Jürgen Partaj hat vor dem Sommer die Leitung von BASiS.KULTUR.WiEN und Tschauner-Bühne übernommen. Der “Hofmusikdirektor” im Interview über Kultur für alle, Wiener Identität und neue Ideen.
Er kennt die großen Säle ebenso wie die kleinen Bühnen. Als Direktor der Wiener Hofmusikkapelle führte Jürgen Partaj eine jahrhundertealte Institution behutsam in die Gegenwart. Nun ist der Kulturmanager, Musiker und Jurist mit einer neuen Aufgabe betraut: Seit Juni als Geschäftsführer von BASiS.KULTUR.WiEN und der traditionsreichen Tschauner Bühne.
Offene Worte des Neuen
Partaj steht für einen Kulturbegriff, der Offenheit und Qualität verbinden will. Seine Vorgängerin Monika Erb ist froh, dass er nachfolgt und spricht nur in den höchsten Tönen von Jürgen Partaj. Ursula Scheidl (Wien live) hat ihn zum Interview getroffen.

Wie groß ist der Wechsel von der traditionsreichen Hofmusik zur Basiskulturarbeit in den Bezirken?
Partaj: Es schlagen schon immer zwei Herzen in meiner Brust – Basiskultur und Hochkultur. Wobei das für mich keine Gegensätze sind. Ich habe den Anspruch, traditionsreiche Institutionen nicht versteinern zu lassen, sondern mit neuen Ansätzen weiterzuentwickeln und eine Brücke zwischen allen Formen der Kultur und den Menschen zu bauen.
Gab es einen Moment, in dem Sie wussten: Das möchte ich machen?
Ja, der Moment war augenblicklich da, als ich die Ausschreibung gelesen habe. Zwar hätte ich gerne noch ein weiteres Jahr für die Wiener Hofmusikkapelle gearbeitet, um die Etablierung der Chormädchen neben den Sängerknaben zu begleiten, allerdings gab es nur 2025 diese Chance und die wollte ich unbedingt nutzen.
Wie schwierig war der Wechsel von einer historischen Elite-Institution zur niederschwelligen Kulturarbeit?
Für mich gibt es da innerlich keinen Wechsel. Mein Ansatz in der Kulturarbeit war schon immer integrativ und eher niederschwellig. Ein Wechsel bedeutet lediglich, dass ich jetzt noch näher an den Menschen bin – und das bin ich sehr gerne!
Was ist der Reiz an der Aufgabe bei BASiS.KULTUR.WiEN?
Die Möglichkeit, dezentrale Kulturarbeit zu machen und Kultur dort zu verankern, wo die Menschen leben und mitgestalten können. Für die BASiS.KULTUR.WiEN spricht aber auch die inhaltliche Breite der Aufgabengebiete. Ein so vielfältiges Angebot von Jugendförderung und Lehrlingsprojekte über die Arbeit mit den rund 400 Mitgliedsvereinen und die Bandbreite an Eigenveranstaltungen findet man so nur selten.
Was möchten Sie verändern?
Ich bin im intensiven Austausch mit den Teams und den Tochtergesellschaften, sowie Vertretern der Stadt. Monika Erb hat bereits eine tolle Basis geschaffen und daran möchte ich anknüpfen. Natürlich gibt es auch Entwicklungsmöglichkeiten, an denen wir intern bereits arbeiten und dann umsetzen werden.
Welche Rolle spielt die Tschauner Bühne?
Sie ist ein ganz wesentlicher Baustein in der Theaterlandschaft Wiens. Keine Bühne bringt das Repertoire der Tschauner mit – gäbe es sie nicht, würde eine große Lücke in der Kulturlandschaft entstehen. Das Stegreifspiel wurde 2018 sogar zum immateriellen Kulturerbe der UNESCO, das spricht eigentlich schon allein für sich. Und das Repertoire geht weit über Stegreif hinaus – es zahlt sich wirklich aus, die Tschauner in ihrer Vielfalt und Offenheit immer und immer wieder neu zu entdecken!
Was möchten Sie auf der Tschauner Bühne weiterentwickeln?
Insbesondere möchte ich betonen, wie sehr sich die Tschauner Bühne in den letzten Jahren entwickelt hat. Es ist mir ein großes Anliegen, Menschen eine unvoreingenommene Begegnung mit der Tschauner zu ermöglichen und das Theater insbesondere bei jungen Menschen stark zu positionieren.
Was bedeutet für Sie „Kultur für alle“?
Kultur für alle bedeutet Barrieren abbauen und Sichtbarkeit schaffen. Wir sprechen hier nicht nur von Barrieren für Besucherinnen und Besucher, sondern auch jenen zur Mitgestaltung und thematischen Sichtbarkeit. Teilhabe bedeutet mitgestalten dürfen und nicht nur eingeladen werden.
Wie wichtig ist Humor in der Kulturarbeit?
Humor ist meiner Meinung nach im gesamten Leben eine Erleichterung. Insbesondere sollte man sich selbst nicht zu ernst und zu wichtig nehmen. Ich hatte das Privileg, in meinen bisherigen beruflichen Stationen viel Freude an der Kulturarbeit zu haben und mit den jeweiligen Mitwirkenden auch zahlreiche Möglichkeiten für Humor und Lachen zu finden. Ich bin fest davon überzeugt, dass das auch in Zukunft so sein wird.
Haben Sie einen Lieblingsort in Wien?
Nein, es gibt viele Orte, an denen ich mich gerne aufhalte – sowohl mitten in der Stadt als auch in den Außenbezirken bis hin zu den Grünoasen wie Wienerwald oder Donauinsel.
Wie verbringen Sie freie Zeit?
Auch in meiner Freizeit verbringe ich viel Zeit mit kultureller Auseinandersetzung. Außerdem musiziere ich selbst gerne und liebe es auf Berge zu steigen.
Was war Ihr prägendstes Kulturerlebnis?
Das war sicher, als ich als Fünfjähriger meine ältere Cousine unter dem Weihnachtsbaum beim Geigespielen gesehen und gehört habe. Das war für mich die Initialzündung, um selbst zu musizieren. Ich bin meinen Eltern richtig auf die Nerven gegangen, dass ich auch dieses Instrument lernen möchte, und sie haben es mir ermöglicht.
Wie würden Sie sich selbst in drei Worten beschreiben?
Lösungsorientiert. Humorvoll. Fair.

