Dramatische Folgen

Natur-Alarm: Untere Lobau verliert zu viel Wasser

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In der Unteren Lobau wird das Wasser knapp – mit dramatischen Folgen für Tiere und Pflanzen. Ein aktueller WWF-Check zeigt, wie sehr die anhaltende Trockenheit bereits geschützte Arten unter Druck setzt.

Es ist still geworden in manchen Gewässern der Unteren Lobau.

Wo einst Wasserflächen lagen, bleiben seichte Tümpel zurück. Das Wasser wird wärmer, der Sauerstoff knapp. Für manche Bewohner der Au, in der östlichen Donaustadt und der Grenze zu Niederösterreich, beginnt damit ein Wettlauf ums Überleben.

Welche Tiere leiden

Der Bitterling, der Donau-Kammmolch, die Europäische Sumpfschildkröte und seltene Flussmuscheln gehören zu jenen Arten, die besonders unter dem Wassermangel leiden. Der WWF warnt: Hält die Entwicklung an und folgen weitere extreme Dürresommer, könnten lokale Vorkommen einzelner Arten verloren gehen.

„Besonders hart trifft es Arten, die dauerhaft auf intakte Augewässer angewiesen sind. Laichgewässer trocknen aus, Restgewässer werden zu warm und sauerstoffarm“, sagt WWF-Experte Michael Stelzhammer.

Unter der intakten Lobau-Oberfläche schaut es weniger rosig aus (Bild: Aleksander Koren).

Kampf unter der Wasseroberfläche

Die Gefahr ist nicht immer auf den ersten Blick zu erkennen.

Sinkt der Wasserstand, heizen sich kleine und flache Gewässer bei sommerlicher Hitze besonders schnell auf. Gleichzeitig nimmt der Sauerstoffgehalt ab. Für Fische wie Bitterling oder Schied kann diese Kombination lebensbedrohlich werden.

Für Amphibien geht es um noch mehr: um ihre Kinderstuben.

Rotbauchunke und Donau-Kammmolch brauchen für ihre Fortpflanzung geeignete, möglichst fischfreie Kleingewässer. Verschwinden diese Gewässer oder trocknen sie zu früh aus, fehlt den Tieren ein entscheidender Ort für die nächste Generation.

Sumpfschildkröte hat “Durst”

Wer an eine Schildkröte denkt, denkt vielleicht an ein Tier, das sich irgendwo an Land sonnt. Die Europäische Sumpfschildkröte ist jedoch eng an Wasserlebensräume gebunden. Einen großen Teil ihres Lebens verbringt sie im Wasser und benötigt intakte Au-Gewässer unter anderem für Paarung und Fortpflanzung.

Noch stärker an das nasse Element gebunden ist die extrem seltene Würfelnatter. Sie ist eine hervorragende Schwimmerin und Taucherin und lebt eng am und im Wasser.

Wenn die Gewässer verschwinden, schrumpft auch ihr Lebensraum.

Alte Filteranlagen der Lobau

Besonders dramatisch ist die Situation für die Flussmuscheln. Einige dieser Tiere können viele Jahrzehnte alt werden. Sie haben damit schon zahlreiche schwierige Zeiten überstanden. Doch wiederholtes Austrocknen ihrer Lebensräume bringt selbst langlebige Muschelarten an ihre Grenzen.

Dabei erfüllen sie eine bemerkenswerte Funktion: Flussmuscheln filtern große Mengen Wasser und tragen damit zur Reinigung ihrer Gewässer bei.

Verschwindet die Muschel, geht also nicht nur ein Tier verloren. Es verschwindet auch ein kleiner, aber wichtiger Bestandteil des Ökosystems.

Bedrohlich für Pflanzen

Auch unter den Pflanzen gibt es Verlierer der Trockenheit. Krebsschere, Froschbiss und Sumpf-Stendelwurz sind auf dauerhaft wasserführende Gewässer oder feuchte, wasserdurchzogene Böden angewiesen. Werden die Lebensräume trockener, geraten auch diese spezialisierten Arten unter Druck.

Die Lobau zeigt damit ein Problem, das weit über sinkende Wasserstände hinausgeht: Ein ganzes Netzwerk aus Tieren, Pflanzen und Lebensräumen gerät aus dem Gleichgewicht.

Der Sump-Ständelwurz ist auf feuchte Böden angewiesen (Bild: Egger).

Wasser aus der Oberen Lobau?

Der WWF fordert deshalb rasches Handeln. Als Sofortmaßnahme soll die Stadt gezielt Wasser aus der Oberen in die Untere Lobau leiten. Zusätzlich verlangt die Umweltorganisation ein systematisches Arten-Monitoring.

Dabei soll regelmäßig erfasst werden, wie es den besonders gefährdeten Arten und ihren Lebensräumen geht. Veränderungen könnten so früher erkannt und Schutzmaßnahmen auf ihre Wirksamkeit überprüft werden.

Noch nicht zu spät

Die vielleicht wichtigste Frage lautet deshalb nicht nur: Wie trocken ist die Lobau heute? Sondern: Wie viel Trockenheit kann dieses Ökosystem noch verkraften?

Ein einzelner trockener Sommer muss noch nicht das Ende einer Art bedeuten. Doch wenn extreme Dürreperioden häufiger werden und Gewässer immer wieder austrocknen, können selbst widerstandsfähige Arten an ihre Grenzen kommen.

In der Unteren Lobau entscheidet sich damit auch eine Zukunftsfrage: Ob seltene Tiere und Pflanzen hier weiterhin einen Rückzugsraum finden – oder ob manche von ihnen irgendwann nur noch aus alten Aufzeichnungen bekannt sein werden.

Die Lobau ist auch der Lebensraum des Graureihers (Bild: Marko-Lorenzo_Blaslov).
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