Ferdinand Georg Waldmüller (1793–1865) zählt zu den zentralen Künstlern des österreichischen Biedermeier. In Nach der Natur gemalt folgt das Untere Belvedere dem Spuren seiner intensiven Auseinandersetzung mit der Natur – von Wienerwald und Prater über das Salzkammergut bis nach Italien – und beleuchtet, wie seine Werke in die breite europäische Landschaftsmalerei-Tradition eingebettet sind.

Ferdinand Georg Waldmüller, Der Dachstein vom Sophien-Doppelblick bei Ischl, 1835. © Foto: Johannes Stoll/Belvedere, Wien

Ferdinand Georg Waldmüller, Der Dachstein vom Sophien-Doppelblick bei Ischl, 1835. © Foto: Johannes Stoll/Belvedere, Wien

Sehnsuchtsort Landschaft: Waldmüllers Blick auf die Natur

Waldmüller verstand die Natur nicht als bloßen Hintergrund, sondern als eigenständiges Motiv. Wegweisend für sein Werk ist sein kompromissloser Blick auf die sichtbare Welt. Sein Realismus, der Lichtführung und Detailtreue miteinander verbindet, lässt die Landschaft geradezu atmen. Eine Haltung, die ihn zu einem Vorläufer der späteren malerischen Moderne macht.

In der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts strebten Maler in ganz Europa nach Wirklichkeitstreue und suchten in der heimischen Umgebung Inspiration. Waldmüller war Teil dieses Trends, in dem sich Kunst und das wachsende Bedürfnis, Natur unmittelbar zu erfahren, verbanden.

In der Ausstellung treffen seine intimen Baumporträts, weiten Waldlandschaften und ikonischen Ansichten des Salzkammerguts auf Werke europäischer Zeitgenossen wie John Constable, Jean-Baptiste Camille Corot oder Johan Christian Dahl. Durch diesen Dialog eröffnet sich für Besucher ein Panorama der europäischen Landschaftsmalerei jener Zeit und macht Waldmüllers Position darin eindrucksvoll erlebbar.

Ferdinand Georg Waldmüller, Berglandschaft mit der Ruine Liechtenstein bei Mödling, 1859. © Liechtenstein. The Princely Collections, Vaduz – Vienna

Ferdinand Georg Waldmüller, Berglandschaft mit der Ruine Liechtenstein bei Mödling, 1859. © Liechtenstein. The Princely Collections, Vaduz – Vienna

Zwischen Biedermeier und Moderne: Stil und Bedeutung

Waldmüllers Stil wurzelt im Biedermeier-Realismus, einer Kunstrichtung, die das Alltägliche und das unmittelbare Naturerlebnis in den Fokus stellte. Seine Werke zeigen, wie präzise er Lichtstimmungen und natürliche Farben erfasste. Seine Landschaften wirken nicht idealisiert, sondern sind unmittelbare Beobachtungen der Natur.

Diese Beobachtungsgabe prägte nicht nur seine Landschaften, sondern auch Porträts, Genrebilder und Stillleben. Europas aufkommende Landschaftstradition beeinflusste seinen Blick, doch Waldmüller entwickelte daraus eine unverwechselbare künstlerische Sprache. Minutiöse Detaildarstellung, Lichtstudien im Freien und das Zusammenspiel von Mensch und Natur machten ihn zu einem Wegbereiter realistischer Malereiformen.

Sein reformerischer Geist zeigte sich auch in seiner Zeit an der Wiener Akademie. Er forderte neue Lehransätze, die den direkten Kontakt mit der Natur stärker ins Zentrum rückten. Dies brachte ihm zeitweise Kritik und Widerstand ein, festigte aber seine Position in der Kunstgeschichte umso klarer.

Ferdinand Georg Waldmüller
Nach der Natur gemalt
27. Februar bis 14. Juni 2026
Mo.-So., 10-18 Uhr
Unteres Belvedere