Von privaten Momenten bis zu großen Bühnen: Georg Danzer, eine Ikone des Austropop, hat Wien mit seinen Liedern geprägt. Nun bewahrt die Wienbibliothek seine Hinterlassenschaften auf. Ein einzigartiges Archiv, das Fans und Forschende gleichermaßen begeistert. Bürgermeister Michael Ludwig und Kulturstadträtin Veronica Kaup-Hasler würdigen diesen bedeutenden Zugewinn für die Stadt.
Einblick in das Leben eines Wiener Originals
Georg Danzer (1946–2007) war Sänger, Chronist, Poet und Impulsgeber der österreichischen Dialektwelle. Seine Lieder verbinden Alltagsbeobachtungen, gesellschaftskritische Botschaften und den typischen Wiener Schmäh auf unverwechselbare Weise. Erste Erfolge erzielte er als Komponist für Wolfgang Ambros, Marianne Mendt oder Erika Pluhar. Mit seinem eigenen Hit „Jö schau“ (1975) feierte er den Durchbruch, gefolgt von der legendären „Tournee 79“ mit 32 ausverkauften Konzerten. Danzer öffnete sogar den deutschen Markt für den Dialektpop – sein Album „Ruhe vor dem Sturm“ (1981) machte ihn in beiden Ländern bekannt.
In den 1990er-Jahren kehrte er nach Wien zurück und arbeitete u. a. mit Peter Cornelius, Marianne Mendt und Wilfried am Album „Wieder in Wien“. Gemeinsam mit Wolfgang Ambros und Rainhard Fendrich gründete er Austria 3 – zunächst für ein Benefizkonzert für Obdachlose, später wurde die Band Kult. Zahlreiche weitere Projekte mit namhaften Musikern, Bücher und Übersetzungen spanischer Literatur ergänzen sein vielseitiges Werk.

Notizbücher, Setlists, Erinnerungsstücke, private Aufnahmen: Danzers Nachlass ist ein Zeugnis von Popkultur- und -geschichte. © Stadt Wien/Christian Jobst
Der Nachlass: Schatz für Forschung und Fans
Der Nachlass, der nun in der Wienbibliothek verwahrt wird, umfasst private Fotos, Tagebücher, Tourneeunterlagen, Setlisten, Leadsheets und hunderte Liedtexte, oft mit handschriftlichen Korrekturen. 34 Notizbücher aus den 1970er Jahren bis zu seinen letzten Lebensjahren geben intime Einblicke in seine Arbeitsweise, Gedanken und Stimmungen. Sie dokumentieren Texte wie „Ganz Wien träumt vom Kokain“ oder das gesellschaftskritische „Feine Leute“.
Neben künstlerischen Dokumenten zeigt der Nachlass auch Danzers soziales Engagement, seine Korrespondenz, Preise und Ehrungen, darunter die Auszeichnung „Star Of The Year 1976“ der englischen Fachzeitschrift Music Week. Wienbibliothek-Direktorin Anita Eichinger betont: „Georg Danzer war ein präziser Chronist seiner Zeit. Sein Nachlass erweitert unsere populärkulturellen Bestände um eine unverzichtbare Facette.“
Populärkultur im Fokus der Wienbibliothek
Die Wienbibliothek sammelt seit jeher Materialien, die das kulturelle Leben Wiens prägen. In den letzten Jahren wurde der Fokus verstärkt auf Popmusik gelegt. Sammlungen von Sigi Maron, Drahdiwaberl, Al Cook oder Minisex ergänzen den Bestand. Die Materialien reichen von Leadsheets bis zu Setlists – Zeugnisse einer dynamischen und vielfältigen Popkultur. Der Danzer-Nachlass ist ein weiterer Meilenstein. Er ermöglicht nicht nur neue Forschungsperspektiven, sondern lässt Fans die Persönlichkeit und den kreativen Prozess eines der bedeutendsten Wiener Liedermacher hautnah erleben.