Die Villa im Wiener Nobelbezirk Hietzing, entworfen 1929/30 von Josef Frank gemeinsam mit seinem Partner Oskar Wlach für den jüdischen Fabrikanten Julius Beer, gilt als eine der bedeutendsten privaten Wohnbauten der Moderne. Jahrzehntelang stand das Haus leer – wie im Dornröschenschlaf. Nun wurde es wachgeküsst – und das ist auch der Titel der 50-minütigen Dokumentation, die von der Wiedererweckung eines architektonischen Meisterwerks, von akribischer Handwerkskunst und von der Leidenschaft eines Eigentümers, der einem außergewöhnlichen Haus seine Seele zurückgibt, erzählt.

Der Film begleitet die Restaurierung von den ersten Untersuchungen der Restauratoren bis zur Fertigstellung. Immer wieder kehrte das Filmteam zurück, oft kurzfristig auf Abruf, um entscheidende Momente festzuhalten. Die Reise führte zu Spezialisten in ganz Österreich – zum Schlosser nach Kärnten, zum Glasspezialisten nach Tirol und zum Holzexperten in die Steiermark. So entsteht ein vielschichtiges Porträt jener Handwerkskunst, die nötig ist, um ein Denkmal dieser Qualität zu bewahren.

Besitzer als Erzähler

Der heutige Besitzer der Villa führt als Erzähler durch den Film. In spontanen Gesprächen berichtet er offen über neue Erkenntnisse, Herausforderungen und Entscheidungen während der Restaurierung – und darüber, warum ihm jedes Detail wichtig ist. Seine Haltung zeigt sich exemplarisch in vielen kleinen Geschichten: So stellte sich während der Arbeiten heraus, dass ein Großteil des ursprünglichen Fensterglases noch vorhanden war. Statt modernes Isolierglas einzusetzen, wurden die historischen Scheiben sorgfältig restauriert und wieder eingebaut – eine Entscheidung, die sogar neue Lösungen für das Heizsystem erforderlich machte.

Neben der Restaurierung erzählt der Film auch von der Geschichte des Hauses, seinen Bewohnern und seinem architektonischen Konzept. Die Visionen von Josef Frank und Oskar Wlach werden ebenso beleuchtet wie die dramatischen historischen Umbrüche, die das Gebäude geprägt haben. Dennoch bleibt in Klingohrs Dokumentation stets eines im Mittelpunkt: das Haus selbst – als stiller Zeitzeuge und eigentlicher Hauptdarsteller.

„Wachgeküsst – Die Villa Beer“
Erstausstrahlung: 30. März um 23.15 Uhr im ORF 2 kulturMONTAG.