Was heute für viele Wienerinnen und Wiener selbstverständlich ist, war einst ein politisch umkämpftes Großprojekt mit offenem Ausgang. Die Ausstellung „Die Donauinsel. 21 Kilometer Freiraum“ zeigt, wie aus einem technischen Hochwasserschutzbau einer der wichtigsten Freiräume der Stadt wurde. Und sie macht deutlich, warum diese Insel, die sich durch die Bezirke Floridsdorf und Donaustadt erstreckt, gerade heute eine wichtigere Rolle denn je spielt.

Das Überschwemmungsgebiet - hier vor der alten Reichsbrücke - war schon in früheren Zeiten ein Stück Erholung - wie man nicht nicht nur für Menschen ...Mario Wiberal „Freizeitvergnügen an der alten Reichsbrücke“. © Foto: Milaneum

Das Überschwemmungsgebiet war schon in früheren Zeiten beliebter Erholungsort. Wie man sieht, nicht nur für Menschen, auch den Kühen hat es gefallen: Mario Wiberal „Freizeitvergnügen an der alten Reichsbrücke“. © Foto: Milaneum

Vom Hochwasserschutz zum Freizeitparadies

Als 1969 der politische Startschuss für den Bau von Neuer Donau und Donauinsel fiel, dachte niemand an Sonnenuntergänge, Grillplätze oder Open-Air-Festivals. Ziel war es, Wien endgültig vor verheerenden Hochwässern zu schützen. Zwischen 1972 und 1988 entstand ein Bauwerk von beeindruckender Dimension: 21 Kilometer lang, bis zu 250 Meter breit. Dass sich hier Jahrzehnte später an Sommertagen mehr als 200.000 Menschen tummeln würden, war damals nicht absehbar. Die Ausstellung zeichnet diesen Wandel detailreich nach und macht sichtbar, wie sehr sich technische Infrastruktur und städtisches Leben gegenseitig beeinflussen.

Treffen, relaxen, die Abendbrise genießen - auf der Donauinsel. © Wien Museum/Klaus Pichler

Treffen, relaxen, die Abendbrise genießen – auf der Donauinsel. © Wien Museum/Klaus Pichler

Umkämpfter Raum mit vielen Visionen

Kaum ein Wiener Großprojekt war so umstritten wie die Donauinsel. Hochhäuser, ein Zentralbahnhof oder sogar ein Truppenübungsplatz standen zeitweise zur Debatte. Ebenso gab es Pläne für einen streng abgeschotteten Damm ohne Zugang zum Wasser. Erst durch das Engagement zahlreicher Akteurinnen und Akteure – und im Windschatten der aufkommenden Umweltbewegung der 1970er-Jahre – setzte sich die Idee eines naturnahen, frei zugänglichen Erholungsraums durch. Die Ausstellung macht diese Aushandlungsprozesse nachvollziehbar und zeigt, wie Stadtentwicklung auch als gesellschaftlicher Lernprozess funktioniert.

Die Donauinsel ist ein wichtiger Faktor für ögologisches Gleichgewicht und Abkühlung an heißen Tagen. Treffen, relaxen, die Abendbrise genießen - auf der Donauinsel. © Wien Museum/Klaus Pichler

Die Insel spielt eine wichtige Rolle für das ökologisches Gleichgewicht und willkommene Abkühlung an heißen Tagen in der Stadt. © Wien Museum/Klaus Pichler

Kühlendes Gebiet für eine heiße Stadt

Heute ist die Donauinsel Freizeitareal, ökologische Ausgleichsfläche, sozialer Treffpunkt und klimatische Entlastung in einer immer dichter und heißer werdenden Stadt. Das Wien Museum beleuchtet ihre Bedeutung für unterschiedliche Generationen und Lebensstile: vom stillen Naturerlebnis bis zum großen Event. Historische Fotos, Pläne und aktuelle Perspektiven verbinden Vergangenheit und Gegenwart zu einem vielschichtigen Stadtporträt. Ergänzt wird die Ausstellung durch ein Begleitbuch im Falter-Verlag, entstanden in Kooperation mit der Universität für Bodenkultur Wien.

Die Donauinsel. 21 Kilometer Freiraum.
26. März-30. August 2026
Wien Museum, 1040 Wien