Vor 20 Jahren öffnete das museum gugging in Maria Gugging als Ort seine Türen, der Kunst jenseits konventioneller Kategorien sichtbar macht und die Werke jener Künstler würdigt, die oft am Rande der Kunstwelt standen. Die Jubiläums-Ausstellung „museum gugging.! 20 jahre kUNSt“ spannt einen weiten Bogen von den späten 1960er-Jahren bis in die Gegenwart. Sie stellt 20 herausragende Stimmen dieser einzigartigen Kunstbewegung vor. Ein klares Bekenntnis zur Relevanz und Aktualität der Gugginger Kunst im nationalen und internationalen Kontext.

Die Gugginger Künster vor dem Haus der Künstler im Jahr 1986. © Johann Feilacher
Mit eigener Kraft: die Gugginger Künstler
In der Jubiläumsausstellung stehen 20 Künstlern im Mittelpunkt, deren Arbeit exemplarisch für die Entwicklung der Gugginger Kunst steht. Namen wie Oswald Tschirtner oder Heinrich Reisenbauer treffen auf legendäre Figuren wie August Walla und Johann Hauser, die das künstlerische Profil Guggings international geprägt haben. Walla – dessen imaginäres Universum die Grenzen zwischen Bild, Schrift und Mythos sprengte – hätte 2026 seinen 90. Geburtstag gefeiert. Hauser, bekannt für seine kraftvollen Figuren, wäre 100 Jahre alt geworden.
Die künstlerische Produktion aus Gugging ist tief verwurzelt in der Haltung, die Jean Dubuffet mit dem Begriff Art Brut formulierte. Kunst, die spontan, frei von akademischen Konventionen und direkt aus dem schöpferischen Inneren entsteht. Werke, die zunächst im Kontext einer psychiatrischen Einrichtung entdeckt wurden, haben sich über Jahrzehnte als eigenständige, hoch geschätzte Kunstform etabliert.

„guggkasten“: Tex Rubinowitz, Tarnsätze und Stickstoffe, Crone Wien 2021. © Lukas Dostal, Wien (Courtesy of the artist and Galerie Crone, Wien Berlin)
„guggkasten“: Vielfalt steht im Fokus
Ein besonderes Element der Ausstellung ist der „guggkasten“, ein Raum im museum gugging, der wechselnde Positionen und Themen ins Zentrum rückt. Der Auftakt wird mit der Ausstellung „Stickstoff“ von Tex Rubinowitz gemacht. Maschinelles Nähen, Zufall und Sprache werden als künstlerische Mittel verknüpft. Weitere Schwerpunkte folgen: das atelier gugging mit dem Thema „Das Atelier-Ich“, eine Hommage an die kreative Arbeitsumgebung selbst, gefolgt von Einzelpräsentationen u. a. von Ingolf Ebeling und Michaela Polacek.
Diese programmatische Vielfalt unterstreicht den Anspruch des Museums. Gugginger Künstler werden icht nur historisch gewürdigt, sondern auch aktuelle künstlerische Fragestellungen und Ausdrucksformen präsentiert. Die Ausstellung lädt dazu ein, die künstlerische Praxis in ihrer ganzen Breite ohne Reduktion auf Biografien, sondern mit Fokus auf der Kraft des Ausdrucks zu erleben.

Jubiläumspublikation. © Privatstiftung — Künstler aus Gugging, Landessammlungen Niederösterreich / State Collections of Lower Austria/Layout:Nina Pavicsits
Im Kontext: Jubiläum mit Blick nach vorn
Begleitend zur Ausstellung erscheint eine umfangreiche Jubiläumspublikation. Sie zeichnet nicht nur die Geschichte des Museums nach, sondern beleuchtet auch zentrale Themen wie die Korrespondenz zwischen Jean Dubuffet und Leo Navratil, die NS-Verbrechen in Gugging sowie die aktuelle Debatte um inklusive Museumsarbeit.
Das museum gugging hat sich in zwei Jahrzehnten als Ort etabliert, der Offenheit und Inklusion lebt. Es präsentiert die Kunst aus Gugging als selbstverständlichen Teil der europäischen Kunstlandschaft. Die Jubiläumsausstellung „museum gugging.! 20 jahre kUNSt“ feiert genau dieses Selbstverständnis: Kunst, die aus eigener Kraft spricht, sichtbar ist und bereichert.
„museum gugging.! 20 jahre kUNSt“
15. März 2026-17. Jänner 2027
www.museumgugging.at