Über 5.000 Tschickstummel bei Spaziergang gesammelt

(C) Pixabay: Falsch entsorgten Zigaretten sagt die
(C) Pixabay: Falsch entsorgten Zigaretten sagt die "Vienna Tschick Challenge" den Kampf an.

Was als Corona-Alternativprogramm begann, hat sich mittlerweile institutionalisiert. Die „Vienna Tschick Challenge“ sammelt achtlos weggeworfene Tschickstummel ein und entsorgt diese sachgemäß. Die Bewegung möchte über die Gefahren auf Mensch, Tier und Umwelt des Zigarettenmülls aufmerksam machen.

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Vienna Tschick Challenge

Die „Vienna Tschick Challenge“ ist eine Initiative in Kooperation des Schulzentrums Herchenhahngasse. Die Initiative hat es sich zur Aufgabe gemacht, mehrmals wöchentlich Zigarettenstummel und mittlerweile auch anderen Müll zu sammeln und sachgemäß zu entsorgen. Allein bei einem einzigen eineinhalbstündigen Sammelausflug einer sechsköpfigen Klasse zum Bahnhof Leopoldau wurden 5047 Zigarettenstummel aufgelesen. Aber die Ziele der „Vienna Tschick Challenge“ sind größer: Was mit dem Vorschlag eines Schüllers, Müll sammeln zu gehen, begonnen hat, wurde zu einer Bewegung, die Aufklärungsarbeit leistet und auch laufend um Kooperationen bemüht ist, um weiter zu sensibilisieren, wie schädlich Zigarettenmüll für Mensch, Tier und Umwelt ist. Die Initiative dokumentiert ihre Arbeit auf Instagram.

Sondermüll

Falsch entsorgte Zigarettenfilter und Tabakreste sind für unsere Umwelt schädlich. Die EU stufti die „Tschickstummel“ sogar als hochgiftigen Sondermüll ein. Weltweit werden jährlich über 5,7 Billionen Zigaretten produziert, von denen der Großteil – Schätzungen sprechen von fast 4,5 Billionen – unsachgemäß in der Umwelt entsorgt werden.

Konservative Schätzungen gehen davon aus, dass auf diese Weise jährlich etwa 1.200.000 Tonnen Zigarettenstummel in der Umwelt entsorgt werden. Die WHO spricht sogar von 3.400.000 bis 6.800.000 Tonnen. Vor allem in Städten ist die Belastung durch Zigarettenstummel enorm.

Hoch-toxischer Abfall

(C) Unsplash

Nicht nur die schiere Menge an Abfall ist ein Problem. Untersuchungen gehen von etwa 4.000 bis 7.000 chemischen Inhaltstoffen in Zigarettenstummeln aus, die toxisch auf Gesundheit und Umwelt wirken. Mindestens 50 Stoffe davon sind für Menschen nachweislich karzinogen. Diese Stoffe werden durch Regen, Schneeschmelze oder bei Entsorgung in Gewässer freigesetzt.

Neben Schwermetallen und giftigen organischen Stoffen, spielt vor allem Nikotin eine große Rolle. Nikotin ist ein Nervengift, dass von Pflanzen als natürliches Pestizid produziert wird. Seit dem 15. Jahrhundert wurde es als Insektizid eingesetzt. Wegen seiner gefährlichen Toxizität für Wasserorganismen haben sich die USA, Kanada und Europa mittlerweile zwar darauf geeinigt, auf den Nikotineinsatz als Pestizid zu verzichten, dennoch wird es nach wie vor weltweit im Grund- und Trinkwasser und sogar in abgefülltem Mineralwasser nachgewiesen.

Oft werden dabei die als unbedenklich geltenden Konzentrationen weit überschritten. Ein einziger Zigarettenstummel in einem Liter Wasser reicht dabei aus, um 50 % der darin schwimmenden Fische zu töten. Muscheln, Schnecken und andere kleine Wasserlebewesen reagieren noch empfindlicher, sodass bereits ein einzelner Zigarettenstummel pro 1000 Liter ausreicht, um merklichen Schaden anzurichten.

Gefahr für Tiere

Tiere wie z.B. Vögel und Hunde können Zigarettenstummel mit Nahrung verwechseln und fressen, was zu Vergiftungen und Tod führen kann. Auch für Kleinkinder stellen unachtsam weggeworfene Zigaretten eine Gefahr da. Besonders gefährlich für Tiere und Kinder ist das in den Zigaretten enthaltene Nikotin, das beim Essen der Zigaretten zu Vergiftungen führen kann.

Doch auch das Mikroplastik, welches durch die Zigarettenstummel in die Umwelt gelangt, belastet die Tierwelt: Mikroplastik verursacht zum Beispiel das Sterben von großen Wasserflöhen und beeinträchtigt die Fortpflanzungsfähigkeit bei Mäusen.

Situation in Wien

(C) MA 48: Rund 21.600 Mistkübel mit Aschenbecher stehen in Wien.

In Wien existieren verschiedene öffentliche Lösungsansätze. Es werden laufend Plakat-Werbekampagnen gestartet, wie zuletzt die Sauberkeitskampagne 2021. Rund 21.600 Mülleimer mit Aschenrohren plus 2.100 freistehende Aschenbecher stehen in Wien für eine ordnungsmäßige Zigaretten-Entsorgung bereit. Außerdem sind die WasteWatcher dafür zuständig, das seit 2008 geltende Wiener Reinhaltegesetz, welches die Verunreinigung von öffentlichem Raum eindeutig verbietet, durchzusetzen. Hauptaugenmerk sind, neben Hundekot, Zigarettenstummel.

Rund 868 Millionen Zigaretten werden allein in Wien jährlich achtlos auf den Boden entsorgt. Nur 130.000.000 landen in den dafür vorgesehenen Mülleimern. Fazit: Kein Mülleimer hilft, wenn die Zigaretten darunter, statt darin landen.