Dieter Chmelar über … seine subjektive Sicht auf die Fußball-WM: herrlich, hinreißend, hochklassig. Riesenrespekt vor den Glanztaten der Größten, auch vor dem achtbaren Auftritt Österreichs. Ein klitzekleines „Aber“: Der Erfolgsdruck im Genick lässt dem Schalk im Nacken weder Zeit noch Raum. Schade.
Grätscht ein Spieler beinhart rein oder knallt die Kugel staubtrocken in die Maschen, dann gilt das in der Sprache der Kommentatoren gern als „humorlos“. Der Ball rennt, der Schmäh kaum noch. Auf dem Rasen verständlich – nicht zuletzt seit der neuen Regel, dass man bei Hand-vor-den-Mund-Halten in der Hitze des Wortgefechts vom Platz fliegt.
Es beschleichen mich nostalgische Gefühle, als es erfrischende Dialoge wie jenen zwischen dem legendären deutschen Referee Ahlenfelder und Starkicker Breitner gab. Breitner, nach einem ungeahndeten Foul an ihm: „Ahlenfelder! Du pfeifst wie ’n Arsch!“ – Ahlenfelder, nicht faul: „Du spielst ja auch wie ’n Arsch, Paule!“
Oder die formvollendete Verabschiedung Polsters vom Schiri, nachdem der dem damaligen Kölner Knipser Rot gezeigt hatte. Toni mit höflich angedeutetem altösterreichischen Bückling: „Handkuss an die Frau Gemahlin!“
Nicht zu vergessen: Der trickreiche deutsche Publikumsliebling Lippens, wegen seines Laufstils mit dem Spitznamen „Ente“ geadelt. Der Unparteiische wies ihn einst grammatikalisch gewagt zurecht: „Ich verwarne Ihnen!“ – Darauf Lippens: „Ich danke Sie.“ Prompt „watschelte“ er vorzeitig in die Kabine.
UNFREIWILLIG LUSTIG
Wo gibt’s heute noch was zum Schmunzeln oder gar zum befreienden Lachen? Am ehesten abseits des Rasens, etwa, wenn man die unfreiwilligen Stilblüten der Kicker, Reporter und Experten zerpflückt.
Helge Payer vermutete angesichts einer drohenden Niederlage Englands: „Bei den Boulevardzeitungen spitzen sie schon die Kugelschreiber.“ Da bleibt einem glatt der Bleistift im Halse stecken …
Es erinnerte mich sofort an Edi Finger juniors kulinarisch befremdliche Einschätzung eines österreichischen Länderspielgegners: „Die Moldawier sind auch nicht das Grüne vom Ei.“
Auf orf.at erfuhr man geradezu Anzügliches über das Glück eines Tormanns, als „ein Schuss von seiner Latte abprallte“.
Marcel Reif, ein großer Geist unter den Kommentatoren, fand bei einer ähnlichen Situation tröstliche Worte des männlichen Mitgefühls: „Es gibt ja ein paar Körperteile, die möchte man noch einmal verwenden.“
Historische Fußnoten bundesdeutscher Zunge gefällig? Bitte sehr: „Es war so leise im Stadion, dass man die berühmte Stecknadel im Heu suchen konnte“, und von Reporter zu Trainer kurz vor Anpfiff: „Ich drücke Ihnen alles Gute!“
Nach einer siegreichen Schlacht sagte ein Topstar (angeblich Mario Basler): „Ich grüße meine Mama, meinen Papa und ganz besonders meine Eltern.“
SELBSTIRONISCH GENIAL
Nicht von schlechten Eltern dagegen die rührende Rückblende Herbert Prohaskas auf seine Kindheit in bescheidensten Verhältnissen: „Bis zu meinem 12. Lebensjahr habe ich zwischen meiner Mutter und meinem Vater im Bett geschlafen. Das ist wahrscheinlich auch der Grund, warum ich keine Geschwister habe.“
Die wesentlichste Würze des Humors ist und bleibt die Selbstironie. Der deutsche Ex-Bundestrainer Berti Vogts sagte einmal nach einer Niederlagenserie: „Wir wollen ein Vorbild für alle Fans sein – wir schlagen niemanden mehr.“
Und als ihn eine kecke Journalistin zu seiner Einstellung zu „Sex vor dem Spiel“ fragte, meinte Vogts: „Ich habe nichts dagegen, nur auf dem Platz geht nichts.“
Als zur Jahrtausendwende ein uneheliches Kind von Franz Beckenbauer bekannt wurde, kommentierte das die kluge Comedy-Ikone Harald Schmidt lapidar: „Der ist derzeit der Einzige bei den Bayern, der auswärts noch trifft.“
Der unsterblich gebliebene „Kaiser“ äußerte sich auch einmal über den weiblichen Zulauf zum Fußball: „Großartig, dass sich die Frauen immer mehr vermehren!“
Und schließlich, für ewige Zeiten unwiderlegbar, wenn auch etwas unberechenbar, noch einmal Beckenbauer: „Es gibt nur zwei Möglichkeiten – Sieg, Unentschieden oder Niederlage.“

