Hitzewellen werden für den Tourismus der Stadt zur Kostenfalle. Hotels müssen Millionen in Klimaanlagen investieren, Wirte verzeichnen weniger Umsatz – und Touristen könnten künftig lieber in den Norden reisen.
Der Rekordsommer hat Wiens Touristiker ordentlich ins Schwitzen gebracht – und das nicht nur sprichwörtlich. Steigende Temperaturen werden zunehmend zum Problem für Hotels, Gastronomie und Freizeitbetriebe. Denn während Klimaanlagen auf Hochtouren laufen, bleiben bei großer Hitze manche Gäste lieber gleich weg.
Klimaanlagen sind ein Muss!
„Nicht-klimatisierte Zimmer kann man in einem Sommer wie heuer nicht verkaufen“, sagt Felix Neutatz, Obmann der Wiener Hotellerie. Viele Anlagen seien für Temperaturen von 35 Grad und mehr zu schwach. Die Folge: Hotels müssen nachrüsten. Die Kosten können schnell mehrere Hunderttausend Euro erreichen, bei großen Häusern sogar mehr als eine Million. Gleichzeitig steigt der Stromverbrauch – denn die Zimmer müssen bereits vor der Ankunft der Gäste heruntergekühlt werden.
Keine Ausgeh-Lust mehr
Auch die Wirte spüren die Hitze. „Ab 30 Grad kühlt sich die Laune auszugehen ab“, sagt Gastro-Obmann Thomas Peschta. Viele Gäste kommen später am Abend, wenn es kühler wird – andere bleiben gleich zu Hause. Der einstige Umsatzbringer Schanigarten wird bei extremer Hitze damit plötzlich zum Problem.
Trend gegen Städtereisen
Und auch beim Reiseziel könnte sich etwas ändern. Reisebüro-Obmann Gregor Kadanka warnt: Städtereisen werden ab 30 Grad mühsam. Gäste könnten ihre Wien-Trips künftig häufiger ins Frühjahr oder in den Herbst verlegen – oder gleich nach Norden ausweichen. Stockholm, Kopenhagen und Helsinki könnten damit zu den Gewinnern der Hitze werden.
Katakomben oder Freibäder
Ganz leer bleiben Wiens Attraktionen allerdings nicht: Alles, was Abkühlung verspricht, boomt. Museen, Freibäder, Katakomben und andere kühle Sehenswürdigkeiten profitieren. Die Tourismusbranche fordert nun Investitionshilfen, schnellere Genehmigungen für Klimaanlagen und Photovoltaik – und neue Events, um Wien auch bei zunehmender Hitze attraktiv zu halten.

