Am 21. Juli 1996, also vor 30 Jahren, ist Ludwig Weingartner, später Ludwig Waluliso, von uns gegangen. Waluliso war ein Umwelt- und Friedensaktivist und ein Wiener „Original“, das in den späten 1970er und den 1980er Jahren überall anzutreffen war. Wer ihm einmal begegnete, hat diesen Mann nicht mehr vergessen.
Waluliso war überall zugegen, wo sich viele Menschen in der Stadt aufgehalten haben, seien es Stephansplatz und Graben gewesen oder der Naschmarkt, auch am Rande von Veranstaltungen und Demonstrationen wie in der Lobau.
Er sprach zu Demonstranten
Einen besonderen Auftritt hatte der stets mit Ölzweigkranz und weißer Toga sowie mit einem Hirtenstab und einem Apfel in der Hand auftretende „Wickerl“ bei der großen Friedensdemonstration im Oktober 1983 am Rathausplatz, wo er von der Spitze einer Lautsprecherbox zu den zehntausenden Demonstraten sprach.

Aus ärmlichen Verhältnissen
Waluliso war als Ludwig Weinberger im Jahr 1914 in Ottakring zur Welt gekommen, verbrachte einige Jahre in Kinderheimen und lernte das Buchbinderhandwerk. Später wurde er selbständiger Handelsvertreter. Danach war er Schildermaler; bevor er die Pension antrat.
Der Umweltaktivist
Sein Engagement für Umwelt und Frieden begann in den 1970er Jahren, als er sich als Kunstfigur „Waluliso“ benannte, hergeleitet von Wasser, Luft, Licht, Sonne. Er setzte sich für eine nicht-kommerzielle Donauinsel samt entsprechender Hygiene- und Trinkwasser-Infrastruktur ein sowie für FKK-Flächen – er selbst war begeisterter FKK-Anhänger. Heute noch erinnert der Waluliso-Steg an der unteren Neuen Donau an ihn.
Der Friedensaktivist
Sein Friedensengagement trat ab 1981 nach dem sogenannten „Nachrüstungsbeschluss“ der NATO gegen den Ostblock in den Mittelpunkt. Ziel war es, den massiven Ausbau von US-Raketen in Europa zu verhindern.
Das Promi-Anhängsel
Typisch für Walulisos Aktivismus war auch, dass er stets die Nähe zu damals prominenten politischen Persönlichkeiten suchte. So schüttelte er etwa dem damaligen PLO-Chef Yassir Arafat die Hand, ebenso dem sowjetischen Außenminister Schewardnadse. Auch der damalige britische Prinz Charles war von einer Begegnung mit Waluliso beeindruckt.
Markige Sprüche
Waluliso war auch für seine markigen Sprüche bekannt. Ein Journalist, der zuvor ein Interview mit ihm gemacht hatte, berichtete von folgender Szene: er lag in der Lobau im FKK-Bereich in der Sonne, da kam Waluliso vorbei. Man begrüßte einander, dann sagte Waluliso: „Gö, auch der Arsch braucht Sonne!“
Heute noch zu hören
Wer sich an seine Stimme erinnern möchte, kann Waluliso auch heute noch hören. Auf einem 1982 erschienenen Album der damaligen Kult-Band „Blümchen Blau“ gibt der Aktivist im Song „Wir bauen ein Haus“ seine „Waluliso Friedenskunde aus Walulisos Munde: Es lebe der Frieden, es sterbe der Krieg!“
Waluliso liegt am Zentralfriedhof begraben. Das Grabmal wurde von ihm selbst gestaltet.

