Jean-Paul Vaugoin führt die traditionsreiche Silberschmiede „Jarosinski & Vaugoin“ seit 2003 in sechster Generation. Mit Leidenschaft, Innovationsgeist und Respekt vor dem Handwerk führt er sie in eine neue Zeit.

Als Jean-Paul Vaugoin im Jahr 2003 das traditionsreiche Familienunternehmen übernahm, war das nicht Teil seines ursprünglichen Lebensplans. „Börse statt Besteck“ schien damals reizvoller. „Es war wohl eine Mischung aus jugendlicher Naivität und einem tiefen Verantwortungsgefühl gegenüber unserer Geschichte und unseren Mitarbeitern“, erzählt er rückblickend. 2019 machte er die Meisterprüfung und ist heute auch gewerberechtlicher Geschäftsführer.

Mit Überzeugung

Er führt die Silberschmiede mit Überzeugung – und mit sichtbarem Erfolg. Seit 1847 steht der Name Vaugoin für feinste Silberschmiedekunst. Was mit der Belieferung des kaiserlichen Hofs begann, setzt sich heute in internationalen Projekten fort – darunter Kooperationen mit dem Kensington Palace, arabischen Königshäusern oder einem französischen Modehaus. Doch Jean-Paul Vaugoin betont: „Jeder Kunde ist gleich wichtig – ob Palastausstattung oder Silberputzmittel für 15 Euro.“

Mutige Partnerschaften

Der Spagat zwischen historischer Handwerkskunst und zeitgemäßer Gestaltung gelingt durch ein konsequentes Qualitätsbewusstsein, engen Kundenkontakt – und mutige Partnerschaften. Seit rund 15 Jahren arbeitet die Silberschmiede mit zeitgenössischen Künstlern zusammen. „Wir werden heute als schwungvoller Traditionsbetrieb wahrgenommen – genau das ist unser Ziel.“

Handwerk mit Anspruch

Als Vaugoin das Unternehmen übernahm, war nur ein einziger Mitarbeiter geblieben. Inzwischen hat er ein neues Team aufgebaut – teils mit zurückgekehrten Kolleginnen und Kollegen, teils mit neu ausgebildeten Kräften. „Ein situativer Führungsstil ist entscheidend“, erklärt er. Unterschiedliche Generationen erfordern unterschiedliche Ansätze. Die gemeinsame Basis bleibt: gegenseitiger Respekt und kompromisslose Qualität.

Historische Besteckmuster

Großes Kapital des Hauses sind über 200 historische Besteckmuster und eigens gefertigte Stahlstanzen. Sie ermöglichen individuelle Aufträge – ein klarer Vorteil gegenüber industriellen Anbietern. „Diese Formen sind unser wahrer Schatz“, betont Vaugoin. Gleichzeitig sieht sich der Betrieb mit den Herausforderungen unserer Zeit konfrontiert: Fachkräftemangel, hohe Kosten, veränderte Arbeitsmoral. Seine Antwort: Ausbildung im eigenen Haus, klare Erwartungen  – und eine Wertehaltung, die über das Monetäre hinausgeht.

Letzter Ausbildungsbetrieb

„Arbeit stiftet Sinn, Identität und Selbstwert!“ Deshalb ist Vaugoin heute der letzte Ausbildungsbetrieb für Silberschmiede im Land. Auch technologisch bleibt der Betrieb am Puls der Zeit. 3D-Scanning und -Printing kommen bereits zum Einsatz – immer dort, wo es das Handwerk unterstützt, nicht ersetzt. Der Kontakt zu jungen Designern bringt frischen Wind. Vaugoin folgt dabei einem einfachen Prinzip: Technologie als Werkzeug, nicht als Ersatz. In fünf bis zehn Jahren sieht er die Silberschmiede gut aufgestellt: als lebendiges Beispiel dafür, wie sich Tradition und Moderne verbinden lassen – ohne das eine dem anderen zu opfern. Mit Mut, Maß und viel Silberglanz.

Infos zum Traditionsgeschäft

Jarosinski & Vaugoin ist eine der traditionsreichsten Silberschmieden Europas. Das Familienunternehmen zählt zu den ältesten Manufakturen und steht bis heute für meisterhafte Handwerkskunst. Die Werkstatt ist eine der wenigen in Europa, die noch hochwertige Silberwaren in Handarbeit herstellt – für Königshäuser, Botschaften und exklusive Kunden weltweit. Jarosinski & Vaugoin ist zudem der letzte Ausbildungsbetrieb für die Silberschmiedekunst in Österreich. 7., Zieglergasse 24.Vaugoin

Autorin: Ursula Scheidl

Jarosinski & Vaugoin ist im 7. Bezirk in der Zieglergasse 24 ansässig (Bild: Dujmic).

Jarosinski & Vaugoin ist im 7. Bezirk in der Zieglergasse 24 ansässig (Bild: Dujmic).

Ob königliche Tafeln oder moderne Designkooperationen – Vaugoin-Silber findet seinen Platz in den feinsten Häusern der Welt (Bild: Dujmic).

Ob königliche Tafeln oder moderne Designkooperationen – Vaugoin-Silber findet seinen Platz in den feinsten Häusern der Welt (Bild: Dujmic).

Über 200 Besteckmuster und unzählige Stahlstanzen bilden den einzigartigen Formenschatz des Hauses – ein Erbe, das täglich lebt (Bild: Joham).

Über 200 Besteckmuster und unzählige Stahlstanzen bilden den einzigartigen Formenschatz des Hauses – ein Erbe, das täglich lebt (Bild: Joham).

Bild: Joham