Krebs im Alter ist längst kein Einzelfall mehr. Schon heute sind über 60 % aller Krebsdiagnosen bei Menschen ab 65 Jahren. Und mit der demographischen Entwicklung steigt dieser Anteil in den kommenden Jahrzehnten noch deutlich an. Der Österreichische Krebsreport 2025, präsentiert anlässlich des Weltkrebstags am 4. Februar, liefert fundierte Daten und Impulse, für neue Denkansätze bei medizinischer Versorgung und Prävention.

Präsentation des Österreichischen Krebsreports 2025: Doris Kiefhaber (Geschäftsführerin der Österreichischen Krebshilfe), Birgit Gerstorfer, MBA (Präsidentin Österr. Seniorenrat), Priv.-Doz. Dr. Kathrin Strasser-Weippl (Medizinische Leiterin der OeGHO), Univ.-Prof. Dr. Ewald Wöll (Präsident Österr. Gesellschaft für Hämatologie und Med. Onkologie (OeGHO), Univ.-Prof. Dr. Paul Sevelda (Präsident Österr. Krebshilfe), Walter Voitl-Bliem, MBA (Österreichische Gesellschaft für Hämatologie & Onkologie). © OeGHO/APA-Fotoservice/Ludwig Schedl
Krebs trifft zunehmend ältere Menschen
Die steigende Lebenserwartung ist eine Erfolgsgeschichte unserer Gesellschaft, gleichzeitig wirkt sie sich direkt auf die Gesundheitslandschaft aus. Laut dem Krebsreport werden bis 2040 bereits über 75 % der Krebserkrankungen bei Menschen über 65 auftreten. Diese Entwicklung bringt große Herausforderungen mit sich.
Viele ältere Patienten sind nicht nur von der Tumorerkrankung betroffen, sondern leiden auch an Begleiterkrankungen und nehmen mehrere Medikamente ein, die bei Diagnose und Therapie berücksichtigt werden müssen.
Die Bedeutung eines gesunden Lebensstils muss durch verständliche Aufklärung und entsprechende Angebote verdeutlicht werden.“
Österreichische Krebshilfe-Präsident Univ.-Prof. Dr. Paul Sevelda

Der Krebsreport 2025 bietet Daten und Impulse für neue gesundheitspolitische Denkansätze. © OeGHO/APA-Fotoservice/Ludwig Schedl
Individuelle Versorgung statt Standardrezept
Gerade in höherem Alter können klassische Früherkennungsprogramme und Leitlinien an ihre Grenzen stoßen. Was für jüngere, gesunde Menschen standardisiert funktioniert, muss bei älteren Menschen individueller gedacht werden, inklusive einer Abwägung von Nutzen, Belastung und Lebensqualität.
Der Krebsreport betont die Notwendigkeit einer altersgerechten Versorgung, die über das kalendarische Alter hinausgeht. Im Mittelpunkt sollen die gesamte gesundheitliche Situation, Alltagskompetenz, soziale Lebenslage und persönliche Ziele stehen. Diese ganzheitliche Perspektive ermögliche bessere Entscheidungen zwischen Patienten und Behandlerteams – ganz nach dem Prinzip „Therapieziel vor Therapieplan“.
Auch die Österreichische Gesellschaft für Hämatologie und Medizinische Onkologie (OeGHO) unterstreicht, wie wichtig interdisziplinäre Zusammenarbeit und angepasste Versorgungsstrukturen sind, um Übertherapien oder gefährliche Wechselwirkungen zu vermeiden.
Auf Basis des Krebsreports kann eine vorausschauende Gesundheitspolitik gestaltet werden, die den aktuellen und künftigen Herausforderungen effizient, aber auch menschlich begegnet.“
Seniorenrats- und PVÖ-Präsidentin Birgit Gerstorfer

Seniorenrats- und PVÖ-Präsidentin Gerstorfer spricht sich für eine verbesserte Versorgung älterer Krebspatienten aus. © OeGHO/APA-Fotoservice/Ludwig Schedl
Gesundheitspolitik neu ausrichten
Ein besonderer Blick im aktuellen Bericht gilt den politischen und gesellschaftlichen Akteuren. Der Österreichische Seniorenrat bringt die Perspektive älterer Menschen aktiv ins Gespräch. Seniorenrats- und Pensionistenverband Österreichs-Präsidentin Birgit Gerstorfer macht klar: „Der österreichische Krebsreport liefert eine bedeutende und fundierte Grundlage für Medizin, Politik und Forschung. Darauf basierend ist die Gestaltung einer vorausschauenden Gesundheitspolitik notwendig.“
Auch Univ.-Prof. Dr. Paul Sevelda, Präsident der Österreichischen Krebshilfe, appelliert an Politik und Bevölkerung, das Gesundheitsbewusstsein nachhaltig zu stärken. „Die Bedeutung eines dauerhaft gesunden Lebensstils – einschließlich regelmäßiger Bewegung, Nichtrauchens und der Vermeidung von Übergewicht – muss man noch deutlicher verständlich und motivierend vermitteln.“ Gerade bei älteren Menschen müsse die individuelle Sinnhaftigkeit von Vorsorgeuntersuchungen im Fokus stehen, um Lebensqualität und Mobilität bestmöglich zu erhalten.