Er kennt den ORF seit 25 Jahren – als Radio-Mitarbeiter, Wissenschafts- und Politik-Redakteur. Seit Jahresbeginn ist er ORF-Wien-Landesdirektor. Und hat großte Ziele und sehr klare Vorstellungen. Der ORF-WIEN-Direktor Edgar Weinzettl im WIENER-BEZIRKSBLATT-INTERVIEW.

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110 ORF-Wien-Mitarbeiter, verschiedenste Bereiche. Ein großer Tanker, den Sie übernommen haben?

Edgar Weinzettl: Eine große, wunderbare Herausforderung. In den nächsten fünf Jahren habe ich zwei große Ziele: das Landesstudio digital besser aufzustellen und aus dem Funkhaus ein echtes Hauptstadtstudio zu machen.

Das heißt: Das Funkhaus in der Argentinierstraße bleibt bestehen?

Definitiv. Wir wollen es weiter ausbauen, das ganze Grätzel als Zentrum für Kultur und Veranstaltungen etablieren. In der Nähe sind der Karlsplatz, das Theater Akzent, das Wien Museum und noch einiges mehr – angesichts der guten Verkehrsanbindung kann hier Großes entstehen.

Aber ist das Funkhaus nicht doch ein wenig verstaubt?

Wir arbeiten daran. Bis Ende 2023 wird das Landesstudio innerhalb des Funkhauses in ein neues Newscenter übersiedeln. Ich kann mir vorstellen, dass wir im Bereich des Zugangs zum RadioKulturhaus ein Sendestudio aus Glas etablieren, in das man von außen reinschauen kann. Grundsätzlich wollen wir zugänglicher und sichtbarer werden.

Klingt spannend. Meinen Sie nicht, dass der ORF Wien schwerfällig ist?

Im Vergleich zum Gesamt-ORF ist das Landesstudio Wien ein wendiges Segelboot. Wir wollen raus in die ­Bezirke, nach Corona
die Taktzahl wesentlich ­erhöhen. So planen wir Klub­konzerte, Veranstaltungen, neue ­Partnerschaften – und haben durchaus auch Über­raschendes vor (schmunzelt).

Sie machen uns neugierig.

Stichwort Kleinkunstszene, da wird einiges möglich sein.

Stichwort Radioreichweite. Schwächelt Radio Wien nicht ziemlich?

Radio Wien ist die klare ­regionale Nummer 1, aber ­sicher noch ausbaufähig. Wir arbeiten schon an ­wesentlichen Verbesserungen. Wir wollen die Wiener mehr zu Wort kommen lassen, ­Verkehrs-, Wohn- und Wien-Themen stärker forcieren.

Sie wollen das Landes­studio sichtbarer machen – konkrete Ideen?

Ja, wir wollen raus in die Bezirke, vor allem in jene außerhalb des Gürtels. Ein ­Beispiel: Die Bezirksfestwochen passen ­perfekt zu uns, hier gibt es viele Möglich­keiten. Wir wollen aktuell, live und regional sein, das sehe ich als unsere große Aufgabe.

Sie nannten auch die Digitalisierung als Ziel. Gibt es da viel Aufholbedarf?

Wir sind als Online-Medium schon sehr gut und kompetent, das reicht aber nicht. Derzeit haben wir ein Limit von 80 Meldungen pro Woche, das ist natürlich ein Hemmschuh. Wir brauchen dringend die vorgesehene ­Digitalnovelle. Auch in Sachen soziale Medien haben wir starke Einschränkungen, die nicht hilfreich sind.

Noch eine persönliche Frage: Haben Sie eine ­spezielle Strategie gegen den Jobstress?

Ich betreibe gerne Sport, gehe schwimmen, mache Yoga und am Wochenende geht’s in die Berge. Das ist für mich der beste Ausgleich.