Er war eine Reporter-Legende

Trauer & Dankbarkeit: Abschied von Michael Kuhn

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Von der Redaktion empfohlen

Buch- und Wiener-Bezirksblatt-Autor Robert Sommer verneigt sich vor seinem väterlichen Freund und Lehrmeister.

Als das Handy in der Früh summte, schien die Welt noch in Ordnung zu sein. Aber plötzlich änderte sich alles. Ein gemeinsamer Freund überbrachte mit stockender Stimme die Nachricht, dass Michael Kuhn verstorben sei. Das Unvorstellbare ist geschehen: Der Mann, der mich seit fast einem halben Jahrhundert durch mein berufliches und privates Leben begleitet hatte, ist nicht mehr. Er schien immer da zu sein. Nicht wegzudenken. Aber Ewigkeit ist nur eine Hoffnung, keine reale Größe.

Mehr als ein Sportreporter

Michael Kuhn war mehr als ein Sportreporter. Er hat den Journalismus in dieser Sparte neu erfunden: mit Recherchen, Exklusivmeldungen, speziellen Interviews und Kommentaren, vor allem auch das „Stopplicht“ in der „Kronen Zeitung“. Mit menschlicher Nähe zu den Athletinnen und Athleten, zu den absoluten Stars wie den „Kaisern“ Franz Beckenbauer und Franz Klammer, Toni Sailer, Annemarie Moser-Pröll, Thomas Muster, Herbert Prohaska und Hans Krankl. Aber auch mit der notwendigen Distanz, um neutral interessante Geschichten verfassen zu können.

Krone-Chef & ORF-Moderator

Er, der legendäre Michael Kuhn, Sportchef der größten Zeitung des Landes sowie ORF-Berichterstatter von unzähligen Olympischen Spielen und Fußball-Weltmeisterschaften, ließ mich von 1980 an in diese geheimnisvolle Welt eintauchen. Zuvor hatte er den auch für ihn völlig unbekannten Maturanten aus der Leopoldstadt bei einem Journalisten-Wettbewerb zum Gewinner erkoren. Dann lehrte er mich alles. Ohne ihn wäre ich nichts gewesen in diesem Beruf.

Nie ein böses Wort

Er konnte so viel – nur nicht schlecht über andere reden. Was in diesem Gewerbe, das man oft mit einer Schlangengrube vergleicht, eine echte Seltenheit ist. Seinen Biss zeigte er vielmehr beim kritischen Schreiben. Dass ich sein Nach-Nachfolger beim „Stopplicht“ und somit auch als Sportchef der „Kronen Zeitung“ wurde, ist für mich bis heute noch eine fast unbegreifbare Ehre.

Himmlische Zeitung

Der Michl, wie wir ihn alle nannten, ist jetzt mit den viel zu früh verstorbenen Christoph Wikus und Peter Frauneder, die ebenfalls dieses Ressort geleitet haben, vereint. Sie können eine himmlische Zeitung planen, jenseits aller digitalen Zwänge, die besagen, jedes Gerücht, wäre es auch noch so absurd, müsse zuerst einmal online veröffentlicht werden.

Servus, mein väterlicher Freund

Kuhn verließ diese Welt im 89. Lebensjahr, er hinterlässt seine Frau Helga, eine bekannte Astrologin, und Tochter Bina aus erster Ehe. Aber nicht nur sie verbleiben als Zeugen seines einzigartigen Vermächtnisses: Der österreichische Sport und der gesamte Journalismus – er war ja am Ende seiner Karriere auch „Krone“-Chefredakteur – verneigt sich vor einem der Größten, die es in dieser Branche je gegeben hat.

Und für mich bleibt zum Abschied nur zu sagen: Servus, mein väterlicher, gütiger und hilfsbereiter Freund! Und plane mir, bitte, dort wo du jetzt bist, eine große Geschichte ein. Am besten einen Aufmacher. Ich muss noch ein bisschen im Diesseits recherchieren …

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