Neue, kostengünstige Modelle für mehr Verkehrsberuhigung in den Wohnvierteln und Schaffung neuer Aufenthaltsbereiche im Grätzl: Das sind die neuen „Low Traffic Grätzl“, die die Stadt Wien in Kooperation mit den Bezirken in den nächsten Jahren umsetzen wird. “Wir sind ja auch in anderen Städten unterwegs um uns gute Ideen zu klauen”, so Stadträtin Ulli Sima. Dieses Mal wurde man in London fündig. Dort bieten die sogenannten „Low Traffic Neighbourhoods“ seit vielen Jahren kostengünstige Maßnahmen für verkehrsberuhigte Wohngebiete mit eingeschränktem Durchgangsverkehr. Ein Konzept, dass ab jetzt auch in Wien realisiert wird.

“Gerade in Zeiten angespannter Budgets wollen wir nun gemeinsam mit den Bezirken kostengünstige, attraktive Modelle ohne große bauliche Maßnahmen umsetzen und einen Mehrwert für die Anrainer schaffen. Oft kann man mit einfachen Maßnahmen wie einer Umleitung des Verkehrs, Bodenbemalungen, mobilem Grün und Sitzbänken große Wirkung erzielen. Wir kombinieren Verkehrsberuhigung mit der Schaffung neuer Aufenthaltsbereiche im öffentlichen Raum “, skizziert Sima den Grundgedanken der kommenden “Low Traffic Grätzl”.

Wie funktioniert ein „Low Traffic Grätzl“?

Im Zentrum steht die Verkehrsberuhigung. Dazu werden Einbahnen umgedreht oder sogenannte Diagonalfilter errichtet. Das heißt, an Kreuzungen werden Pflanztröge zur Umleitung des Verkehrs aufgestellt. Autos können nicht mehr gerade durchs Grätzl durchfahren, sondern werden wieder auf Hauptstraßen am Rand des LTGs abgeleitet. Damit bleibt die Zufahrt für Lieferungen, Anrainer*innen, Einsatzfahrzeuge etc. bestehen, der Durchzugsverkehr wird unterbunden. Radfahren soll überall möglich sein.

Weniger Verkehr, mehr Platz für Menschen: So soll das Low Traffic Pilotgrätzl in Meidling ausschauen. @ ZOOM-VP

Weniger Verkehr, mehr Platz für Menschen: So soll das Low Traffic Pilotgrätzl in Meidling ausschauen. @ ZOOM-VP

Wo es möglich ist, können auch autofreie Bereiche und Fußgängerzonen entstehen. Der neugewonnene Platz im Straßenraum wird anderweitig genutzt – es entstehen neue Aufenthaltsbereiche. Hier wird mit schnell und einfach umzusetzenden Maßnahmen gearbeitet: Bodenbemalungen, mobile Bäume in Trögen und Sitzbänke attraktivieren die Wohngebiete. Dieser Planungsansatz nennt sich ‚Tactical Urbanism‘ – dabei werden Veränderungen im öffentlichen Raum rasch und kostengünstig umgesetzt.

Pioniergebiet in Meidling

Den Beginn der Low Traffic Grätzl in Wien macht ein Pioniergebiet im Bereich rund um die Wolfganggasse in Meidling, konkret liegt das Gebiet zwischen Längenfeldgasse – Steinbauergasse – Siebertgasse – Arndtstraße. Geplant sind eine Fußgänger-Zone in einem Teil der Wolfganggasse bei der Tichtelgasse und eine geänderte Verkehrsführung durch neue Einbahnregelungen sowie farbige Bodenmarkierungen. Mobile Begrünungs – und Sitzelemente sollen das Gebiet nachhaltig attraktiveren. Ganz im Sinne der Kreislaufwirtschaft kommen auch die bereits aus dem Supergrätzl Favoriten bekannten Diagonalfilter zum Einsatz: Ehemals auf der Donauinsel genutzte Beton-Mistkübel werden wiederverwendet und bepflanzt, sodass sie Verkehrsströme gezielt lenken. Gleichzeitig wird dadurch mehr Raum für Aufenthalt und Begegnung in Kreuzungsbereichen geschaffen. Die neue Verkehrsorganisation soll für weniger Lärm, bessere Luft und mehr Sicherheit sorgen und so auch mehr Platz zum Spazieren und für Aufenthalt bieten. Umgesetzt werden die Maßnahmen in Meidling ab Herbst bis Jahresende 2026.

„Verkehrsberuhigung und eine höhere Aufenthaltsqualität sind gerade in den dicht besiedelten Grätzln des Bezirks eine große Verbesserung für die Meidlingerinnen und Meidlinger“, freut sich der Meidlinger Bezirksvorsteher Wilfried Zankl. “Deshalb freut es mich, dass Meidling hier als Pilotgebiet voranschreiten kann. Vor allem für die Bewohner dieses Wohngebiets wird das Low Traffic Grätzl eine deutliche Verbesserung ihrer Lebensqualität mit sich bringen.”

Nächsten Low-Traffic-Standorte in der Pipeline

Für die weiteren Standorte in derzeit 3 Bezirken ist der Planungsprozess bereits angelaufen. Mariahilf, Alsergrund und Rudolfsheim-Fünfhaus sind als nächste Grätzl dran. „Wir sind beim Finetuning für unser Low Traffic Grätzl nördlich der Gumpendorfer Straße in der Nähe der Stadtteilschule Mittelgasse und der Volksschule Sonnenuhrgasse. Mit der geänderten Verkehrsführung wollen wir für die Bewohner Beruhigung und für die Schüler mehr Verkehrssicherheit bringen. Durch punktuelle, mobile Begrünung können wir den Erholungsraum rund um die zwei neuen Fußgängerzonen vergrößern. Das ist ein absoluter Mehrwert für die Anrainer“, sagt Julia Lessacher, Bezirksvorsteherin von Mariahilf.

„Der Alsergrund ist ein dicht verbauter Bezirk. Wir drehen seit einigen Jahren ganz intensiv an Schrauben, um die Aufenthaltsqualität in unseren Grätzl zu verbessern. Um unsere finanziellen Ressourcen zu schonen, werden wir um den neuen MedUni-Campus neben Baumpflanzungen mit mobilen, kostengünstigen Maßnahmen die Mariannengasse und ihre Umgebung zukunfts- und klimafit gestalten. Dass einfache Maßnahmen oftmals große Wirkung erzielen, zeigt auch unser Projekt in der Galileigasse, wo wir mit Tactical Urbanism eine Straße zum Leben erweckt haben“, erklärt Saya Ahmad, Bezirksvorsteherin am Alsergrund.

Auch im 15. Bezirk sind die Planungsarbeiten bereits weit fortgeschritten sagt Bezirksrat Andre Stolzlechner in Vertretung von BV Dietmar Baurecht,: „Durch veränderte Verkehrsführungen wollen wir eine weitere Beruhigung am Schwendermarkt für die Wohnbevölkerung umsetzen. Aber auch die Marktbetriebe und die Gäste dieses bunten und vielfältigen Treffpunkts werden diese Veränderung positiv und in der besseren Aufenthaltsqualität wahrnehmen. Eine verbesserte Verkehrssicherheit im umliegenden Gebiet ist Teil der Low-Traffic-Grätzl-Strategie in unserem Bezirk.“