Peter Rapp: „Stayin’ alive“ rührt die Herzen

Alles hängt irgendwie zusammen …“, erklärte einer und begründete: „Wenn ich mir am Hintern ein Haar zupfe, treten mir die Tränen in die Augen …“ Also zupfe ich mir ein Härchen von ­meinem Po.

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Amazon Prime hat die erste Bee Gees-Doku in Spielfilmlänge im Programm: „How can you mend a Broken Heart“. Autorisiert vom
letzten Bruder, der noch lebt, Barry. Maurice, Robin (Barrys Zwillingsbruder) und Andy (der jüngste) sind gestorben. Na gut, interessant, wo aber sind jetzt die ­Zusammenhänge?

Robins Duschunfall

Also erstens: Hätten sich die Bee Gees in den Siebzigern nicht getrennt, hätte ich vermutlich nie den Robin bei mir im TV-Studio zu Besuch gehabt. Er versuchte eine Solo-Karriere und hatte einen Hit in Europa, den er promotete (bewarb): „Saved by the Bell“. Um ein Haar wäre sein Auftritt schiefgegangen. Der Star duschte am Morgen in ­seinem Wiener Hotel, rutschte aus und versuchte, sich am Duschvorhang zu fangen. Dabei riss er die Stange aus der Halterung, die ihm auf den Kopf knallte. Glücklicher­weise wurde er nicht ohnmächtig und kam ziemlich pünktlich ins „Spotlight“-Studio.

Einige Zeit später (1976/77) kam die Popgruppe (dem Himmel sei Dank!) wieder zusammen. Sie hatten den Auftrag, die Musik für einen Tanzfilm („Saturday Night Fever“) zu schreiben und zu produzieren. Hauptdarsteller John Travolta wurde für einen „Oscar“ nominiert. Auf der Suche nach einem neuen Stil forcierten die Brüder den Falsett-Gesang (eine besondere Form der Benutzung der menschlichen Stimme) und schufen den immens ­erfolgreichen Disco-Sound. Was Besonderes war auch der Rhythmus, womit wir zu meiner Wiener Seele zurückkehren.

Sound rettet Leben

Die Produzenten wollten für „Night Fever“ eine ganz besondere Schlagzeug-Wirkung haben. Sie experimentierten mit einem „Loop“ (einer Schleife). Sieht im Film witzig aus, wenn das Tonband zu einer weiten Schleife gezogen wird und auf die Art immer wieder präzise mit dem gleichen Abstand und Klang durch den Aufnahmekopf läuft. Und jetzt der Zusammenhang: In einem Interview habe ich einen Erste-Hilfe-Trainer gesehen, der erklärte, was in ihm vor sich geht, wenn er durch gleichmäßiges Drücken bemüht ist, ein krankes Herz in Gang zu halten.

Er sagte tatsächlich, dass er im Kopf den Bee Gees-­Titel „Night Fever“ singt. Da geschieht zweierlei. Erstens: Der Rhythmus ist für das Herz optimal. Und zweitens: der Text „Stayin’ alive“ (am Leben bleiben) ist ja wohl mehr als passend. So hat diese erfolgreiche Popgruppe vielleicht viele Wiener ­Herzen gerettet.

Ich vermisse ihren Gesang sehr. Da sie Brüder waren, die seit ihrer Kindheit gemeinsam sangen, konnten sie zu dritt an einem Mikro­fon stehen und man glaubte (fast), nur eine Stimme in einem Dreiklang zu hören.

Lesen Sie im nächsten WBB wieder­ ­lustige ­„Seitenhiebe“ von ­Dieter Chmelar.