der anderen Fahrgästen den Platz nimmt.

Die Botschaft dahinter: Was für eine Person vielleicht unbedeutend wirkt, kann für andere eine große Belastung sein – sei es durch Lärm, Geruch oder Platzmangel. Der Slogan „Für dich egal, für andere eine riesige Qual“ bringt das auf den Punkt.

Auch musikalisch wird die Kampagne begleitet. Der Song „Ka Genierer“ ist eine augenzwinkernde Neuinterpretation des Klassikers „I bin a Kniera“ von Georg Danzer. Der umgetextete Titel greift typische Öffi-Situationen auf und soll humorvoll daran erinnern, dass Rücksichtnahme zum Wiener Alltag dazugehört.

Weitere Informationen zur Kampagne sowie zur Hausordnung der Wiener Linien sind online auf der Website des Unternehmens zu finden.