Liesing: Eine Waldpflege mit drei Pferdestärken

Forstdirektor Andreas Januskovecz, Revierleiter Leopold Fidler und BV Gerald Bischof © Berger

Was vor 6 Jahren als Pilotprojekt begann, hat sich zu einer wahren Erfolgsgeschichte entwickelt. Der “Holzrücken” im Mauer Wald. Mit dem Einsatz echter Pferdestärken wird dieser überaus ökologisch bewirtschaftet.

Seit einigen Tagen sind Hannes, Nero, Tamilo und Olli im Maurer Wald im 23. Bezirk unterwegs – Hannes auf zwei Beinen, die beiden drei auf vier Hufen. Sie sind am „Holzrücken“: Ihr Job ist, den Wald gesund zu halten – und gefällte Bäume zu entfernen, vom Dickicht auf die Forststraße zu ziehen. Dieses jahrhundertealte Mensch-Tier-Gespann scheint in Konkurrenz zu Hi-Tech-Traktoren aus der Zeit gefallen – dabei gibt es nichts moderneres, als eine umweltbewusste Forstwirtschaft.

“Es gibt gleich zwei gute Gründe für diese Art der Waldbewirtschaftung. Zum einen ist sie überaus ökologisch. Schäden an Bäumen und dem Nach-Wuchs. der den Wald verjüngt, werden so vermieden. Und zum anderen sind wir in einem Naherholungsgebiet, dass immer mehr Menschen gerne aufsuchen. Da ist es doch netter die sympathischen Herren mit ihren Pferden zu sehen, als stinkende Traktoren.”, so Forstdirektor Andreas Januskovecz.

Auch Bezirksvorsteher Gerald Bischof ist davon sehr angetan: “Ich freue mich darüber, dass die tierischen Stadt-Wien-Mitarbeiter bei uns im Maurer Wald tätig sind. Durch diese Art der Holzbringung wird auch die Bedeutung des Biosphärenparks Wienerwald betont”, so Bezirksvorsteher Gerald Bischof.

Kameraden bei der Arbeit

Auch wenn der Traktor mehr Nutzlast schafft und pro Tag wahrscheinlich auf mehr Kilometer kommt: Um den Wald des 21. Jahrhunderts gesund, licht und möglichst unberührt zu halten, braucht es auch die tradierte Technologie des vergangenen Jahrtausends: Deshalb setzt die Stadt auf ihre „Holzrücker-Pferde“, die vor Frühlingsbeginn im Wald unterwegs sind.

Andreas Januskovecz, Gerald Bischof, Hannes StippichLeopold Fidler und Domenik (v.l.) mit ihren tierischen Kollegen © Berger

Hannes Stippich übt seit mehr als 20 Jahren Jahren das Gewerbe des Holzrückens aus und ist jetzt für die MA 49 – Forst- und Landwirtschaftsbetrieb tätig – und das mit mit einer besonderen Einstellung: “Meine Pferderl sind keine Betriebsmittel, es sind Kameraden. Und mit Kameraden arbeitet es sich einfach besser”, so der erfahrene Holzrücker.

Die Arbeit mit den Norikern ist aber nicht ganz ungefährlich: “Schließlich bewegen wir große Massen. So ein Eichenstamm kann schon einmal bis zu 900 Kilogramm wiegen. Da gilt es je nach Situation die Pferde von vorne zu leiten oder von hinten zu führen. Aber wir sind stolz darauf, dass es in den 6 Jahren zu keinem einzigen schweren Unfall gekommen ist.”

Die Pferde selbst haben sehr geregelte Arbeitszeiten. Um 7 Uhr wird angeschirrt und um 15 Uhr ist Schluss. Zwischendurch gibt es natürlich großzügig bemessene Pausen und auch bei der Arbeit wird sich abgewechselt. “Wir schauen sehr darauf, dass es unseren Pferde gut geht.”, so Stippich. Das ist aber auch kein Wunder – schließlich braucht es bis zu drei Jahren um einen der Noriker für diese spezielle Aufgabe auszubilden. “Und es gibt auch nicht mehr viele dieser edlen Rösser in Österreich”.

Forstarbeiter Domenik liebt die Arbeit mit den Pferden @ Berger

Begeistert von der Arbeit ist auch Forstmitarbeiter Domenik. Er arbeitet seit 12 Jahren für die Stadt im Wald. Vor zwei Jahren hat er sich entschlossen sich auf die Arbeit mit den tierischen Kollegen zu spezialisieren und “Es gibt nicht Schöneres” wie er sagt.