Ein Glas Wasser aufdrehen, trinken, fertig: Was für Wienerinnen und Wiener selbstverständlich wirkt, ist das Ergebnis einer beeindruckenden Reise.
Das Wiener Wasser legt mehr als 100 Kilometer zurück, bevor es frisch aus dem Hahn sprudelt.
Aus den Alpen nach Wien
Der Großteil des Wiener Trinkwassers stammt aus den niederösterreichischen und steirischen Alpen. Dort versickern Regen und Schmelzwasser im Gestein, werden auf natürliche Weise gefiltert und treten als reines Quellwasser wieder an die Oberfläche.
Gesammelt wird das Wasser in Quellfassungen. Von dort gelangt es über die beiden Wiener Hochquellenleitungen in die Bundeshauptstadt. Die Erste Wiener Hochquellenleitung wurde bereits 1873 eröffnet und bringt Wasser aus dem Rax- und Schneeberggebiet nach Wien. Knapp 40 Jahre später folgte die Zweite Hochquellenleitung aus dem steirischen Hochschwabgebiet.
Ganz ohne Motor unterwegs
Besonders bemerkenswert: Für den größten Teil seiner Reise benötigt das Wiener Wasser keine Pumpen. Es fließt dank des natürlichen Gefälles allein durch die Schwerkraft von den Bergen bis in die Stadt. Das macht die Versorgung nicht nur verlässlich, sondern auch besonders energieeffizient.
Unterwegs passiert das Wasser Tunnel, Stollen und Aquädukte. Einige dieser eindrucksvollen Bauwerke stehen heute unter Denkmalschutz und zeigen, wie fortschrittlich die Ingenieurskunst bereits vor mehr als 150 Jahren war.
Riesige Reserven für die Stadt
In Wien angekommen, wird das Wasser zunächst in großen Behältern gespeichert. Insgesamt 31 Speicheranlagen sorgen dafür, dass auch an heißen Sommertagen und bei besonders hohem Verbrauch ausreichend Wasser zur Verfügung steht.
Von den Behältern aus fließt es durch ein rund 3.000 Kilometer langes Leitungsnetz zu etwa 100.000 angeschlossenen Gebäuden. Auch innerhalb der Stadt reicht der natürliche Wasserdruck in den meisten Fällen aus. Lediglich höher gelegene Gebiete werden zusätzlich von Pumpwerken versorgt.
Der letzte Weg zum Wasserhahn
Von der Hauptleitung unter der Straße führt ein eigener Anschluss in das jeweilige Gebäude. Dort passiert das Wasser zunächst den Wasserzähler und wird anschließend über Steigleitungen im Haus verteilt. So gelangt es schließlich in die Wohnungen – und aus Wasserhähnen, Duschen oder Spülkästen.
Hinter diesem alltäglichen Vorgang steckt ein komplexes Zusammenspiel aus Quellen, Speichern, Leitungen, Messanlagen und laufender technischer Überwachung.
Wien sorgt für die Zukunft vor
An einem durchschnittlichen Tag verbraucht Wien rund 400 Millionen Liter Wasser. An besonders heißen Sommertagen steigt der Bedarf deutlich an. Gleichzeitig wächst die Stadt weiter, während der Klimawandel neue Herausforderungen mit sich bringt.
Deshalb investiert Wien laufend in zusätzliche Leitungen, Wasserwerke und Speicheranlagen. Der Ausbau soll sicherstellen, dass auch kommende Generationen zuverlässig mit hochwertigem Trinkwasser versorgt werden.
Ein Schatz aus dem Hahn
Weil sauberes Wasser in Wien jederzeit verfügbar ist, wird sein Wert leicht unterschätzt. Dabei legen täglich Millionen Liter Quellwasser eine weite Reise aus den Alpen zurück.
Schon kleine Maßnahmen helfen, sorgsam mit dieser kostbaren Ressource umzugehen: kürzer duschen, beim Zähneputzen den Wasserhahn abdrehen oder Pflanzen in den kühleren Morgen- und Abendstunden gießen. Denn das Wiener Wasser ist zwar von außergewöhnlicher Qualität – selbstverständlich ist es aber nicht.

