Moderiert wurde der Abend von Journalist Köksal Baltaci („Die Presse“). Im Mittelpunkt stand die Frage, wie regenerative Verfahren – etwa Stammzellen oder Exosomen – die Medizin nachhaltig verändern können.
Ein Paradigmenwechsel in der Medizin
Mit seinem neuen Zentrum verfolgt Weninger einen klaren Ansatz: weg vom Ersatz beschädigter Strukturen, hin zur Aktivierung körpereigener Heilungsmechanismen.
„Wir regenerieren anstatt zu ersetzen, wir reparieren anstatt wegzuschneiden“, erklärt der Facharzt für Orthopädie und Traumatologie. Ziel sei es, Strukturen zu erhalten, Funktionen wiederherzustellen und damit langfristig Lebensqualität zu sichern.
Regenerative Medizin könne weit über die klassische Orthopädie hinaus wirken. Neben Gelenken und Sehnen rücken auch systemische Prozesse wie Entzündungen oder Alterung stärker in den Fokus. „Wir sehen, dass regenerative Ansätze Heilungsverläufe beschleunigen und gesunde Lebensjahre verlängern können“, so Weninger.
Regeneration statt Operation
Wie sich diese Entwicklung konkret in der Praxis zeigt, erläuterte Physiotherapeut BSc Mateusz Bialik, der sich auf die Nachbehandlung nach Stammzellen- und Exosomentherapien spezialisiert hat.
Durch die Kombination aus regenerativen Verfahren und gezielter Rehabilitation könnten Operationen in vielen Fällen vermieden werden. „Wir schaffen ein biologisches Umfeld, in dem der Körper besser regenerieren kann“, erklärt Bialik.
Gerade bei Meniskusverletzungen, Sehnenproblemen oder Arthrose zeige sich, wie moderne Therapien und Physiotherapie ineinandergreifen. Reize führten dabei nicht mehr automatisch zu Schmerz, sondern könnten gezielt den Aufbau und die Stabilisierung von Gewebe fördern.
Neue Perspektiven für Frauengesundheit
Dass regenerative Medizin nicht nur für Sportverletzungen relevant ist, betonte Dr. Veronika Pelikan, Gründerin der Plattform wechselweise.net.
Sie sieht besonders im Zusammenhang mit den Wechseljahren großes Potenzial. „Die Wechseljahre sind eine komplexe Transformationsphase, die lange unterschätzt wurde“, sagt Pelikan. Ein zentrales Thema sei dabei die sogenannte „Silent Inflammation“, also unterschwellige Entzündungsprozesse, die Alterung und Beschwerden beschleunigen können.
Regenerative Ansätze könnten hier helfen, Zellfunktionen zu unterstützen und Entzündungsprozesse zu regulieren. „Wenn wir Anti-Inflammaging ernst nehmen, müssen wir hormonelle Gesundheit, Entzündungsregulation und regenerative Medizin zusammendenken“, so Pelikan.
Interdisziplinärer Blick auf die Medizin der Zukunft
Der Talk machte deutlich: Regenerative Medizin ist kein isoliertes Spezialgebiet. Vielmehr verbindet sie unterschiedliche Disziplinen – von Orthopädie und Physiotherapie über Frauengesundheit bis hin zur Präventionsmedizin.
Passend dazu arbeitet Weninger aktuell gemeinsam mit zehn führenden Ärztinnen und Ärzten an einem umfassenden Buchprojekt zur regenerativen Medizin, das Anfang 2027 erscheinen soll. Ziel ist es, wissenschaftliche Erkenntnisse, klinische Erfahrungen und praktische Ansätze interdisziplinär zusammenzuführen.
Mit dem neuen Regenerative Medicine Center in Wien entsteht damit bereits heute eine Plattform für Austausch zwischen Forschung, klinischer Anwendung und Prävention.
Oder, wie Weninger es zusammenfasst:
„Die Medizin der Zukunft wird nicht primär ersetzen, sondern regenerieren – und Lebensqualität nicht nur verlängern, sondern verbessern.“