Mit ihrer harmonischen Verbindung aus raumplanerischer Kühnheit, Wohnkultur und Tageslichtarchitektur zählt die Villa Beer zu den bedeutendsten Wohnbauten der zweiten Wiener Moderne. Nach einer denkmalgerechten Sanierung, getragen von der Villa Beer Foundation, kehrt das Haus nun aus seinem Dornröschenschlaf als offenes Haus mit kulturellen Angeboten, Führungen und Ausstellungsformaten zurück. Besucher sollen hier nicht nur betrachten, sondern erleben, fühlen und verstehen, wie Architektur als Lebensraum gedacht ist.

Konventionelle Geschossgrenzen werden aufgebrochen, Licht kann die Räume durchfluten - Eine Ansicht vor der Sanierung. © Villa Beer Foundation Stephan Huger

Konventionelle Geschossgrenzen werden aufgebrochen (vor der Sanierung). © Villa Beer Foundation Stephan Huger

Architektonisches Monument wird erlebbar

Das 1929/30 in der Wenzgasse 12 errichtete Gebäude gilt als Schlüsselwerk der „zweiten Welle“ der Wiener Moderne. Josef Frank und Oskar Wlach verwirklichten hier ein offenes Raumkonzept, das konventionelle Geschossgrenzen negiert und große Fensterflächen nutzt, um Innen- und Außenraum zu verschränken. Die Villa Beer spiegelt Franks humanistische Moderne – weg vom strengen Funktionalismus, hin zu Wohnlichkeit, Wärme und Lebensqualität – eindrucksvoll wider.

Nach Jahrzehnten des Leerstands hat das Haus 2021 die Villa Beer Foundation übernommen. Seit Frühjahr 2024 wurde es in enger Zusammenarbeit mit dem Bundesdenkmalamt umfassend restauriert. Die Fassade, Fenster und die Haustechnik erhielten moderne, nachhaltige Upgrades wie Photovoltaik und Erdwärme, ohne das historische Erscheinungsbild zu verlieren.

Viel Licht kann durch die Räume fluten (vor Sanierung). © Villa Beer Foundation/Stephan Huger

Viel Licht kann durch die Räume fluten (vor Sanierung). © Villa Beer Foundation/Stephan Huger

Vom Denkmal zum lebendigen Kulturort

Die Eröffnung beginnt am 8. März 2026 mit einem Open House, bei dem Gäste die Villa frei erkunden können. Ab dem 11. März startet das reguläre Programm mit Zeitfenster-Tickets und geführten Rundgängen durch Erdgeschoß, Zwischengeschoß und ersten Stock. Hier präsentiert sich das Gebäude so, wie es einst gedacht war: nicht als eingefrorenes Museum, sondern als Haus voller Geschichten und Ideen.

Neben der Architektur stehen die Biografien der Bauherrenfamilie Beer und des Architekten Frank im Fokus. Die Villa, einst Wohnort prominenter Mieter wie Marcel Prawy und Schauplatz einer lebendigen Kultur des Zwischenkriegs-Wiens, erzählt auch von einer bewegten Zeitgeschichte, in der moderne Entwürfe und gesellschaftliche Umbrüche untrennbar waren.

Auch bei der Errichtung im Jahr hatten Josef Frank und Oskar Wlach große Robinien vor dem Haus eingeplant. Sie sind jetzt zurückgekehrt. © Villa Beer Foundation/Stephan Huger

Bei der Errichtung hatten Josef Frank und Oskar Wlach große Robinien vor dem Haus eingeplant. Sie sind jetzt zurück. © Villa Beer Foundation/Stephan Huger

Raum, Garten, Programm: ein Haus voller Leben

Besucher erwartet nicht nur ein historischer Rundgang. Ein Archiv, kulturelle Veranstaltungen, wissenschaftliche Programme und ein Research/Artist-in-Residence-Programm machen die Villa zu einem lebendigen Treffpunkt. Die oberen Räume, teils mit original nach Entwürfen Franks gestalteten Möbeln und Stoffen eingerichtet, machen moderne Entwurfsprinzipien erfahrbar.

Besondere Aufmerksamkeit erhielt auch der Garten. Er wurde unter Einbezug historischer Pläne rekonstruiert und führt den offenen Charakter des Hauses in die Landschaft hinaus fort. Mit diesen räumlichen und programmatischen Erweiterungen nimmt die Villa Beer bewusst eine Brückenfunktion zwischen Vergangenheit und Gegenwart, zwischen Architekturgeschichte und lebendiger Praxis ein.

Tickets gibt es ab 1. Februar 2026 unter www.villabeer.wien