Die Wiener Secession ist ein Haus mit einer bewegten Geschichte, die wir näher ­erzählen wollen.

Das „Krauthappel“

Das Ausstellungshaus in der Friedrichstraße 12 im ­1. Bezirk zählt weltweit zu den bekanntesten Jugendstilwerken, das sich ausschließlich der zeitgenössischen Kunst widmet. Mit seiner goldenen Kuppel zieht das Gebäude Besucher wie ein ­Magnet aus der Ferne an. Kein Wunder, denn das filigrane Lorbeer-Werk mit 2.500 ver­goldeten Blättern und über 300 Beeren hat aufgrund seiner vielfältigen Tonwerte und Lichtreflexe eine besonders lebendige Wirkung.

Es soll den Aufbruch, die künstlerische Freiheit und den „Heiligen Frühling“ (Ver Sacrum) der Kunst symboli­sieren. Fun-Fact: Die goldene Kuppel der Secession wird oft liebevoll als „goldenes ­Krauthappel“ ­bezeichnet.

Die Vereinigung

„Der Zeit ihre Kunst. Der Kunst ihre Freiheit“ ist das ­berühmte Motto der Secession, das prominent an der Fassade ihres Ausstellungshauses am Karlsplatz prangt. Doch was steckt genau hinter diesem Satz? Wunderwelten-Initiator Josef Taucher erzählt: „Die Vereinigung bildender Künstler ‚Wiener Secession‘ wurde 1897 von Gustav Klimt sowie anderen Künstlern als revolutionäre Bewegung des Jugendstils, die sich vom konservativen Künstlerhaus abspaltete, gegründet. Ziel der Bewegung war es, die moderne ‚freie‘ Kunst in Wien zu fördern. Aus diesem Drang heraus entstand auch das berühmte Motto der Secession ‚Der Zeit ihre Kunst. Der Kunst ihre Freiheit‘. Interessant ist auch die Wahl des ­Namens ‚Secession‘ – dieser stammt vom lateinischen Wort ‚secessio‘ und bedeutet ­Abspaltung.“

Die Dunkelheit

Aufgrund von Meinungsverschiedenheiten zerfiel die Vereinigung aber 1905. Es kam zu einer Abspaltung zwischen der „Klimt-Gruppe“ und dem „naturalistischen Flügel“, dem unter anderem der öster­reichische Maler und Bildhauer Josef ­Engelhart angehörte. 1938 markiert den dunkelsten Wendepunkt in der Geschichte des Hauses. Mit dem „Anschluss“ Österreichs an das nationalsozialistische Deutschland wurde die Vereinigung von den Machthabern gleich­geschaltet und am 18. Dezember mit dem Künstlerhaus ­fusioniert. Am 12. Mai 1939 ­erfolgte die Neubenennung als „Vereinigung bildender Künstler Wiens“, der bisherige Zusatz „Wiener Secession“ wurde ­gestrichen.

Der Wiederaufbau

Im Februar 1945 wurde das Gebäude im Zuge der schweren Luftangriffe auf Wien beschädigt und wenig später vor dem Einmarsch der Roten Armee von der deutschen Wehrmacht in Brand gesteckt. Erst drei Jahre nach Beendigung des Krieges konnte die vollständig zerstörte Secession unter der Führung ihres damaligen Präsidenten Josef Hoffman und unter Mitwirkung ihrer Mit­glieder wieder aufgebaut werden.

Josef Taucher: „Der Jugendstil begeistert bis heute und begleitet mich seit meiner frühen ­Jugend – ob in der Malerei, ­Architektur oder Bildhauerei. Die Wiener Secession ist eine ­Herzensempfehlung.“

Wunderwelten-Initiator Josef Taucher beim Besuch der Secession (Bild: Benedikt Gurtner).

Wunderwelten-Initiator Josef Taucher beim Besuch der Secession (Bild: Benedikt Gurtner).