Mit breiter politischer Zustimmung setzt der 8. Bezirk einen lange diskutierten Schritt in die Realität um. Der traditionsreiche Park in der Josefstadt erhält einen neuen Namen und damit eine neue historische Hintergrunderzählung. Künftig erinnert er an die Schriftstellerin Lore Segal, die hier als Kind spielte, bevor sie von den Nationalsozialisten vertrieben wurde.

Lore Segal am Hamerlingplatz im September 1929. © Lore.Segal

Lore Segal am Hamerlingplatz im September 1929. © Lore Segal

Ein Park schreibt seine Geschichte neu

Die Entscheidung der Bezirksvertretung am 25. März 2026 beendet einen Jahre dauernden Diskussionsprozess. Grüne, SPÖ, ÖVP, Neos und KPÖ stimmten geschlossen dafür, den nach Robert Hamerling benannten Park umzuwidmen. Der einstige Schriftsteller hinterließ ein Werk, das von antisemitischen und frauenfeindlichen Bildern geprägt ist. 2021 stufte eine Historiker-Kommission alle nach Hamerling benannten Plätze als „Fälle mit Diskussionsbedarf“ ein.

Bezirksvorsteher Martin Fabisch betont die historische Bedeutung des Schritts. Mit der Wahl des neuen Namens würdige die Josefstadt nicht nur eine international gefeierte Autorin, sondern löse sich zugleich von einem belasteten Erbe. Dass Lore Segal in unmittelbarer Nachbarschaft aufwuchs und ihre ersten Jahre genau in diesem Park verbrachte, verleihe der Entscheidung besondere Tiefe.

Lore Segals Weg aus Wien in die Welt

Lore Segal wurde 1928 nur wenige Schritte vom Park entfernt geboren und besuchte die Schulen der Umgebung. Bis 1938 war der Park ihr täglicher Spielplatz – bis jüdischen Kindern der Zutritt verboten wurde. Nach dem „Anschluss“ verlor ihr Vater seinen Beruf, die Familie wurde aus ihrer Wohnung gedrängt. Segal gelang es mit dem ersten Kindertransport nach Großbritannien zu entkommen; ihre Eltern überlebten, viele Verwandte jedoch wurden im Holocaust ermordet.

In England studierte sie Literatur, später zog sie nach New York. Dort veröffentlichte sie Romane und Kurzgeschichten, schrieb für den „New Yorker“ und wurde 2008 für den Pulitzerpreis nominiert. Erst kurz vor ihrem Tod 2024 nahm sie per Liveschaltung an der Eröffnung einer Ausstellung über ihr Leben im Bezirksmuseum Josefstadt teil. Der Titel: „Ich wollte Wien liebhaben, habe mich aber nicht getraut.” Mit der Umbenennung wird nun ein Ort ihres frühen Glücks und jähen Verlusts zu einem Ort des Gedenkens und zu einem Zeichen des Erinnerns.

www.wien.gv.at/josefstadt

Mehr zur Ausstellung 2024 über Lore Segal im Wien Museum Magazin