Die Wiener ASKÖ-WAT-Generalsekretärin kritisiert die „völlig unlogische“ Handlungsweise von Sportminister Kogler – und lobt die Stadtregierung.

Frau Landsteiner, was sagen Sie Ihren Vereinen, die noch immer auf das versprochene Geld der Bundesregierung warten?
Dass ich auch nicht weiß, wann es tatsächlich kommt! Wir hörten und lasen in den Medien von 700 Millionen Euro, die sich der Sport mit der Kunst und sozialen Einrichtungen teilen muss. Aber wo bitte ist diese Hilfe? Wir hängen alle, um es in der Boxersprache zu formulieren, in den Seilen. Ich habe nur erfahren, dass die Richtlinien in Ausarbeitung wären.


Wer ist Schuld an dieser Misere? Sportminister Werner Kogler?
Sagen wir so: Ich halte diese Art von Politik für völlig unlogisch. Das funktioniert doch alles nur auf Zuruf: Wer am lautesten schreit, bekommt etwas – wie etwa der Tennissport.

Wissen Sie eigentlich genau, was man im Sport jetzt darf oder nicht?
Es ist wirklich nicht leicht, da durchzublicken: Manchmal bekommen wir Verordnungen knapp vor Mitternacht und müssen danach handeln.

Der Sport braucht ein vernünftiges Gesamt-Konzept!

Sonja Landsteiner

Das heißt also: Dem Sport steht das Wasser bis zum Hals! Eine zweite Corona- Welle würde er wohl nicht überstehen …
Genauso ist es! Und wir unternehmen auch alles, dass es nicht dazu kommt. Wir verstehen und akzeptieren die Schutzmaßnahmen und halten sie natürlich ein. Aber wir benötigen auch dringend die Unterstützung der öffentlichen Hand.

Die gibt es gar nicht?
Oh ja! Die Wiener Stadtregierung unter Bürgermeister Michael Ludwig hat dem Sport sehr geholfen: Dass zum Beispiel die Pachtgebühren reduziert und Mieten für Turnsäle zurückerstattet wurden, war für uns überlebensnotwendig.

Und jetzt heißt es: warten auf den Bund, oder?
Richtig! Aber diese Förderungen, sofern sie denn kommen, dürfen keinesfalls unter dem Motto „First come, first served“ stehen. Das befürchte ich nämlich. Der Sport braucht da ein vernünftiges Gesamt-Konzept!

Das Interview führte Robert Sommer