Was passiert, wenn Erinnerungen verschwimmen – und plötzlich mit voller Wucht zurückkehren? Genau hier setzt „TREIBGUT“ an. Die Choreografin und Performerin Nadja Puttner verbindet Tanz mit Sprechtheater und schafft einen Raum, in dem Geschichte nicht nur erzählt, sondern körperlich erfahrbar wird.

Im Zentrum stehen zwei Frauen, deren Leben über Generationen hinweg miteinander verbunden ist: Herta, geboren 1926 in Kärnten, und ihre Enkelin Moira. Hertas Jugend ist geprägt von Widerstand gegen das NS-Regime, von Angst, Mut und frühem Erwachsenwerden. Jahrzehnte später, im Alter, erkrankt sie an Alzheimer – und mit der Krankheit kehren verdrängte Erinnerungen zurück.

Zwei Leben, eine unsichtbare Verbindung

Während Hertas Vergangenheit immer präsenter wird, verliert sie den Bezug zur Gegenwart. Für ihre Enkelin Moira beginnt nach Hertas Tod eine intensive Spurensuche: nach der eigenen Herkunft, nach Identität – und nach Gefühlen, die sie selbst nie erlebt hat, die aber dennoch in ihr wirken.

Warum fühlt sich etwas so schwer an, das nicht die eigene Erfahrung ist? „TREIBGUT“ gibt darauf keine einfachen Antworten – stellt aber die richtigen Fragen.

Die Kraft der unausgesprochenen Geschichten

Im Stück wird deutlich: Traumata verschwinden nicht einfach. Sie werden weitergegeben – oft unbewusst, über Generationen hinweg. Genau diese sogenannten transgenerationalen Spuren macht „TREIBGUT“ sichtbar.

Dabei verzichtet die Inszenierung bewusst auf klassische Formen. Körper und Sprache stehen gleichberechtigt nebeneinander. Bewegung wird zur Erinnerung, Stille zur Aussage. Das Ergebnis ist roh, ehrlich und unmittelbar.

Mehr als Theater: Eine Einladung zur Auseinandersetzung

„TREIBGUT“ ist kein Abend zum Zurücklehnen. Es ist ein Stück, das nachwirkt – und dazu einlädt, sich mit der eigenen Geschichte auseinanderzusetzen. Mit dem, was erzählt wurde. Und mit dem, worüber geschwiegen wurde.

Denn eines macht die Inszenierung klar: Die Vergangenheit ist nicht vorbei. Sie lebt in uns weiter.

Begleitende Ausstellung im Bezirk

Parallel zur Aufführungsserie wird im DAS Margareten die Video-Ausstellung „Geschichtensammelstelle | 16 synoptische Kärntner Minidialoge“ gezeigt.

Das Projekt versammelt Gespräche mit Menschen unterschiedlicher Generationen und beleuchtet, wie eng persönliche Lebensgeschichten mit der Kärntner Zeitgeschichte verwoben sind. Besucherinnen und Besucher sind eingeladen, zuzuhören, Perspektiven auszuhalten und neue Blickwinkel zu entdecken.

TREIBGUT
📍 Margaretenstraße 166, 1050 Wien
📅 16. April bis 16. Mai 2026
(an Veranstaltungstagen und im Rahmen von Führungen)
🌐 dasmargareten.at

 

TREIBGUT

©Walter Pobaschnig