Rot-Weiß-Rot entstand aus einem blutgetränkten Hemd, Österreich blickt auf eine mehr als tausendjährige Geschichte zurück und Hans Krankl formte in Córdoba eine ganze Nation: Viele Erzählungen über unser Land sind fest im kollektiven Gedächtnis verankert. Doch wie viel Wahrheit steckt tatsächlich dahinter?
Dieser Frage geht Fritz Dittlbacher in seinem Buch „Österreich geschwindelt“ nach. Ab 9. September im Buchhandel erhältlich.
Die Geburtsstunde eines Mythos
Bereits die berühmte Ostarrichi-Urkunde aus dem Jahr 996 bietet reichlich Stoff für historische Legenden. Sie gilt heute als eine Art „Taufurkunde Österreichs“. Doch selbst die Habsburger betrachteten das Dokument mit einer gewissen Skepsis. Der Begriff „Ostarrichi“ setzte sich in offiziellen Quellen lange nicht durch. Stattdessen war vom „plaga orientalis“, dem östlichen Land, die Rede.
Zur symbolischen Geburtsurkunde Österreichs wurde das Dokument erst 1946. Nach dem Zweiten Weltkrieg war das Bedürfnis nach einer neuen österreichischen Identität besonders groß – und die Urkunde lieferte einen willkommenen Anlass zum Feiern. Der Ostarrichi-Mythos war geboren.
Zwischen Fakten und Gefühl
Dittlbacher zeigt, dass viele bekannte Erzählungen nicht vollkommen falsch sind. Häufig wurden sie jedoch ausgeschmückt, freundlich ausgelegt oder nur unvollständig weitererzählt. Geschichte wird damit auch zu einer Frage des Selbstbildes: Manche Geschichten glauben wir besonders gerne, weil sie gut zu unserem Verständnis von Österreich passen.
Der Streifzug reicht von Ostarrichi und den Habsburgern über die Erste und Zweite Republik bis hin zum Fußballwunder von Córdoba und dem EU-Beitritt. Dabei begegnen die Leser erfundenen Hieroglyphen, neu erbauten Ruinen, geschwindelten Burgen und einer „schrecklich glamourösen“ Herrscherfamilie.
Geschichte mit Augenzwinkern
„Österreich geschwindelt“ will Geschichte nicht umschreiben, sondern bekannte Erzählungen um neue und oftmals überraschende Perspektiven ergänzen. Fundiert, pointiert und ohne akademischen Zeigefinger lädt Dittlbacher dazu ein, lieb gewonnene Gewissheiten kritisch zu überprüfen.
Gerade in einer Zeit, in der Fakten, Interpretationen und „gefühlte Wahrheiten“ häufig miteinander verschwimmen, ist diese Auseinandersetzung aktueller denn je. Denn geschwindelt wird in Österreich gerne – und meistens fühlt es sich dabei nur wie eine lässliche Sünde an.
Mehr Infos unter ueberreuter.at/shop/oesterreich-geschwindelt.


