Grillen vereint an lauen Frühlingstagen die Menschheit. Würde man an einem einzigen Sonnentag alle kleinen Grillgemeinschaften dieser Welt zusammenfassen, käme in Summe ein bedeutender Beitrag für den Weltfrieden heraus. Die Nahrungszubereitung bei offenem Feuer führt seit jeher Kulturen, Religionen und sogar so extrem unterschiedliche Wesen wie Männer und Frauen zusammen.
Es gibt beim Grillen keine Hierarchien außer dieser: Derjenige, der grillt, ist Gott. Es gibt beim Grillen keine Regeln, außer dieser: Gott hat recht. Nie ist das Verhältnis der Geschlechter so klar wie beim Grillen. Die Frauen scharen sich in der Küche um die Marinaden, schleppen das Grillgut zu den Feuerstellen und verhalten sich ansonsten unauffällig. Die Männer, seit Urzeiten mit dem Grill-Gen infiziert, betätigen sich virtuos an glühenden Kohlen und geben untereinander knappe Kommentare ab: „Ist es durch?“ – „Fast. Noch vierzig Sekunden bis zum Punkt.“
Erlaubt ist beim Grillen alles bis auf eines: den Grill-Gott zu kritisieren. Weder behutsame Kritik („Die Spareribs sind roh, aber seit meiner Tollwut-Diagnose bin ich süchtig nach rohem Fleisch!“) noch sachlich fundierte Kritik („Die Bratwurst riecht verbrannt, das soll aber sehr gesund sein!“) ist zulässig.
Da bald wieder ideales Grillwetter ist, schlage ich vor, dass die UNO das Motto „Grillen für den Weltfrieden“ ausgibt. Hält vielleicht so manche sanfte Hand davon ab, dem eigenen Grill-Gott mit dem Gurkenhobel eines überzuziehen und ihn hernach im Kugelgriller saftig anzubraten.

